Manchmal habe ich das dringende Bedürfnis, meiner Frau - über das normale, bei mir selbstverständlich tägliche Maß hinaus - eine besondere Liebeserklärung zu machen. Ja, wenn man so will, bin ich eher der romantische Typ.

Neulich war wieder so ein Tag. Weil mir selbst bei der Hitze nichts Passendes einfiel, suchte ich online nach legendären Schmalzsätzen aus grandiosen Filmen.

"Ich schau Dir in die Augen, Kleines" , sagte einst in dem Kinohit "Casablanca" Rick (Humphrey Bogart) zu Ilsa (Ingrid Bergman). Nun, meine Frau sieht nicht mehr hundertprozentig alles megascharf, also fand ich das unpassend.

Dann stieß ich auf folgenden Satz von Mr. Darcy (Colin Firth): "Ich sollte Dir sagen, dass Du mich ganz und gar verzaubert hast und dass ich Dich liebe, liebe, liebe." Sehr schön, aber weil "Stolz und Vorurteil" (was ich nie verstehen werde) der Lieblingsschinken meiner Frau ist, wäre mein Plagiat sofort aufgefallen.

Doch dann, endlich, wurde ich fündig. Bei Loriot, dessen trockener Humor mich auch beim x-ten Anhören begeistert. In seinem Film "Ödipussi" hat er Evelyn Hamann mal etwas zugeraunt, etwas, das er nach eigener Auskunft einer Frau nie zuvor gesagt hatte. Und das auch irgendwie zur herrschenden Trockenheit passte. Ich druckte den Satz aus, lernte ihn auswendig, ging zu meiner Frau, verdrehte leicht die Augen und säuselte: "Ich würde dich in einer Tonne die Niagara-Fälle hinunterschubsen." Ich wartete auf die Reaktion. Doch die kam irgendwie anders als gedacht. Drei Tage hat sie nicht mit gesprochen. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe. Dietmar Hofmann