"Mittendrin statt nur dabei" beim größten Senioren-Basketball-Event aller Zeiten hieß es für Bertram Wagner bei der diesjährigen Fimba-WM. Für den 58-Jährigen wurde sein insgesamt zehnter EM- bzw. WM-Auftritt zu einem unvergesslichen Erlebnis im italienischen Montecatini. 367 Mannschaften in insgesamt 17 Spielklassen, aus 44 Ländern und fünf Kontinenten, trugen insgesamt 938 Partien in 20 Spielhallen aus. Das großartige Ambiente in der Toskana, das internationale Flair mit "Olympia-Feeling" und die erreichte Endplatzierung im (vorderen) Mittelfeld bei einer ausgeglichenen 3:3-Bilanz (Rang 18 von 42 Teams) sorgten für einen Dreiklang der besonderen Art - passend zum "Zehnjährigen"! Im Interview spricht Bertram Wagner, derzeit der älteste Bamberger Korbjäger (Ü 55), der national und international Turniere spielt, über die Rekord-WM.

Diese Rekordzahlen sind ja wahrlich imposant. Was macht das Außergewöhnliche einer solchen WM-Großveranstaltung aus?
Bertram Wagner: Allein der Startschuss bei der "Opening Celebration" verursachte schon Gänsehaut-Stimmung. Über 4000 Basketballer zogen wie bei Olympia durch die Straßen in Montecatini, Einheimische und Touristen standen Spalier an der Wegstrecke. Bereits beim Aufstellen traf man viele alte Bekannte von vorherigen Titelkämpfen, ein peruanischer Gegenspieler von 2011, 2013 und 2015 brachte mir eine handgefertigte Inka-Mütze mit. Nur ein Beispiel von vielen. Wann trifft man schon einmal Sportler aus Brasilien, Japan oder Mexiko? Egal ob in den Hallen oder der Stadt, den ganzen Tag über ist man Teil dieser "Maxi-Basketball-Familie".

Flair und olympischer Geist hin oder her, wie lief's auf dem Parkett?
Auch wenn man immer sagt, dass der olympische Gedanke des Dabeiseins überwiegt, was ja auch stimmt, geht es doch bei den Spielen energisch und teilweise hart zur Sache, was mit dem üblichen Gemeinschaftsfoto hinterher alles wieder vergessen ist. Der Auftaktsieg gegen Uruguay wirkte befreiend. Einziger sportlicher Wermutstropfen: Den Einzug in die Endrunde verhinderten zwei vergebene Freiwürfe Sekunden vor dem Ende der Verlängerung beim Kroatien-Krimi. Kurzzeitig ärgerlich, aber so ist Basketball eben! Der Stimmung im Team tat dies keinen Abbruch: Erfolge gegen Österreich und Kolumbien konnten in der Runde der Vorrundenzweiten gefeiert werden. Die beiden Abschluss-Niederlagen gegen Griechenland und die Ukraine änderten da nichts mehr an dem positiven Gesamtbild. Schließlich ließen wir auf dem Ranking 24 Teams hinter uns. Ich selbst bekam sehr viel Spielzeit, durfte in der Starting Five ran und wurde in den sechs Spielen binnen sieben Tage schon sehr gefordert.

Sie sind seit 2015 (in Orlando) auch Ü-55-Spielführer. Was ist da anders im Vergleich zum "Nur"-Spieler?
Im Vorfeld ist viel Organisatorisches zu leisten. Vor Ort selbst bleibt es nicht bei der Begrüßung und dem Geschenke-Austausch. Einerseits natürlich ist dies eine große Ehre, aber auch viel Verantwortung. Anfahrt zu den Hallen, gemeinsame Restaurant-Besuche oder auch mal etwas Kulturelles zu koordinieren. Nachdem unser Hamburger Coach zweimal wegen Terminkollisionen nicht auf der Bank saß, musste ich auch erstmals als Spielertrainer fungieren. Kein leichtes Unterfangen, gleichzeitig mit dem Kopf auf der Bank und dem Feld zu sein! Hoffentlich bleibt mir dies in Zukunft erspart!

Italien und Basketball - da denkt man an die Heimat von Andrea Trinchieri und Nico Melli. Hat sich auch davon etwas bei der Maxi-WM bemerkbar gemacht?
Ja, natürlich! Gleich beim ersten Spiel traute ich meinen Augen nicht, als ich hinter dem Korb ein riesiges Tuch mit der Aufschrift "Der beste Trainer Trinchieri!" entdeckte. Von wem dies stammte, konnte ich nicht klären. Egal, ob man das Kampfgericht oder Schiedsrichter ansprach, die beiden kannte jeder. Da wunderte es auch nicht, dass unsere "Give-Aways", die wir freundlicherweise von Brose Bamberg bekamen, heiß begehrt waren. Ein bisschen "Freak City" also auch in der Toskana bei den "Oldies".

Es war bereits Ihr 10. großes Internationales Turnier, EM oder WM. War das Jubiläum was ganz Besonderes oder gar das beste Turnier?
Das kann man so nicht sagen: Ich würde Montecatini aber schon allein wegen des Rekords mit Natal/Brasilien (2011) und Orlando/USA (2015) auf eine Stufe stellen. Spielerisch steigt das Niveau immer mehr an, da war 2017 sicherlich das bisher Beste!

Wie sind ihre weiteren Fimba-Pläne?
Nach der WM ist vor der EM: Ab Herbst heißt es Maribor/Slowenien 2018 und die nächste WM findet 2019 in Finnland statt. Langfristig träume ich schon davon, dass ich nochmals an die zehn Teilnahmen schaffe, wenn ich von größeren Verletzungen verschont bleibe. Das Gesamterlebnis wirkt motivierend!

Das Gespräch
führte Michael Memmel
.