bernhard Panzer Es war ein mächtiger Baum, der einst auf der Anhöhe zwischen Haundorf und Herzogenaurach gestanden hat. Eine Linde, die wohl mehrere Jahrhunderte alt gewesen ist, bis sie in den 1950er Jahren einem Sturm zum Opfer fiel. Als Zweimarterlinde ist sie in die Geschichte der Stadt eingegangen. Und mit ihr ein Steinkreuz und zwei Martern respektive Bildstöcke nebst zwei Ruhesteinen.

Gepflanzt worden ist die Linde, den Überlieferungen zufolge, anlässlich des westfälischen Friedens nach dem 30-jährigen Krieg im Jahre 1648, also quasi als Friedenslinde. Davon berichtet der Herzogenauracher Heimatforscher Luitpold Maier.

Diese "markante Wegmarkierung" beschäftigt das Rathaus auch heute noch aktuell. Denn es gibt Bestrebungen, das damalige Ensemble wieder herzustellen. Freilich kann man einen mehrere Jahrhunderte alten Baumriesen nicht einfach so erneuern. Doch die gesamte Gruppe kann man nach überlieferter Darstellung wieder aufbauen.

Das ist auch das Ansinnen der Stadt. Vor vier Jahren ist man auch erstmals aktiv geworden. Am Olympiaring, also ganz in der Nähe des einstigen Standorts, sind Linden gepflanzt und ein neues Steinkreuz aufgestellt worden. Und eine der beiden Martern, die erhalten werden konnte, hat ihren Platz dort auch. Fehlt nur noch die zweite Marter. Doch die ist verschollen. Man muss sich also irgendwie behelfen, wenn das Ensemble wieder hergestellt werden soll.

Zwei Möglichkeiten

Bürgermeister German Hacker verdeutlicht: "Wir möchten eine zweite Marter aufstellen." Das stehe fest, nur sei noch offen, wie das geschehen soll. Entweder man baut einen Bildstock neu oder man verwendet vorhandene Fragmente alter Martern, die allerdings früher an anderen Stellen gestanden haben. Laut Hacker muss da schlicht abgewogen werden. Entweder man geht historisierend zu Werke, erstellt also ein völlig neues Gebilde nach altem Vorbild. Oder man nimmt altes Gestein und fügt es zusammen, obwohl es im Grunde nicht dorthin gehört.

Im Stadtarchiv wird die Geschichte der alten Zweimarterlinde und ihres Ensembles derzeit bearbeitet, und auch der Denkmalschutz soll Gehör finden. Bürgermeister Hacker hat bei der Präsentation des Heimatkalenders für 2020 jedenfalls mitgeteilt, dass die Symmetrie wieder hergestellt werden soll: In der Mitte das Kreuz, rechts daneben die alte Marter - beides ist vorhanden - und der Platz links des Kreuzes wird dann noch bestückt.

Irene Lederer, Leiterin des Stadtmuseums und Archivs, hat ihre eigene Meinung. Solche Martern seien für bestimmte Plätze geschaffen worden und seien demnach Zeitzeugen. Es gebe noch Fragmente eines Bildstockes, der einst im Lohhof stand. Der hätte nach Lederers Meinung aber an der Herzo Base einen falschen Platz. Viel eher könnte sie sich, um der geschichtlichen Bedeutung des Areals bewusst zu werden, eine Informationstafel vorstellen, mit alten Bildern und erklärendem Text.

Für eine Wiederherstellung des Ensembles mit Fragmenten anderer alter Martern hingegen spricht sich der Heimatverein aus. Der hat in seinem Heimatkalender den Monat März der Zweimarterlinde gewidmet. Warum sollte man erhaltene Bruchstücke verrotten lassen, anstatt sie aus dem Keller zu holen und wieder aufzubauen, fragt sich Vorsitzender Klaus-Peter Gäbelein. Die Lindenallee vor der Herzo Base wäre hierfür ein geschichtlich nachgewiesener und auch geeigneter Ort.