Das Originalgebäude des Herzogenauracher Spitals wurde 1509 errichtet und steht am Kirchenplatz. Erbaut wurde es mit finanziellen Mitteln des Niederndorfer Cunz Reyther, der es als Händler in Nürnberg zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatte und das Spital in seiner Heimatpfarrei unterstützte. Am 6. September 1511 wurde die Stiftung des Spitals in Herzogenaurach von Conrad Reyther durch den Bamberger Bischof bestätigt. Heute befindet sich darin das Stadtmuseum.

In Niederndorf trägt die Grundschule seinen Namen, sonst erinnert allerdings wenig an ihn. Aus diesem Grund fertigte eine Gruppe der Krippen-freunde, bestehend aus Josef Gumbert, Matthias Hagen, Christian Herbig, Johann Heydt, Dieter Klumpe, Manfred Lukasch, Robert Maier, Erwin Suschkow und Franz Schacher, von 2003 bis 2004 das Modell des Herzogenauracher Spitals am Kirchenplatz in ihrer Werkstatt an und stellte es im April 2004 in der Niederndorfer Schule auf. Dadurch war der gebürtige Niederndorfer in seiner Heimatgemeinde wieder etwas besser präsent. Im Laufe der Zeit waren einige Schäden an dem Modell entstanden, die nun ausgebessert wurden.

Eine Gruppe um den Vereinsvorsitzenden Hans Schmitt hatte das Modell abgebaut und in der Werkstatt des Vereins die Schäden ausgebessert. Vor allem die Fenster und die Dacherker mussten überarbeitet werden. Mit Farbe wurde es wieder in eine bessere Verfassung gebracht. Auch der Wiederaufbau nahm einige Zeit in Anspruch. Aber das Werk kann sich nun sehen lassen und erinnert an einen Bürger, der sich im sozialen Bereich engagierte.

Reichtum durch Tuchhandel

Der begüterte Nürnberger Bürger Conrad (abgekürzt Contz, Cuntz oder Cunz) Reyther stammte aus Niederndorf. Er lernte in Herzogenaurach das Tuchmacherhandwerk und liegt am Eingang zur Evangelienseite der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena begraben. Verheiratet war er mit Anna Seydenfaden, der Tochter des Herzogenauracher Baders auf der unteren Badestube, Fritz Seydenfaden.

Reyther war bezeichnenderweise im Tuchhandel zu großem Reichtum gekommen, besonders als Großhändler mit Waid, der den blauen Farbstoff der damaligen Zeit darstellte. Wohl auch aus dem Geist tiefer persönlicher Frömmigkeit heraus stiftete dieser Cunz Reyther im Jahr 1511 ein Spital für sechs alte und bedürftige Personen in seiner Heimatstadt Herzogenaurach. Diese Stiftung geschah nur kurze Zeit vor der Reformation.

Zwar hatte der Herzogenauracher Bürgerrat bereits 1508 den Beschluss zur Errichtung eines Spitals für alte Bürger und Frauen gefasst, konnte aber die Finanzierung nicht allein stemmen. Der damalige hiesige Pfarrer Johannes Widhössel (er amtierte von 1503 bis 1532), selbst ein Nürnberger, mag wohl seinen Einfluss auf den wohlhabenden Nürnberger Ratsherrn Reyther geltend gemacht haben, dieses Vorhaben durch eine hochherzige Stiftung für seine heimatliche Pfarrgemeinde zu verwirklichen.

Damit folgte Herzogenaurach zahlreichen anderen Städten des Bamberger Bistums, in denen ebenfalls einzelne Bürger oder Pfarrer, aber auch Domherren, der Bischof oder die Burggrafen im ausgehenden Mittelalter Spitäler errichtet hatten. Zur finanziellen Absicherung stattete Reyther seine Stiftung mit zahlreichem Grundbesitz an verschiedenen Orten aus, die jährlich 52 Gulden an Zinsen abwarfen. Darunter zählten Liegenschaften in Buch, Dondörflein und Falkendorf sowie die Dörflasmühle, die nach dem Willen ihres Stifters weder verkauft oder vertauscht noch verpfändet werden durfte. Der Rat der Stadt Herzogenaurach hatte das Recht, den Spitalmeister einzusetzen.

