Eckehard Kiesewetter

Die Stadt Ebern will bald mehr Gewerbeflächen zur Verfügung haben. Der Verlust einer sicher geglaubten Firmenansiedlung hat den Bürgermeister aufgerüttelt. In einer am Dienstag verbreiteten Pressemitteilung meldet Jürgen Hennemann (SPD, er habe einen Workshop der Stadträte angestoßen, um intern über die künftigen Weiterentwicklungsmöglichkeiten des Wirtschaftsstandorts zu diskutieren. Zukünftig soll, so seine Marschroute, "auf alle Fälle der Grundsatz gelten, keine Gewerbegebiete mehr auszuweisen, die nicht im Besitz der Stadt sind", damit die Stadt bei Anfragen schnell reagieren kann und ausgewiesene Flächen auch verkauft werden." So lohnten sich auch die Planung und Erschließung von Gebieten.


Ein Desaster

Der Wind weht rauer in Ebern - ein Wahljahr steht bevor, die Opposition formiert sich und der SPD-Bürgermeister Jürgen Hennemann muss sich wärmer anziehen. Zudem gilt es jetzt, eine Niederlage zu verdauen, die mit Fleisch (in Flaschen) zu tun hat und vielen Mitgliedern des Stadtrats noch einige Zeit im Magen liegen dürfte.
Das Desaster um die geplante Ansiedlung der Nutrition-Solutions-GmbH hat gezeigt, dass die Stadt für die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe nicht hinreichend gerüstet ist. Während die Kommunen im Umfeld Investoren mit großflächigen Arealen und zum Teil besserer Infrastruktur umgarnen, hat Ebern einem vielversprechenden (sic!) Investor in die proteinhaltige Suppe gespuckt.
Ausschlaggebend für den Rückzug des Unternehmers Rolf Stumpf war nicht nur die Debatte um sein Bauvorhaben. Das Problem liegt tiefer, wie der Bürgermeister, der bei den Verhandlungen etliche mögliche Standorte für die Fleisch-in-Flaschen-Abfüll-Anlage ins Gespräch brachte, einsehen musste. Er konnte keine Wunschfläche auf dem Silbertablett offerieren, wie dies anderen Kommunen möglich ist.


Die einzige Chance

Einzige von Stumpf akzeptierte Chance war das vieldiskutierte Grundstück neben der Frauengrundhalle, dessen Erhalt die Eberner lauthals fordern - als Kultur-Areal mit Potenzial. Für den jetzt abgesprungenen Käufer ist die Fläche "verbrannte Erde". Für etliche Mitglieder des Stadtrats, eine von der CSU angeleierte Bürgerinitiative und für Kulturtreibende handelt es sich um eine Fläche, die rasch umgewidmet werden sollte.
Darüber hinaus hat die Stadt, anders als vielfach kolportiert, keine verfügbaren Gewerbeflächen zu bieten. Der Bürgermeister gibt einen Überblick:
 ?  Der Gewerbepark "Alte Kaserne" ist fast vollständig belegt. Vier Gebäude sind noch ungenutzt, aber in Privatbesitz. Eigentum der Stadt sind nur noch Parkflächen.
 ?  Im Gewerbegebiet Eyrichshof sind die Flächen, welche der Stadt gehören, für Erweiterungen dort ansässiger Betriebe reserviert. Weitere Flächen sind in Privatbesitz.  ?  In der Specke wurde ein Gewerbegrundstück von der Stadt angekauft und an Unternehmen für Bauprojekte weiterverkauft.
 ?  In Fischbach, gegenüber von Valeo (ehemals FTE), besteht ein Bebauungsplan, die Flächen befinden sich aber in Privatbesitz. Die Stadt verhandelt den Angaben zufolge mit den Eigentümern, um Gewerbeflächen zu kaufen und anfragenden Unternehmen anzubieten.
 ?  In Sandhof ist seit den 1960er Jahren ein Gewerbegebiet hinter dem Firmensitz von Ebner-Logistik ausgewiesen. Allerdings Privatbesitz, "über lange Zeit war ein Kauf der Flächen nicht möglich", berichtet Hennemann. Über Geldsummen wird bei alledem ohnedies nicht öffentlich geredet.
Die Gewerbeflächen, die in Ebern tatsächlich zur Verfügung stehen, sind aus Sicht der Stadtverwaltung also knapp bemessen. Und bei der Neuausweisung von Gewerbegebieten sei die Stadt, trotz ihrer Fläche von 95 Quadratkilometern, stark eingeschränkt: durch Überschwemmungsgebiete der Baunach, den Naturpark Haßberge sowie Landschaftsschutzgebiete und FFH-Flächen.
"Deswegen ist es notwendig, die bestehenden Flächen zu nutzen und mögliche Flächen anzukaufen", kündigt der Eberner Bürgermeister an.
Die Stadt verhandele seit geraumer Zeit mit privaten Grundstückseigentümern, um für Anfragen gerüstet zu sein und etwas anbieten zu können. Diese Gespräche gestalteten sich aber schwierig. Viele Grundbesitzer sind nicht bereit, sich von ihren Immobilien als wertstabiler Kapitalanlage zu trennen.