Bettina Knauth und Gabi Arnold

In vergangenen Zeiten wurden im Herbst die Getreidegarben in den Scheunen (Schloodl) gedroschen. Das ganze Dorf half mit und nach der Arbeit wurden Hühner (Henna) geschlachtet und verspeist. Der alte Brauch der "Schtoodlhenna" ist in Gemünda lebendig, und dies ist einmalig in der Umgebung. Die Dorfgemeinschaft stellte dazu in diesem Jahr wieder ein buntes Kulturfestival in der Zehntscheune auf die Beine und lud am Samstag zu einem schottischen Abend ein. Der Erlös kommt den Mitarbeitern der Palliativstation am Klinikum zugute.
Eigentlich, erzählt der Initiator des schottischen Abends, Michael Löhlein, sei die Idee einer Bierlaune zu verdanken. Löhlein, Whiskeyliebhaber und Dudelsackspieler, dachte, ein schottischer Abend würde gut zur Schtoodlhenna passen. Seitdem treten bereits zum fünften Mal im Rahmen des Kulturfestivals Pipe-Bands auf. Und dies mit großem Erfolg, wie die Resonanz zeigte. Mit dabei waren die "Moguntia Pipe & Drums Band" aus Mainz und die "Glen-Regnitz Pipe Band" aus Forchheim. Unter den Klängen der schottischen Nationalhymne und dem Klatschen des Publikums zogen alle Musiker ein. Von der ersten Minute waren die Gäste hellauf begeistert, Bravorufe erklangen in der Scheune. Als weiterer Programmpunkt sang Franziska Lorenz alte schottische Weisen, und das Bürglaß-Tanzstudio Agnes Mirska-Bihler zeigte schottische Tänze. Zur Stärkung gab es passend frisch gezapftes Guinness vom Fass, Whiskey und natürlich die typische Hühnersuppe, auf schottische Art zubereitet. Michael Löhlein hatte sich übrigens eine besondere "Tracht" angezogen: Zu Karohemd und Trachtenweste wählte er den Schottenrock. Insgesamt wurden auch 500 Lose ausverkauft, deren Reinerlös ebenfalls dem guten Zweck zugute kam.
"Die Ärzte - das war gestern, hier kommen die Schwestern!", hieß es zum Auftakt der diesjährigen Schtoodlhenna in Gemünda. Dazu hatten sich die Veranstalter "Kabarett vom Allerfeinsten" eingeladen, wie Hendrik Dressel, Vorsitzender der Stiftung "1150 Jahre Dorfgemeinschaft Gemünda" die vier Protagonistinnen von der Leipziger Pfeffermühle in der vollbesetzten Zehntscheune stolz ankündigte. "Die Schwestern" legten auch gleich furios los und entlarvten gnadenlos, woran unser Gesundheitssystem krankt.
Da ihrem Arbeitgeber, dem "Sachsen-Klinikum", die Pleite droht, ist der Einfallsreichtum des Personals gefragt. Verworfen wird wegen des aktuellen Mangels an notwenigen Utensilien der "Tag der Offenen Tür": "Ohne Windeln ist das doch scheiße!" Klar diagnostizieren die Schwestern, worauf es ankommt: "Es geht nur um den Moment, in dem die Karte durch den Schlitz gezogen wird."
Das einfache Rezept: "Werden die Patienten krank, wird unser Krankenhaus gesund." Und seit sie kein Hirn mehr hat, versteht Schwester Chantal "nun endlich auch RTL"! "Eine neue Niere ist wie ein neues Leben", jubiliert der Organempfänger, während sich der Spender mit folgender Einsicht tröstet: "Wenn du gehst, dann geht nur ein Teil von dir."
Nicht nur textlich, sondern auch musikalisch sind die Powerfrauen vom Spital voll auf der Höhe. Respektlos feuern sie ihre Spitzen, nichts ist vor ihrem Spott sicher. Auch nicht die Besucher, von denen einige Auserwählte aufs Korn genommen werden, immerhin haben die Schwestern im Plenum "wertvolles Pflegematerial" identifiziert. Derart charmant vorgetragen werden selbst Schläge unter die Gürtellinie vom überwiegend begeisterten Publikum verziehen. Etwa, wenn die Cocktail-Party auf der Parkinson-Station ohne Barkeeper auskommt, denn "schütteln können die ja wohl allein". Oder wenn Chantal mit ihrem Vorschlag Sex-Klinik dem Patienten "ein letztes bisschen Lust, bevor du in die Grube musst" verspricht und ihn auffordert: "Opa, schreib mich doch ins Testament - und der Verwandtschaft keinen Cent!"
Alternative Medizin mit Voodoo-Zauber, Diät- oder Schönheits-Klinik ("Änderungs-Fleischerei") mit Arbeit für Jahrzehnte: Genüsslich sezieren die vier Allround-Talente weiter jeden Vorschlag und legen dabei den Finger in die Wunden der zu therapierenden Missstände. Ist der "American Way of Life" wirklich so erstrebenswert? Und wie steht es um unsere Ernährung, wenn statt Antibiotika ein Grillhähnchen die gleiche Wirkung hat und bei Cornflakes die Verpackung mehr Nährstoffe als der Inhalt aufweist?


Schaurig-schön

Am Ende zweier schaurig-schöner Stunden haben die temperamentvollen Schwestern zwar eine Lösung gefunden, mit der sie die drohende Pleite abzuwenden hoffen. Doch die Einsicht des Abends klingt bitter nach: "Wir sind doch alle krank, haben alle eine Schraube lose", allein es fehle die Diagnose. Das Publikum ist trotzdem begeistert und erklatscht sich gleich mehrere Zugaben. Wäre das Sachsen-Klinikum real, so müsste es am Tag danach wohl vor allem den Lachmuskel-Kater der Zuhörer behandeln.