Mit einem Festgottesdienst wird am Sonntag, 16. Juni, um 9.30 Uhr das 25. Jubiläum der Weihe der Herzogenauracher St.-Otto-Kirche gefeiert. Am 12. Juni 1994 hatte der damalige Bamberger Weihbischof Werner Radspieler das neue Kirchengebäude eingeweiht und damit seiner Bestimmung übergeben.

Die Geschichte der Pfarrei St. Otto beginnt mit der Errichtung eines Kindergartens in der Theodor-Heuss-Straße (Grundsteinlegung 1974). Hier konnten im Sportraum des Kellergeschosses Gottesdienste gefeiert werden. Eine Notkirche ermöglichte ab 1979 die Feier der Messe für einen größeren Kreis. Frühzeitig waren die Beteiligten aber schon daran interessiert, ein eigenes Kirchengebäude zu errichten. 1986/87 wurde eine Filialkirchenstiftung vom Kultusministerium und der Erzdiözese genehmigt.

Pfarrverweser Pfarrer Franz Noppenberger aus Niederndorf stellte 1989 das Modell für die künftige Kirche vor, für den Entwurf zeichnete Dombaumeister und Diözesanarchitekt Professor Manfred Ehrhardt verantwortlich. Um die Kirche als Zentrum gruppierten sich auf diesem Modell das Pfarrheim und Wohnungen. Das Pfarrheim sollte Jugendräume, einen Raum für Senioren und für die Erwachsenenbildung erhalten. Ein Zelt diente als Vorbild für die Kirche, der achteckige Zentralbau war für 250 Sitz- und 100 Stehplätze ausgelegt. Der Altar fand seinen Platz nicht im Zentrum, sondern war leicht in Richtung Osten gerückt. Trotzdem sollten sich die Kirchenbesucher um diesen Altar versammeln können.

Der Glockenturm war nicht in den Kirchenbau integriert, sondern nach Westen vom Gebäude abgerückt. Er sollte in Skelettbauweise aus Stahl errichtet werden, es war aber geplant, die Glockenstube mit den Zifferblättern für die Uhr zu verkleiden. Ein überdachter Durchgang war als Anbindung an das Gotteshaus gedacht. In dieser frühen Planungsphase war auch noch beabsichtigt, im Osten das Pfarrheim anzuschließen. Da ein genügend großes Areal zur Verfügung stand, sollten neben Kirche und Pfarrheim auch 24 bis 26 Sozialwohnungen durch die St.-Joseph-Stiftung Bamberg erbaut werden. Der Plan stellte eine gute städtebauliche und architektonische Lösung dar, die Kirche würde den Stadtteil aufwerten und ihm als Mittelpunkt dienen.

Am 9. Juni 1991 wurde schließlich der erste Spatenstich für das Unternehmen getätigt. Domkapitular Klemens Fink und Pfarrer Franz Noppenberger hatten zuvor einen Gottesdienst zelebriert und darauf hingewiesen, dass die Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena genügend Raum für die Kirchgänger biete; es sei aber dennoch nötig, dass die Kirche bauliche Akzente in der Stadt setze und sich nicht verstecke.

Behelfskirche wird verkürzt

Die Behelfskirche musste bis zur Fertigstellung um zwei Meter verkürzt werden, damit der Neubau nicht behindert wurde. Die Kosten für die Kirche mit Glockenturm waren mit 6,67 Millionen DM geplant, 5,95 Millionen DM stellte das erzbischöfliche Ordinariat zur Verfügung, den Rest von rund 700 000 DM sollte die Gemeinde aufbringen. Architekt Helmut Popp überwachte die Arbeiten.

Bereits zum Otto-Fest 1993 konnte am 20. September ein Gottesdienst in der provisorisch eingerichteten Kirche gefeiert werden. Klaus-Peter Scherer schuf den Altar. Die Glasfenster entwarf Christiane Triebsch, im Mittelpunkt steht die Darstellung des Wortes in der Verkündigung. In Siebdruckmalerei mit Bleiverglasung wurden biblische Reliefs und hebräische Schriftzeichen dargestellt.

