Gerhard Deutschmann Im Konzentrationslager, den alltäglichen Tod vor Augen, schufen sie unbeirrt musikalische Werke und gewannen dadurch Überlebenskraft. Es waren Komponisten wie Hans Krása oder Viktor Ullmann, die aus Prag stammten. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurden sie in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Viele Talente gingen dadurch sinnlos verloren. Eine späte Ehrung wird ihnen zuteil, wenn man ihre unter schwierigsten Umständen zustande gebrachten Werke immer mal wieder zur Aufführung bringt, wie jüngst beim 3. Sinfoniekonzert des Landestheaters Coburg.

Zu Beginn erklang eines der letzten Werke von Hans Krása, der durch die Kinderoper "Brundibár" bekannt worden war: die "Ouvertüre für kleines Orchester". Erst 50 Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihres Schöpfers wurde sie in Berlin publiziert.

Schwierigste Umstände

Ihre Merkmale sind die farbige Orchestrierung mit je zwei Klarinetten und Trompeten, Streichern und virtuosem Klavier sowie die lebendige, motorische Rhythmik, die dem Werk einen fröhlichen, spielfreudigen Charakter verleihen. Unter der anfeuernden Leitung von Roland Kluttig erlebte das relativ kurze Werk mit dem Philharmonischen Orchester eine beschwingte, präzise Wiedergabe.

Es folgte eine Komposition von Viktor Ullmann, einem Schönberg-Schüler, der ebenso wie Krása 1944 in Auschwitz grausam ermordet wurde. Seine Sinfonie Nr. 2 ist aus der im selben Jahr entstandenen 7. Klaviersonate hervorgegangen, die Bernhardt Wulff nach vorhandenen Instrumentationsangaben des Komponisten für großes Orchester arrangierte. Sie wurde 1989 uraufgeführt.

Das Publikum erlebte ein Werk großer emotionaler Dichte in mäßig moderner Tonsprache, das bis auf das humoristische Scherzo mehr zu düsterer, schwermütiger Stimmung neigt, aber in einer pompösen, kraftvollen Fuge durchaus positiv endet. Auch hier erlebte man eine sorgsam gestaltete, eindrucksvolle Wiedergabe durch Orchester und Dirigent.

Optimal besetzt

Hauptwerk nach der Pause war "Das Lied von der Erde" von Gustav Mahler. Hätte er länger gelebt, wäre ihm wahrscheinlich das gleiche zugestoßen wie Krása und Ullmann. Somit passte er als aus Böhmen stammender jüdischer Komponist genau in dieses Programm. Sein zwischen Liederzyklus und Sinfonie stehendes "Lied von der Erde" basiert auf chinesischen Texten, die Hans Bethge aus der französischen Übersetzung ins Deutsche übertrug und herausgab.

Begeisterter Beifall

Mit dem jetzigen Ensemblemitglied Kora Pavelic (Alt) und dem ehemaligen Roman Payer (Tenor) hatte man die anspruchsvollen sechs Gesänge optimal besetzen können. Kora Pavelic beeindruckte mit lyrisch warmem Stimmklang, der aber auch intensiv aufblühen konnte und stets wandlungsfähig im Ausdruck war. Roman Payer glänzte mit ausladendem, strahlenden Tenor, der sich mühelos gegenüber dem riesigen Orchesterapparat zu behaupten vermochte, aber auch gelöst und locker "Von der Jugend" erzählen konnte.

Großes und Klangvolles mit zahlreichen lupenreinen Soli leistete wiederum das Orchester unter der minutiös und intensiv gestaltenden Leitung von Roland Kluttig, denen nach dieser unter die Haut gehenden Wiedergabe ausdauernd begeisterter Beifall gespendet wurde.