bernhard Panzer Freilich, ganz ohne Politik geht es dann auch nicht. Wenn ein Abgeordneter des Deutschen Bundestages Mittagsgast in einem Wirtshaus ist, und das auch noch am Aschermittwoch, dann wird's automatisch auch ein bisschen politisch. Erst recht, wenn es dann obendrein auch noch derjenige Politiker ist, der seit 2002 den Wahlkreis vertritt und trotz seiner jungen Jahre schon ein alter Hase in Berlin ist.

Der Anlass seines Besuchs war für Stefan Müller, den parlamentarischen Geschäftsführer der CSU im Bundestag, allerdings ein anderer. Er löste eine Gegeneinladung ein, die ihm der Mittwoch-Stammtisch der Brauerei Heller ausgesprochen hatte. Als Dank für ein paar ausgesprochen informative Tage im Bundestag. Bernhard Schwab, der Fraktionsvorsitzende der CSU im Herzogenauracher Stadtrat und "Stammtischler", ließ nicht locker und so kam das Zusammensein nun zustande.

Einmal im Monat, in der Regel an einem Mittwoch, treffen sich ehemalige Mitarbeiter von Schaeffler und auch mindestens einer von Siemens in der Braustube Heller. Dort werden dann unter anderem gemeinsame Aktivitäten besprochen. Wie zum Beispiel die Fahrt nach Berlin in den Deutschen Bundestag.

Dass MdB Stefan Müller die Gegeneinladung nun ausgerechnet am Aschermittwoch angenommen hat, das lag auch an seiner berlinfreien Woche, wie er erklärte. Tatenlos ist der 43-Jährige in diesen Tagen deshalb noch lange nicht. So hielt er am Abend eine Rede bei der CSU in Bayreuth und danach schaffte er es vielleicht noch zur politischen Veranstaltung der CSU Seebachgrund in seiner Heimatgemeinde Großenseebach.

Passau allerdings fiel am Aschermittwoch für Müller aus, und das kam Schwab entgegen. Hatte der CSU-Kommunalpolitiker seinen Abgeordneten doch für sich. Klar, dass er das mit einem Augenzwinkern anmerkte. Sein Gast habe Gespür, lobte Schwab. Schließlich ziehe er einen richtigen fränkischen Stammtisch vor und begebe sich also genau dorthin, wo die Politik gemacht wird - im Kleinen, unter den Bürgern.

Und dann gab es auch ein paar Fragen an den Bundespolitiker, zu Kindergeld und Grundrente, zu Müllers Tweet zur Umwelthilfe, aber auch zum Wirtshaussterben in Franken. Selbstredend, dass das "Waldkrankenhaus" als aktueller "Fall" da angesprochen wurde. Die Bundesregierung könnte ja mal darüber nachdenken, ein Programm aufzulegen, merkte Müller an. Relativierte seine Aussage aber sogleich: Was nutze das beste Programm, wenn sich schlicht niemand findet, einen Familienbetrieb weiter zu führen. So war dann doch ein klein bisschen politischer Aschermittwoch mit im Spiel. Und eine prima Portion Heringe. Und die konnte der Gast aus Berlin mittags ganz ohne große Rede genießen.

Eine Rede gab's an gleicher Stelle ein paar Stunden später aber trotzdem, dann allerdings bei den politischen Mitbewerbern von der SPD. Die halten ihre Veranstaltung zum Aschermittwoch nämlich traditionell beim Heller ab. Die CSU saß früher nebenan in der "Krone" - die Herzogenauracher Hauptstraße als Hochburg des politischen Aschermittwochs.