bernhard Panzer

Einen Fulltime-Job hat derzeit Meister Adebar. Der auf dem Schlossdach nistende, alleinerziehende Storchenpapa versucht, seine dreiköpfige Brut hochzupäppeln. Der Nachwuchs wächst und gedeiht offenbar, wie Schlossnachbar Heinz Czellnik mit seinem Teleobjektiv festgehalten hat. "Wenn der Familienvater so weiter macht, haben die jungen Störche gute Chancen zu überleben", meint er.
Problematisch ist die Situation geworden, als die Storchenmutter plötzlich nicht mehr aufgetaucht ist. Das ist sie bis heute nicht, sie gilt als vermisst oder vermutlich gar tot. Das bedeutet aber auch, dass die Brut in Gefahr ist, weil ein einziges Elternteil mit dem Füttern möglicherweise überfordert ist.
Dennoch ist Czellnik zuversichtlich. Seinen Optimismus setzt der Herzogenauracher auch darauf, dass der Vater "ein ganz erfahrener Storch" sei. Dieser Vogel sei der erste gewesen, der sich 2010 in Herzogenaurach niedergelassen hat. Sein ganzes Verhalten deute darauf hin, dass der Altstorch wisse, was er zu tun habe. Inzwischen ist die Stadt ein kleines Storchenparadies geworden. Czellnik zählt eine ganze Reihe weiterer Nester, und er hat auch schon insgesamt zehn Junge entdeckt.


Lenz ist skeptisch

Nicht ganz so euphorisch sehen die augenblickliche Situation andere. Der Erlanger Storchenvater Michael Zimmermann hatte vergangene Woche bereits seine Hilfe angeboten, die aber nicht angenommen wurde. Man solle sich der Natur entsprechend verhalten, hieß es aus dem Rathaus. Und nicht künstlich eingreifen.
Unterdessen wird ein Eingriff aber geduldet. Denn Zimmermanns Storchenvater-Kollege aus Höchstadt, Edmund Lenz, darf seit einigen Tagen zufüttern. Das habe ihm die Stadt erlaubt. Das bedeutet, dass dort, idealerweise zwei oder dreimal am Tag, Futter ausgelegt wird. Dazu hat man sich ein Flachdach des Rathauses ausgesucht. Und damit die Störche neugierig werden, wurde auch ein ausgestopfter Storch postiert, sagt Lenz.
Freilich sei nicht gesagt, dass das Futter - laut Lenz handelt es sich um frisch aufgetaute Eintagsküken - auch gleich an die richtige Adresse kommen. Denn auf dem Schloss nistet noch eine Familie, ein Paar mit drei Jungen. Und auch für andere Vögel, wie Krähen, sei eine Zufütterung ein willkommener Leckerbissen. Dennoch will Lenz das noch weiter probieren. Ganz einfach aus der Überzeugung heraus, dass man den Storch bei der Fütterung unterstützen müsse. Denn das Alttier bringe oft nur Wasser, habe Lenz vor Ort beobachtet. Eine direkte Fütterung am Horst sei ihm von der Naturschutzbehörde allerdings untersagt worden.
Selbst wenn das Jugendtrio überlebt und flügge wird, sagt Lenz, brauche es anschließend noch viel mehr Kraft. Denn dann stehe der Vogelzug in den Süden an. Lenz: "Es ist eine Notsituation. Und da muss man der Brut helfen." Die Jungtiere der anderen Familie auf dem Schloss "sehen besser aus. Sie sind viel kräftiger."