Veronika Schadeck Die ehemalige Schiefertafelfabrik Büchner gehört nach wie vor zu Ludwigsstadt. Das wurde am Freitagabend bei der Buchvorstellung "Aus Ludwigsstadt in die ganze Welt" im Schiefermuseum Ludwigsstadt deutlich. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist dabei nicht zufällig gewählt, schließlich wurde das Unternehmen vor genau 150 Jahren gegründet.

Das Buch der Brüder Rudolf und Martin Büchner erzählt nicht nur die Entwicklung der Firma Büchner, die die Region über hundert Jahre lang rund um Ludwigsstadt wirtschaftlich, sozial und kulturell geprägt hat - es erzählt ein Stück Heimatgeschichte. Doch es gibt auch einen Einblick über die Schiefertafelproduktion zur damaligen Zeit.

Exporte bis nach Indien

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Erzählt wird von der Gründung der Schiefertafelfabrik Büchner im Jahre 1868 im thüringischen Gebersdorf/Gräfenthal durch den Ururgroßvater der beiden Herausgeber, Friedrich Büchner.

In den Anfangsjahren ist dieser noch mit der Schubkarre durch die Gegend gefahren, um bei selbstständigen Schiefertafelmachern Schiefertafeln abzuholen, die er anschließend unter seinem Namen verkaufte.

Binnen kurzer Zeit belieferte er Kunden bis an die Hafenstädte an Ost- und Nordsee. Allmählich wurde daraus eine richtige Fabrik mit Maschinen, Gebäuden und schließlich mit über 100 Mitarbeitern.

Der erste Standort der Produktionsstätte war gleich hinter dem Falkenstein. 1923 wurde schließlich das Fabrikgebäude in Ludwigsstadt fertiggestellt. Es handelt sich um jenes Gebäude, in dem mittlerweile die WOM medizinische Geräte produziert.

Die Büchners entwickelten sich im Laufe der Jahre zu einem der größten Schiefertafelproduzenten Deutschlands und exportierten bis nach Indien.

In dem Buch werden nicht nur der Aufbau des Unternehmens, sondern auch die Schattenseiten eines Unternehmertums geschildert. Da ist beispielsweise vom Vater der beiden Autoren, von Friedrich Büchner jun. die Rede, der seinen Vater Albin gerade mal mit 21 Jahren ablösen musste. Es ist vom Verlust von Absatzgebieten wegen des Stacheldrahts zu lesen, und davon, dass 1968 in Bayern die Schiefertafeln aus den Schulen verbannt wurden.

Er haben einen anderen Blick auf die damalige Zeit bekommen, nachdem er sich intensiv mit Aufzeichnungen seiner Vorfahren beschäftigt hatte, sagte Martin Büchner: "Wie kann es sein, dass mein Urgroßvater in Zeiten der Inflationen eine Firma aufbaute?"

Rund zwei Jahre haben sich die beiden Brüder mit ihrer Familiengeschichte auseinandergesetzt. "Mit diesem Buch wollen wir ein Andenken bewahren", sagt Martin Büchner.

Für die Nachwelt erhalten

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Ihre Anerkennung gegenüber den Büchner-Brüdern sprachen sowohl Bürgermeister Timo Ehrhardt als auch der weitere stellvertretende Landrat Bernd Steger aus. Sie bedankten sich ebenso wie der Vorsitzende der Hermann-Söllner-Stiftung, Gert Bayerlein, bei der Familie Büchner dafür, dass diese dem Schiefermuseum viele Geräte und Inventar aus der ehemaligen Schiefertafelfabrik zur Verfügung stellen. Denn damit bleibe ein großes Stück Heimatgeschichte der Nachwelt erhalten.