Der Architekturwettbewerb "Stadtbücherei am Marktplatz 10" trat in der vergangenen Woche in die entscheidende Phase. Das Preisgericht tagte am Donnerstag - und die Öffentlichkeit musste nur bis Samstag warten, bis sie im Stadtschloss die Gewinner und bei der anschließenden Vernissage nähere Einzelheiten präsentiert bekam.

Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) dankte zunächst Marek Stadthaus vom Architekturbüro Schirmer, der von der Stadt Lichtenfels mit der Auslobung des Wettbewerbs beauftragt war. Er dankte zudem den vier Fachpreisrichtern mit Vorsitzendem Stephan Häublein, den drei Sachpreisrichtern aus der Stadtverwaltung (Gerhard Pülz, Steffen Hofmann und Christine Wittenbauer), dem stellvertretenden Sachpreisrichter Christian Vogel und den zehn Beratern (Sanierungsberaterin Rita v. Frantzky, Günther Neuberger von der Regierung und sieben Stadträte).

Europaweite Ausschreibung

Marek Stadthaus sagte, bei der europaweiten Ausschreibung hätten sich über 60 Architekten gemeldet. Insgesamt seien 15 Wettbewerbsbeiträge fristgerecht abgegeben worden, deren Ergebnisse jeweils auf drei Wandtafeln im Stadtschloss zu sehen waren.

Der Architekt und Stadtplaner Stephan Häublein sprach von einem außergewöhnlich guten Ergebnis des Wettbewerbs. Es sei eine spannende Aufgabe gewesen, bei der drei Punkte wichtig gewesen seien - nämlich eine ansprechende Verbindung vom Marktplatz zum Stadtschloss zu schaffen, das Haus am Marktplatz angemessen zu sanieren, vor allem im Hinblick auf die Fassade, sowie die Stadtbücherei und die Tourismusinformation in Einklang zu bringen. Hierzu könnten sicher noch Gespräche in Bezug auf eine Optimierung geführt werden.

Schließlich stellte Häublein die Arbeiten der drei Preisträger mithilfe eines Modells und mit Bildern und Plänen vor. Der mit 20 000 Euro dotierte erste Preis wurde dem Studio Gründer Kirfel aus Bedheim zugesprochen, das durch Florian Kirfel und Nikola van der Werf vertreten war.

Hof und Bibliothek einbezogen

Der Entwurf beeindruckte die Juroren durch seinen geometrisch klar entwickelten, lang gestreckten Bibliotheksbereich auf der Ostseite des Hofes. Um die Höhe zum Stadtschloss abzubauen, verläuft im Hof eine sanft ansteigende Treppe. Flache, breite Stufen geleiten bis auf die Höhe des ersten Obergeschosses. Am Ende des Hofraumes führt eine Treppe zur Dachterrasse über dem Lesesaal und weiter bis zum Stadtschloss. Dadurch wird die hohe Stützwand konstruktiv eingebunden und räumlich überwunden.

Jeweils drei Gehstufen sind zu einer Sitzstufe zusammengefasst, was vielfältige Nutzungen im Hof ermöglicht. Parallel dazu steigt auch der Innenraum treppenförmig an. Ein Dachgarten auf dem zweiten Obergeschoss bietet Sitzgelegenheiten. Ein Aufzug steht für die Verwaltung zur Verfügung, während der Aufzug in der Bücherei zusätzlich als barrierefreie Verbindung zwischen Marktplatz und Schloss dient.

Durch die Treppenstufen ist allerdings keine Barrierefreiheit in der unteren Bibliotheksebene sowie im Innenhof gegeben. Dies gilt es im nachfolgenden Vergabeverfahren zu optimieren. Im Bestand, so auch in der Fassade, wird viel Holz verwendet. Von außen betrachtet gliedert sich die Stadtbücherei in drei Baukörper - den historischen Bau am Marktplatz, den Lesesaal und ein Hinterhofhaus.

Tordurchfahrt künftig in der Mitte

Dies bedeutet, dass die in den 70er Jahren für den damaligen Aldi-Markt asymmetrisch versetzte und vergrößerte Tordurchfahrt künftig wieder mittig im Gebäude sitzen wird. Auch die Proportionen des öffentlichen Durchgangs zum Stadtschloss werden auf eine für das Gebäude verträgliche Größe zurückgenommen.

Der mit 11 000 Euro dotierte zweite Preis ging an das Architekturbüro Baum-Kappler aus Nürnberg, dessen Wettbewerbsarbeit nach Meinung von Stephan Häublein derjenigen des Siegers nur wenig nachstand.

Der terrassierte Neubau fügt sich in diesem Entwurf ebenfalls behutsam an das Bestandsgebäude an und gewährleistet über eine Staffelung gestalterisch qualitätsvolle Außenbereiche sowie einen Innenhof und zwei Terrassen, die im räumlichen Bezug mit den Innenbereichen der Bibliothek stehen, wodurch die komplexe Höhensituation des Grundstückes gut gelöst wurde.

Über den mit 6500 Euro dotierten dritten Preis durften sich die K. u. G.-Architekten aus München freuen.