Baiersdorf/Herzogenaurach — Sechs Wochen verbrachte Sandro Bögler mit einem Stipendium der Joachim-Herz-Stiftung in den USA, um die Kultur und die Unterschiede zwischen den Ländern kennenzulernen. Dabei hätte er ohne seinen Arbeitgeber, den Sportartikelhersteller Adidas in Herzogenaurach, diese Erfahrung wohl nie machen können.
"Die Firma ist einen Tag vor der Bewerbungsdeadline auf mich zugekommen und hat gefragt, ob das nicht was für mich wäre", schildert der 19-Jährige. "Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon fast keine Überlegzeit mehr. Es ging daher alles sehr schnell. Ein Tag nach Ende der Frist habe ich dann meine Bewerbung eingereicht. Und da das Wochenende dazwischen war, hat es doch noch gezählt", freute er sich. Die Stiftung hat fortan im Rahmen des Stipendiums nahezu alles bezahlt. Die Unterkunft, Reisekosten und auch Ausflüge. Der Selbstanteil beschränkte sich auf die Verpflegung, gibt Bögler an.
Die Joachim-Herz-Stiftung vergibt drei verschiedene Arten von Stipendien: Sie unterteilt sie in sechs-, zehn- und zwölfwöchige Stipendien. Das passiert aber nicht einfach so. Nach einer Bewerbung muss man sich auch einem Bewerbungsgespräch unterziehen. "Dort wurde dann die Eignung auf den Aufenthalt geprüft. Die Prüfungsrunde wechselte zum Beispiel ab einem bestimmten Punkt im Gespräch auf Englisch, um die Qualifikationen zu prüfen. Wer damit nicht klarkam, war raus" erklärte Sandro.
Bei Adidas ist er erst im Support gewesen, schnupperte dann ins Marketing, bevor er seine Passion in der Programmierung und die Wartung sowie Überprüfung technischer Systeme fand.


Kurs mit einem Roboter

In den USA war das alles aber ganz anders. "Ich war für sogenannte Pflichtkurse, die von der Stiftung aus notwendig waren, eingetragen. Selbstverständlich konnte ich mich zusätzlich auch für eigene Kurse, frei nach meinen Vorstellungen und Wünschen, eintragen", freute sich der Informatiker.
Am spannendsten fand er einen Kurs mit einem Roboter, der erst zusammengebaut werden musste, was mechatronische Fertigkeiten benötigte, und dann aus einem Labyrinth von selbst entkommen musste, was Programmierungsfähigkeiten voraussetzte. "Das war wirklich wahnsinnig interessant", schwärmte er.


Firmen besichtigt

Wenn er nicht die Universität besucht hat, war er unterwegs, um im Rahmen des Stipendiums andere große Firmen zu besichtigen. Unter anderem war Sandro bei Porsche, Audi und auch Coca Cola. In der freien Zeit, die er zur Verfügung hatte, war er ebenfalls viel unterwegs. "Wir haben zusammen den Atlanta-Airport oder auch New York besucht", schildert er. Zu den größten Unterschieden, die ihm aufgefallen sind, zählt die Handhabung in der Kirche und auch die Südstaaten-Gastfreundschaft in den USA. "Das ist der absolute Wahnsinn. Man wird da von Menschen nach Hause eingeladen, die man gerade erst kennengelernt hat", erklärte Bögler.
Diese Reise hat ihm einen Traum erfüllt. "Schon als ,kleiner Sandro' hatte ich die Überlegung, dass ich unbedingt mal ins Ausland will. Und da sich diese Möglichkeit nun bot, musste ich sie am Schopfe packen". Sandro erklärte weiter: "Der Aufenthalt hat definitiv meine Wanderlust geweckt, dass hab ich nach meiner Rückkehr auch gleich meiner Freundin gesagt. Ich habe aus dem Aufenthalt nämlich auch einiges für mich mitgenommen. Zum Beispiel will ich nicht mehr so ,deutsch' in manchen Situationen sein. Will mich auf mehr Dinge, denen man eher abgeneigt ist, einlassen."
Jedem, dem sich so eine Möglichkeit bietet, kann er nur raten, sie unbedingt wahrzunehmen. "Nicht lange nachdenken, einfach machen."