Wenn Johann Kalb auf dem Weg von Buttenheim nach Bamberg im Auto telefoniert, dann fährt er bei Strullendorf in ein Funkloch. Wie der Landrat (CSU) weiter berichtet, passiert das seiner Frau nicht. Und schaut man auf die offizielle Karte zur Sprachmobilfunkverfügbarkeit, die einem Förderprogramm des Freistaats Bayern zugrunde liegt, dann gibt es dort weit und breit keine Funklöcher.

Die Gründe: Die Mobiltelefone des Landrats und seiner Frau sind bei verschiedenen Netzbetreibern angemeldet. Für die offizielle Kartierung reicht es aber, dass einer der drei Netzbetreiber -Telekom, Vodafone oder O2 - ein Gebiet mindestens mit dem G2-Standard (GSM/Sprachtelefonie) abdeckt, damit dieses nicht als unversorgt gilt.

Zudem ist es auch ein Problem des Maßstabs. Die "Karte zur Sprachmobilfunkverfügbarkeit in Bayern" aus dem Jahr 2018 legt ein Raster von 250 mal 250 Meter an. Kleinere Lücken werden also gar nicht erfasst, führt Inge Werb, Leiterin der Wirtschaftsförderung des Landkreises, aus. Diese sogenannte "gelbe Karte" sei lediglich eine Hochrechnung, basierend auf den Daten der Netzbetreiber. Und wer nicht auf dieser Karte auftauche, könne auch nicht in das Förderprogramm aufgenommen werden.

"Die Realität schaut anders aus", meint Kalb. Weil der Landrat nicht allein ist mit seinem Problem, sondern ihm aus vielen Ecken des Landkreises über Schwierigkeiten beim Mobilfunkempfang zugetragen wurden, hat das Landratsamt eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Das Regensburger Unternehmen IK-T wurde beauftragt, entlang von mehr als 10 000 Kilometer Straßen, und teils auch Wirtschaftswegen, im Landkreis Funklöcher aufzuspüren. Dazu wurde ein Fahrzeug mit Empfangsgeräten aller drei Netzbetreiber in den gängigen Standards 2G, 3G (UMTS) und 4G (LTE) bestückt, das Messraster auf 50 mal 50 Meter verfeinert.

Und siehe da, die Unterschiede zur offiziellen Karte waren groß - auch wenn nach der Messung das Ergebnis wieder auf das größere Raster umgelegt wurde, wie Werb feststellt: Allein beim Kriterium 2G-Empfang wurden aus 15 Kommunen mit Mobilfunklücken im Gemeindegebiet 34. Nur die Ein-Ort-Gemeinden Gundelsheim und Kemmern können sich einer kompletten Netzabdeckung erfreuen. Aus 81 Kilometer "unterversorgter" Straßen und Wege wurden 814 Kilometer. Die meisten Lücken wurden - was fast zu erwarten war - in den flächengrößten Landkreiskommunen lokalisiert - in Scheßlitz (vor allem im Raum Zeckendorf, Ludwag), in Burgebrach (besonders ausgeprägt im Bereich Treppendorf, Hirschbrunn, Oberköst) und in Heiligenstadt (südlich in Richtung Oberngrub, Kalteneggolsfeld).

Recht löchrig wird das Netz zum Beispiel aber auch an den Rändern von Burgwindheim und Ebrach. Oder westlich von Baunach, wo es der "gelben Karte" zufolge jeweils kein einziges Funkloch geben soll. Königsfeld ist auch so ein Fall - "gelbe Karte": 0,0 Straßenkilometer, IK-T-Messung: 21,6 Kilomter.

"Die tatsächliche Unterversorgung ist zehnmal so hoch wie im ursprünglichen Förderprogramm dargestellt", sieht sich Landrat Kalb bestätigt. Doch was wird nun aus der Studie für die der Landkreis einen "niedrigen fünfstelligen Betrag" ausgegeben hat. Zum einen wolle man eine Weiterentwicklung des Förderprogramms anstoßen, meint Kalb. Das Ergebnis der Messungen und die Messmethode sei sowohl beim Bayerischen Mobilfunkzentrum in Regensburg als auch im übergeordneten Wirtschaftsministerium auf Interesse gestoßen. Zum anderen hätten die Gemeinden nun die Möglichkeit, anhand der Daten "auf Augenhöhe mit den Netzbetreibern zu verhandeln".

Die Gemeinden haben ein Interesse daran, Funklöcher zu schließen. Denn die digitale Infrastruktur mit schnellem Internet und Mobilfunk ist zum wichtigen Standortfaktor geworden, weiß man in der Wirtschaftsförderung des Landkreises. Und wo die Mobilfunkanbieter kein eigenwirtschaftliches Interesse sehen, müssen die Kommunen aktiv werden. Denn Mobilfunk gehört nach geltendem Recht nicht zur Daseinsvorsorge, ist also keine Aufgabe der Regierung und ihrer untergeordneten Behörden wie den Landratsämtern.