Die Komplettierung der Ausstattung schritt voran. Am 15. April 1994 waren 48 Angehörige der Pfarrei bei der Firma Bachert in Kochendorf bei Neckarsulm mit Kaplan Joachim Kauer beim Guß der Kirchenglocken anwesend. Beim Glockengießen ist es üblich, das flüssige Metall zur Todesstunde Jesu, am Freitag zwischen 15 und 16 Uhr, hier um 15.30 Uhr, abzustechen. Die größte Glocke mit 950 Kilogramm trägt die Aufschrift "Christkönig" und ist mit "e" gestimmt, die zweite mit 700 Kilogramm trägt die Inschrift "Johannes der Täufer" und ist mit "fis" intoniert. Die 500-Kilogramm-Glocke ist dem "Hl. Otto" geweiht und mit "gis" gestimmt, die kleinste mit 350 Kilogramm dem "Hl. Josef" gewidmet und mit "h" intoniert. Firmenchef Hans Wormser stiftete drei Glocken, Helmut Popp eine. Zur Weihe am 1. Mai 1994 wurden die Glocken vom Parkplatz des alten Friedhofs feierlich durch die Stadt zur St.-Otto-Kirche gefahren. Damit die vier Glocken die Gläubigen zur Messe rufen können, wurde aus 38 Tonnen Stahlprofilen der Glockenturm mit 27 Metern Höhe errichtet.

Die neue Kirche präsentiert sich dem Betrachter als oktogonaler Zentralbau mit einem Zeltdach aus Nirosta-Blech. Eine Laterne spendet dem Zentralraum Licht und wird von einem vergoldeten Stahlkreuz gekrönt. Nach Osten schließt sich eine Sakramentskapelle, vergleichbar einer Apsis, dem Bau an. Der Zelebrationsaltar ist auf einem Sockel leicht aus der Mitte nach Osten verschoben. Für die Gottesdienstbesucher stehen 250 Sitz- und 250 Stehplätze zur Verfügung.

Kreuz von Egino Weinert

Die Beleuchtung erfolgt durch zwei Oberlichtbänder unter dem Ansatz der Dachfläche sowie senkrechte Fensterbänder, die sich zwischen den versetzten Außenmauern befinden. Am 12. Juni 1994 konnte Weihbischof Werner Radspieler das neue Kirchengebäude weihen und damit seiner Bestimmung übergeben. Kaplan Joachim Kauer wurden offiziell die Schlüssel übergeben, da er in Zukunft das Gotteshaus betreuen sollte. Im Verlauf der Weihe wurden in den Altar Reliquien der Katakombenheiligen Faus-tus, Amanda und Clemens durch Weihbischof Werner Radspieler eingefügt. Die Kirchenausstattung komplettierte ein Altarkreuz von Egino Weinert. 1995 konnte die erste Erstkommunion in der Kirche gefeiert werden.

Am Ottofest der Pfarrei am 24. September 1995 erfolgte die Grundsteinlegung zum Pfarrzentrum. Dieses sollte aus einem Pfarrhaus mit Wohnungen für den Pfarrer, einen pastoralen Mitarbeiter, eine Haushälterin und den Hausmeister bestehen. Angeschlossen sollte auch ein Pfarr- und Jugendheim werden. Am 1. April 1996 wurde die Filialkirchengemeinde St. Otto von Erzbischof Karl Braun zur Pfarrei erhoben.

Nach seiner Ernennung zum Pfarrer der Gemeinde St. Otto am 1. September 1996 wurde der bisherige Kaplan Joachim Kauer am 29. desselben Monats durch Dekan Josef Dobeneck in sein Amt eingeführt. Die Bauarbeiten gingen zügig voran, Domkapitular Klemens Fink weihte am 20. April 1997 das Pfarrzentrum von St. Otto. Die Weihe der Orgel am 21. April 2007 erfolgte durch Erzbischof Ludwig Schick, sie komplettierte die Einrichtung.