sabine Christofzik

Bamberg — Seit vielen Jahren leiden berufliche Schulen an Lehrermangel, insbesondere in technischen Fächern. "Wenn das Ministerium ein solches Programm anbietet, dann ist der Bedarf schon sehr hoch." Roland Gröber, Leiter des Staatlichen beruflichen Schulzentrums in der Ohmstraße, wird, so wie es im Moment aussieht, im neuen Schuljahr selbst vier Planstellen zu besetzen haben.
Das Problem: Es gibt in Bayern nicht genügend Bewerber für das Lehramt an beruflichen Schulen in den Fachrichtungen Bautechnik, Elektro- und Informationstechnik und Metalltechnik. Deshalb sollen erneut Ingenieure für den Quereinstieg gewonnen werden.


Zwei Jahre Vorbereitungsdienst

Das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus lässt in einer Sondermaßnahme bis zu 15 Diplomingenieure (Universität) oder Master-Absolventen (Universität oder Hochschule) der Fachrichtung Bautechnik - oder verwandte Studiengänge - und bis zu 15 aus den Fachrichtungen Elektrotechnik oder Maschinenbau für den am 11. September beginnenden Vorbereitungsdienst für das Lehramt an beruflichen Schulen zu. Bevorzugt berücksichtigt werden sollen Bewerber, die die Diplom- oder Masterprüfung nach 2012 mit der Note gut oder besser abgelegt haben. Die Bewerbungsfrist (beim Referat VI.2 des Kultusministeriums) läuft bis 13. April.
Ein Informationsveranstaltung über die Sondermaßnahme zur Gewinnung von Berufsschullehrern findet am Montag, 9. April, um 18 Uhr in der Staatlichen Fachober- und Berufsschule Technik München, Orleansstraße 44 (Ostbahnhof) in München statt.
"Studienräte für Metalltechnik und Elektrotechnik werden auch in Oberfranken dringend gesucht. In Randgebieten wie Kronach, Hof oder Marktredwitz ist die Situation noch etwas gravierender, als beispielsweise in Bamberg ", informiert Roland Gröber.
"Seit Mitte der 70er-Jahre gibt es deshalb immer wieder mal solche Sonder-Aktionen. Dass es jetzt auch an Lehrern für die Bauberufe mangelt, ist überraschend. In den letzten Jahren gab es genug."
Auch an seiner Schule hat man schon länger Erfahrungen mit Lehrkräften, die zunächst eine andere Berufslaufbahn eingeschlagen hatten. "Und das sind überwiegend sehr gute Erfahrungen." Quereinsteiger war zum Beispiel auch der jetzige Bischberger Bürgermeister und stellvertretende Landrat Johann Pfister.
Selbst 38 Jahre im Dienst als Berufsschullehrer, macht der Oberstudiendirektor kein Hehl daraus, dass diese Tätigkeit, verglichen mit der eines Studienrats im Gymnasium, mit einem Image-Problem zu kämpfen habe. "Dies allerdings zu Unrecht. Von den Abiturienten und künftigen Lehramtsstudenten kennt kaum einer die Berufsschule von innen. In dieser Hinsicht fehlen ihnen die Lehrer-Vorbilder. Sie orientieren sich am Gymnasium. Dabei kann man in beruflichen Schulen die gleiche Karriere machen. Vielleicht sogar noch etwas schneller, was Beförderungen angeht.
Bedenken, dass es an Berufsschulen, sagen wir mal etwas ,robuster' zugeht als an allgemeinbildenden, spielen möglicherweise auch eine Rolle. Ich kann nur für meine Schule sprechen: Hier ist das nicht so.
Im Gegensatz zum Gymnasiallehramt gibt es keinen Überhang an Studenten. Die Einstellungschanchen an beruflichen Schulen sind sehr gut."


"Zugewinn" für die Schule

Quereinsteiger (momentan sind es zehn) bezeichnet Gröber als einen Zugewinn für die Schule. "Sie wissen, wie Berufsleben auf einem akademischen Level funktioniert, sie wissen auch, was Innovationsdruck ist."
Einer der mit 48 Jahren die Entscheidung getroffen hat, "in die Lehre zu gehen als Lehrer", ist Ferdinand Eckert. Der Maschinenbau-Diplomingenieur war 20 Jahre bei FTE in Ebern beschäftigt (in Entwicklung und Vertrieb).
Nachdem er die Kündigung erhalten hatte, stand er vor der Wahl, in der Industrie zu bleiben oder in den Schuldienst zu gehen. "Es ist ein neues Feld, in das man sich hineinknieen muss: die Didaktik, die Methodik und all das andere. Der Umstieg ist kein Zuckerschlecken gewesen. Aber schon im ersten Jahr stand für mich fest, dass das die richtige Entscheidung war." Als Vater von vier Kindern war ihm bekannt, wie Jugendliche denken und fühlen.


Mehr Gestaltungsmöglichkeiten

Der heute 64-Jährige unterrichtet die Kfz-Mechatroniker. "Die Schüler kommen zum Teil aus hochmodernen Betrieben. Gerade im Technikbereich muss man als Lehrkraft up to date sein. Es gibt ständig Veränderungen. Unterrichtsmaterial parat haben ist da Knochenarbeit. Dennoch: Ich habe keinen Tag bereut, an dem ich hier bin."
Er ist Mitglied im vierköpfigen Schulleitungsteam und Vorsitzender des Fördervereins der Schule. "Ein Leistungsträger und ein Antreiber, der nur schwer zu ersetzen sein wird", sagt Roland Gröber über den "spätberufenen" Pädagogen, der über das Renteneintrittsdatum 31. Januar 2019 hinaus mindestens bis Schuljahresende 18/19 weiter arbeiten will, weil die Schule ihn braucht und er eine Verantwortung für sich sieht.
Der "Lehrer im Beschäftigungsverhältnis" (für die Verbeamtung hatte er die Altersgrenze überschritten), schätzt das gewisse Maß an Freiheit, das er in seinem jetzigen Tätigkeitsfeld hat. "Ich will mein Nest, in dem ich mich bewege, auch selbst gestalten können. In der Industrie ist der Zwang, in eine bestimmte Richtung marschieren zu müssen, höher."