Veronika Schadeck Der Spitzenkandidat der AfD zur Europawahl, Jörg Meuthen, kam am Samstag nach Stockheim. Dort ging er auf das Parteiprogramm ein. Anders als beim Auftritt des AfD-Parteivorsitzenden Alexander Gauland im vergangenen Jahr gab es diesmal im Außenbereich der "Alten Zeche" weder eine Demonstration noch Protestplakate. Der Saal in der Gaststätte war nahezu gefüllt.

Mit frenetischen Ovationen wurde Meuthen im Saal begrüßt, wiederholt wurde seine Rede von Beifall begleitet. Gleich zu Beginn stellte der AfD-Bundessprecher klar, dass seine Gruppierung keine "Dexit-Partei" sei. Die EU müsste aber reformiert werden, um noch größeren Schaden als den bereits angerichteten vermeiden zu können.

In seiner Rede nahm er sowohl die Union als auch die Sozialdemokraten und die Grünen ins Visier. Dem CSU-Spitzenkandidaten Manfred Weber warf Meuthen in seiner rund einstündigen Rede vor, aus Machtstreben - Weber will EU-Kommissionspräsident werden - die deutschen Interessen hinten anstellen zu wollen. Bei dem Spitzenkandidaten der europäischen Sozialdemokraten, Frans Timmermann, breche sich die "Sprache der unmenschlichen sozialistischen Ideologie". Er strebe nämlich komplett offene Grenzen und eine "globale Multikulturalität" an.

Meuthen sprach von einem Irrsinn in der europäischen Politik. Er versuchte diesen anhand von EU-Verordnungen über die neapolitanische Pizza, Schnellerketten, die elektrische Leitfähigkeit des Honigs und die Qualität von Kondomen zu erklären. Mit dieser "degenerierenden Dekadenz" werde der Kontinent von den wirklichen Gefahren abgelenkt, meinte der Politiker. Als solche benannte er vor allem die Migration und die ökologischen Probleme, zu denen die AfD nicht die Schadstoffe aus dieselbetriebenen Autos zählt. Kritisiert hat Meuthen auch die Schülerdemos für Klimaschutz: "Was da geschieht, ist politischer Kindesmissbrauch."

Meuthen gab sich selbstbewusst. Für die AfD komme im Europaparlament keine Zusammenarbeit mit Politikern wie Manfred Weber in Frage. Die AfD wolle nicht nach Brüssel, um dort möglichst viele Freunde zu finden und um sich an das dortige Establishment anzukuscheln. "Wir gehen nach Brüssel, um dort die Interessen unseres Volkes zu vertreten."

Ziel sei es, dass unter die 94 EU-Abgeordneten möglichst viele aus der AfD kommen. Ohne Bündnisse mit anderen rechten Gruppierungen werde es aber nicht gehen, die EU zu reformieren, sagte Meuthen.

In einem anschließenden Pressegespräch wunderte er sich über die geringe Anzahl an Medienvertretern ("Ich bin da anderes gewöhnt!"). Zur Frage nach der Bewältigung der Energiewende, die ja unter anderem für die Industrie im nördlichen Landkreis eine wichtige Rolle spielt, sprach er sich für den Erhalt der Diversität aus. Strom sollte mehr dezentral erzeugt werden können. "Fakt ist, mit Windkraft allein werden wir es nicht schaffen", betonte er. Seiner Meinung nach sollte vorurteilsfrei darüber nachgedacht werden, moderne Nukleartechnik in die Energiewende mit einzubeziehen. Zuvor äußerten sich auch der AfD-Landesvorsitzender Martin Sichert und der Coburger Landtagsabgeordnete Martin Böhm zu den Zielen ihrer Partei.