Der Stiftungsbrief gibt einen Einblick in die Lebens- und Denkweise sowie die Gebräuche des ausgehenden Mittelalters. Am 6. September 1511 bestätigte der Bamberger Bischof Georg III. Schenck von Limpurg mit Zustimmung des Domkapitels die neue ewige Stiftung eines Spitals in Herzogenaurach. Wie dem erhaltenen Pergamentbrief in Libellsweise zu entnehmen ist, hatte dieses Cunz Reyther gegründet, Bürger von Nürnberg. Besiegelt wurde diese Urkunde von den Amtmännern Georg von Thunfelt zu Wachenroth und Christoffel von Schaumberg zu Memmelsdorf. Kirchlich gehörte Herzogenaurach zur Würzburger Diözese.

Strenge Voraussetzungen

Das Spitalgebäude liegt bei der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena vorn am Eingang gegen Mitternacht (das heißt im Süden) neben dem Pfarrhof. Das Gebäude wurde zu diesem Zweck neu errichtet. Darin sollten sechs Personen männlichen und weiblichen Geschlechts lebenslänglich unterhalten werden. Der Rat zu Herzogenaurach setzte einen Spitalmeister ein, der jährlich drei Gulden rheinisch erhielt. Dieser war für die Aufnahme zuständig, worüber er mit Zustimmung des Rates der Stadt entschied.

Einen Platz im Spital erhielten Personen, die wegen ihres Alters oder "Blödigkeit des Leibes" nicht mehr arbeiten konnten und ihren Ehepartner verloren hatten. Eine Voraussetzung war auch, dass sie das Paternoster, den Englischen Gruß und das Glaubensbekenntnis recht ordentlich beten konnten. Aufgenommen werden sollten Personen, die sich nicht mit unehrlichen Handwerken befassten, besonders berücksichtigt werden sollten die Nachkommen von Bürgern und die Ehehalten zu Herzogenaurach. Allerdings hatte sich Reyther ausbedungen, dass er und seine Vettern zwei Personen unter den sechs dem Rat benennen konnten.

Ausgenommen von der Aufnahme waren Personen mit Aussatz, der Krankheit "mala Frantzosa" (= Syphilis), Epileptiker, Müßiggänger, offensichtliche Bettler, Sterzer, Spieler und Verschwender ihrer Güter. Außerdem sollten Verleumder, unehrliche Personen, "Gotswerer", Freiheiten-Verkundschafter und dergleichen außen vor bleiben.

Der Spitalmeister sollte von den Zinsen des gestifteten Kapitals alljährlich am St. Elisabethentag für die Stifterfamilie einen Jahrtag halten lassen. Dazu zählten eine Vigil am Vorabend, am Morgen ein gesungenes und fünf gesprochene Seelämter. Solange Vigil und Seelämter währten, mussten vier Kerzen brennen. Die Pfründner des Spitals hatten anwesend zu sein und fünf Vaterunser, fünf Ave Maria und das Glaubensbekenntnis zu beten. Außerdem zahlte der Spitalmeister jedem vier Pfennige aus. Alle Sonntage möge man auf der Kanzel, wenn man der Seelen Gedächtnis hält, wie es in Herzogenaurach Gewohnheit ist, des Stifters gedenken.

Kein Bild erhalten

Reyther hatte mit seiner Frau zwölf Kinder, die alle in Nürnberg begraben liegen. Der Stifter Cunz Reyter ist "mit Tod zu Nürnberg abgegangen anno domini 1522 am achten Ostertag (acht Tage nach Ostern) und sein ältester Sohn, auch Cunz genannt, mit Tod abgegangen anno 1524 am 22ten Tag des Brachmonats". Beide liegen zu Herzogenaurach auf dem Kirchhof vor der Ehe- oder Tauftür (Südseite) begraben.

Von Cunz Reyther hat sich kein authentisches Bild erhalten. Jedoch wird die Figur des Beters in der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena gerne als Reyther tituliert. Der Stil der Skulptur würde durchaus für eine Entstehung im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts sprechen. Jedoch wurde der Beter aus seinem Zusammenhang einer Figurengruppe gerissen, wodurch eine genauere Aussage möglich wäre. Daher muss es bei einer Vermutung bleiben.

Herzogenaurach ehrte Reyther durch Benennung eines Straßenzuges. Am 29. September 2000 wurde im ehemaligen Spital das Herzogenauracher Stadtmuseum eröffnet.