Auch der 13. Awo-Kulturtreff im Stadtsteinacher Heimatmuseum war zweimal voll ausgebucht. Vorsitzender Heinz Nowack hatte wieder einen bunten Reigen aus G'schicht'n und Liedla zusammengestellt und dazu, wie für die Frühjahrsveranstaltung üblich, Akteure von außerhalb engagiert hatte.

Diesmal war das Programm ganz besonders frisch, denn am Freitagnachmittag war die Heizung ausgefallen, so dass nach einiger Zeit Hausherr Bürgermeister Roland Wolfrum das Herbeischaffen eines Heizlüfters anordnete. Ein solcher spontaner Entschluss wäre Reinhard Witzgall aus Gösmes wahrscheinlich nie im Leben, zumindest nicht am gleichen Tag, in den Sinn gekommen. Er outete sich nämlich als Beamter, was er tatsächlich im wahren Leben auch ist.

Deshalb muss man seinen humorigen Erläuterungen auch Glauben schenken, wenn man sich nicht der Beamtenbeleidigung schuldig machen will. Zumindest, erläuterte Witzgall, seien Beamte auch zu spontanem Handeln fähig - unter der Bedingung, dass sie sich darauf haben vorbereiten können. "In anderen Fällen ist es die Hauptaufgabe, Anträge zuerst einmal abzulehnen, eine Genehmigung zumindest aber zu verzögern, dazu findet sich immer eine passende Vorschrift". Dazu plauderte er weitere Dienstgeheimnisse aus.

Mit Worten jongliert

Wie bereits im Kulturtreff im vergangenen Herbst bestach Witzgall mit seiner besonderen Art, mit Worten zu jonglieren. Auch in seinen ernsthafteren Texten: Über den Wert des Menschen zum Beispiel aus der Sicht eines Metzgers, eines Biochemikers, eines Finanzmanagers oder einer einfachen Frau vom Land.

Beschaulicher hingegen sind die Texte von Monika Andraschko aus Ködnitz. Trotzdem: Ihre Texte sind nicht betulich oder kitschig; manchmal sogar anzüglich ("Mier sin ja alla erwachsn, do konn ich des moll su song"), und manchmal auch kabarettistisch, wenn sie von "25 glaana Neecherla" erzählt und man erst gegen Ende drauf kommt, dass sie damit Nägel meint und keine starkpigmentierten Menschen. Und dann wird sie wieder ganz konventionell und heimatverbunden, wenn sie auf ihrer Akkordzitter "Am Brunnen vor dem Tore" vorträgt.

Lustige bis nachdenkliche Episoden fallen Ute Bächer auf, die die Chefin der Helmetzer G'schichtla-Werkstatt aufschreibt. Es sind meist kurze Episoden, die sie knackig auf den Punkt bringt.

"Meina G'schichtla schreibt des Le'em", sagt sie. Wie die von einem kurzen Gespräch zwischen Nachbarinnen: "Mei Dochder geht in die Hilfsschull", geniert sich die Mutter, was die Nachbarin respektvoll kommentiert; "No, wenn sa des Zeuch derzu hat! Mei Sohn studiert Wirtschaft", was die Nachbarin für praktisch hält: "Recht so, g'soffn wird immer."

Wenn das F hängt

Um Missverständnisse ging es auch beim Sketch von Magdalena Gareis und Wolfgang Hoderlein: "Des F hängt". Da reden der Besitzer einer ehrwürdigen analogen Schreibmaschine und die Verkäuferin in einem Computershop gehörig aneinander vorbei, und die eine versteht die Welt des anderen nicht mehr, denn mit einem Update ist es bei einer Schreibmaschine nach 30 Jahren nicht getan, wenn nur das Hämmerchen für den Buchstaben F klemmt und der Besitzer dessen Reparatur verlangt ...

Klaus Kuhrau hat eine Menge Episoden, die er in mittlerweile 77 Jahren erlebt hat, penibel auf Kärtchen geschrieben. 490 sind es inzwischen. Und die letzten hat er in seinem inzwischen 14. Buch zusammengefasst, von denen der Pfarrer im Ruhestand einige zum Besten gab.

Für Musik sorgte an den beiden Abenden in bewährter Weise Rainer Eichner mit seinem Akkordeon, außerdem aus der Gruppe "BSE" des Musikvereins Stadtsteinach Marianne Nowack, Sabine Baum und Rosi Groth am Klavier mit schönen und garstigen Liedern von Liebe.

Der nächste Kulturtreff wird im Herbst mit Akteuren aus Stadtsteinach stattfinden.