Dr. Jürgen Gröbel aus Pretzfeld hat einen Vortrag in den Räumen des Weltladens Forchheim in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk "Hilfe zur Selbsthilfe - Die German Doctors in Sierra Leone" gehalten. Dort, in einem der ärmsten Länder der Erde, arbeitete er in einem Krankenhaus für die "German Doctors".

Seit 35 Jahren engagieren sich Ärzte bei dieser Organisation. Zurzeit sind sie in fünf Einsatzländern tätig. Sieben Projekte wurden 2017 betreut und weiter ausgebaut.

Als NGO (Nichtregierungsorganisation) sind die "German Doctors" auf einen Projektpartner angewiesen, in diesem Fall ist dies die katholische Kirche. Dr. Gröbel machte sich von der Hauptstadt Freetown auf den Weg nach Serabu, seinem Einsatzort im dortigen Missionshospital.

Tagelanger Weg ins Hospital

Kranke Menschen müssen oft tagelang laufen oder sich tragen lassen, bis sie das Hospital erreichen. Unfallopfer werden einfach vor der Türe des Krankenhaus abgelegt mit den Worten: "Mach' mal." Notarzt, Sanitäter oder Krankenwagen kennt man in Sierra Leone nicht. Straßenbeleuchtungen existieren keine, so dass es lebensgefährlich ist, nachts zu fahren.

Die Armut der Menschen dort ist für uns nicht vorstellbar. Es gibt nur wenige ausgebildete Mediziner, ein vollständiges Medizinstudium abzuschließen, ist in Sierra Leone nicht möglich. Daher ist ein Schwerpunkt des Einsatzes die Schulung der örtlichen Fachkräfte mit dem Ziel, sie zum selbstständigen Führen einer Abteilung der Klinik auszubilden. Sie werden zu "Community Health Officers" geschult, um nach rund zwei Jahren selbstständig medizinisch zu arbeiten. "Hilfe zur Selbsthilfe" ist das Motto der Organisation.

Im Hospital arbeitet jeweils für sechs Wochen ein deutscher Facharzt aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Geburtshilfe, Kinderheilkunde und Chirurgie gemeinsam mit den Kräften vor Ort und bildet diese aus. Örtliche Mitarbeiter fahren in die umliegenden Dörfer, um gesundheitliche Aufklärungsarbeit zu leisten und Hygieneschulungen abzuhalten. So sind die Arbeitsschwerpunkte Geburtshilfe, die Behandlung von Infektionen, chirurgische Notfälle und zunehmend auch chronische internistische Krankheiten. Da es keinerlei Krankenversicherung gibt, sind viele Menschen nicht in der Lage, einen Krankenhausaufenthalt zu bezahlen. Dies wird dann mit den Spendengeldern der "German Doctors" oder zum Teil durch Operationen wohlhabenderer Patienten finanziert. Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere, Geburtshilfe und die Behandlung von Kindern sind grundsätzlich kostenfrei.

Betroffenheit löste bei den Zuhörern des Vortrags aus, dass Dr. Gröbel von dort noch herrschenden archaischen Strukturen erzählte, bei denen behinderte Kinder im Busch ausgesetzt würden, weil die Familie kein Geld besitzt, diese Kinder mit zu ernähren oder gar behandeln zu lassen.

Auch das Thema "Beschneidung bei Mädchen" sprach er an. Diese wird aus traditionellen Gründen nach wie vor vorgenommen. Eine Folge davon ist, dass die Frauen oft sehr schwere Geburten haben und oft nur durch Kaiserschnitt entbinden können. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist extrem hoch. Dr. Gröbel erzählte auch von einem großen Anliegen für Serabu, nämlich der Ausstattung eines zweiten Operationssaales vor allem mit ordentlichen Lampen und einer Klimaanlage. "In Deutschland wird in voll klimatisierten Räumen operiert, in Serabu oft bei 35 Grad. Das Wasser steht einem manchmal in den OP-Stiefeln", sagte er.

Wer die "German Doctors" in Serabu in diesem Anliegen unterstützen möchte, kann dies unter folgender Kontonummer tun: Stichwort "Operationssaal in Serabu", Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE26 5502 0500 4000 8000 20. Gisela Schmitt