von unserem Redaktionsmitglied 
Sabine Memmel

Erlangen-Höchstadt — Mehrstündige Prunksitzungen, bunte Umzüge, Gardemädchen in funkelnden Kostümen, winkende Prinzenpaare und leckere Krapfen - wir befinden uns mittendrin in der heißen Phase der fünften Jahreszeit. Dass Politik und Gesellschaft dabei aufs Korn genommen werden, ist ein alter Hut und selbstverständlich. Doch wie wird mit den schrecklichen Anschlägen in Paris umgegangen? Darf Kritik an den Attentätern geäußert werden oder sollten Narren die Finger davon lassen? Wie weit darf man zur Faschingszeit gehen?

Lokales hat Vorrang

Der Kölner Karneval hat jetzt erst den Bau eines Umzugswagens gestoppt, der sich mit dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" auseinandersetzen sollte. Wir haben uns deshalb die Frage gestellt: Wird das Thema Meinungsfreiheit oder Toleranz in der Bütt oder beim Umzug aufgegriffen? Und haben sich die Faschingsvereine vor Ort überhaupt mit den Ereignissen in Paris befasst?
"Das muss man nicht noch mehr hochschaukeln. Damit gibt man dem Terror noch mehr Öffentlichkeit", findet Angelika Ort, dritte Vorsitzende bei den Höchstadter Fosänachtern. Für sie waren die Anschläge in Frankreich überhaupt kein Thema, das Motto des Umzugswagens am 17. Februar (siehe Seite 9) richtet sich an die Schlagerparty am kommenden Samstag. "Religion als Verarschung sollte man rauslassen. Satire ist gut, aber man muss auch die Grenze wissen, gerade beim Fasching."
Ganz ähnlich sieht das auch Thomas Semmelroth, Vorsitzender der Röttenbacher Besenbinder. Auch bei ihnen ist dieses Thema gar nicht erst zur Sprache gekommen. Schließlich gebe es genug lokalen Stoff, überregionale Themen finden kaum Beachtung: "Wir haben uns gar nicht damit befasst. Muss auch nicht sein, um Diskussionen zu vermeiden." Wenn sich doch ein Faschingsverein oder eine Gruppe dazu entschließen sollte, Bezug darauf zu nehmen, kommt es für ihn vor allem darauf an, wie es dargestellt wird. "Das muss man sehen. Das kann man nicht pauschal sagen."
Auch bei den Brucker Gaßhenkern wird auf die Anschläge beim Faschingsumzug in keiner Weise eingegangen. "Das ist ein heikles Thema", sagt der Vorsitzende Markus Armbruster. Die Politik auf die Schippe zu nehmen ist für ihn in Ordnung, bei Religion oder Terror wäre das allerdings eine andere Sache. Dann ist Fingerspitzengefühl gefragt: "Es ist auch die Frage: Wird es richtig verstanden und werden nicht falsche Sachen hinein interpretiert? Bevor man was verkehrt macht, sollte man lieber die Finger davon lassen."
Peter Nofski, Sitzungspräsident der Weisendorfer Blummazupfer hätte dagegen kein Problem damit, immerhin gehe es ja gerade um die Presse- und Meinungsfreiheit. Neutralität rund um die Anschläge in Paris empfiehlt dagegen Gerd Engert, Vorsitzender des Karnevalsclubs Herzogenaurach: "Man sollte den Fasching damit nicht in Verbindung bringen. Das ist nicht die richtige Plattform."