Nach 50 gemeinsamen Jahren feierten Inge und Hellmuth Müller ihre Goldene Hochzeit mit einem Dankgottesdienst in der Johanneskirche, begleitet von ihren damaligen Trauzeugen Adolf Lauterbach und Andreas Wehrfritz sowie vielen Verwandten und Freunden. Wie am ersten Hochzeitstag, einem Sonntag, spielte wieder "sein" Posaunenchor.

Niemand sonst ist mit den Bläsern so verbunden wie der Jubelbräutigam: 1954 Gründungsmitglied, Leiter, über 50 Jahre Obmann und noch heute mit seinem Bariton-Bass eine Stütze des Chores. Auch der Johanneschor ließ es sich nicht nehmen, ein Ständchen zu bringen. Schließlich ist die Jubelbraut schon 40 Jahre eine seiner wichtigen Konstanten. Und die Zithergruppe "Zeitlos", bei der Inge Müller seit zwölf Jahren mit musiziert, spielte vor dem Altarraum zur Gratulation auf.

Pfarrer Peter Ahrens nannte das Ehejubiläum einen "Aussichtspunkt, von dem aus man dankbar vieles der bisher zurückgelegten Wegstrecke überschauen kann". Im Zeitraffertempo könne man viele Erlebnisse und Stationen mit anderen Menschen und Weggefährten vorüberziehen lassen.

Inge Müller wundert sich heute noch über die Hochzeitsvorbereitungen: "Zwölf Frauen waren damals drei Tage dabei, um aus - unter anderem - drei Zentnern Mehl Unmengen von Küchla zu backen." Oder an den Hochzeitsmorgen vor 50 Jahren, als zur Überraschung eine geschmückte Kutsche, gezogen von zwei sauberen Pferden und gelenkt von zwei Kutschern mit Frack und Zylinder, vor dem Wohnhaus vorfuhr, um das junge Brautpaar zur Kirche zu kutschieren. Die Hochzeitsgäste staunten damals auch nicht schlecht, als der damalige Bürgermeister Kurt Held bei der Rückfahrt ins Dorf höchstselbst neben der Kutsche herlief und ständig die Bremse betätigte, weil er in Sorge war, dass die Kutsche den Berg hinunter vielleicht "ausbrechen" könnte.

Außenstelle des Pfarramts

Das elterliche Lebensmittelgeschäft in der Kulmbacher Straße, das Hellmuth Müller 1968 übernahm, war nicht nur einfach ein Laden, sondern ein besonderer Treffpunkt für viele im Ort. Pfarrer Peter Ahrens wies darauf hin, dass es außerdem gewissermaßen auch eine Außenstelle des Trebgaster Pfarramts war. Denn Hellmuth Müller, den meisten besser bekannt als "der Betscher" oder "der Sattler" (nach dem Hausnamen und seinem erlernten Beruf), war 30 Jahre im Kirchenvorstand und über (fast) alles, was im Pfarrhaus vor sich ging, bestens informiert. Dieter Hübner