Heute freuen sich die Kinder, wenn in der Blaich das Wiesenfest gefeiert wird. Doch vor 80 Jahren hatte das Wiesenfest einen ganz anderen Stellenwert. Bei einem Ehemaligentreffen gerieten einige Kulmbacher, die vor 80 Jahren in die Blaicher Schule kamen, ins Schwärmen. Hannelore Münch war am Ehemaligen-Stammtisch der Star. Denn sie hatte ein altes Klassenfoto dabei. Vor genau 80 Jahren kam Hannelore Münch in die Blaicher Schule. "Wir hatten den Lehrer Wörfel. Der hatte immer die ersten und zweiten Klassen. Das war ein sehr guter Lehrer", schwärmt Münch noch heute. Sie war gerne an der Schule.
Zum Blaicher Wiesenfest trafen sich die früheren Schüler. "Eigentlich wollten mehr kommen, aber einige haben's jetzt wohl doch nicht geschafft!", bedauert Münch. Ebenfalls in der Klasse waren Hans Nützel, Oswald Meußgeyer und Alfred Gründel. Hans Nützel gehört zum Inventar des Blaicher Wiesenfestes. Er fährt seit Generationen im offenen Cabrio - an der Spitze des Festzuges - mit. Auch beim Wiesenfest 2017 hat er eine Ansteckblume ans Hemd geheftet. "Das hatten wir als Kinder immer. Ich habe auch die alte Fahne noch, die wir damals getragen haben", sagt Nützel.
Der Weg des Festzuges verlief einst ganz anders. "Wir sind die Unterpurbach rauf, sind dann bei den Sauermanns durch den Betrieb. Und der Bernhard Sauermann hat uns dann ein Würstchen spendiert. Das waren keine Bratwürste, sondern ein Wienerle", erzählt Nützel. Doch in den Jahren vor dem Krieg war ein Wiener Würstchen eine echte Delikatesse: etwas Besonderes. "Später war ich dann in der Oberrealschule, da hab ich dann Gregori in Kulmbach gefeiert", erzählt Nützel.


Umzug durch die Wurstfabrik

Auch Oswald Meußgeyer (86) erinnert sich noch an die einstigen Umzüge. "Das war damals einfach etwas Besonderes so ein Festzug", sagt Meußgeyer. "Früher haben wir beim Wiesenfest Topfschlagen gespielt", erzählt Alfred Gründel. "Da lag nicht einmal was unter dem Topf", erinnert sich der Senior und lacht. Auch er ist gerne zum Ehemaligentreffen gekommen.
"Früher haben die Mädchen alle selbst geflochtene Blumenkränze getragen. Das haben die Mütter gemacht. Und jedes Mädchen hatte ein Blumenkörbchen dabei mit Rosen oder Nelken. Das war vielleicht ein Blumenmeer", erzählt Hannelore Münch. Für die Mädchen war das Wiesenfest aber auch deshalb etwas Besonderes, weil sie ihre schönsten Kleider anziehen durften.
"Auch heute noch werden in der Blaich die Häuser noch richtig schön geschmückt. Das war damals schon so - in anderen Stadtteilen ist das nicht so", sagt Münch und ist stolz, dass sie auch vor 80 Jahren schon dabei sein durfte. Wenn es nach Hannelore Münch geht, wird sie auch das 90-jährige Bestehen des Wiesenfestes noch mit den Blaicher Kindern feiern.