von unserem Mitarbeiter Manfred Welker

Haundorf — Bei schönstem Herbstwetter wurde die Kirchweih in Haundorf gefeiert. Vor allem das Baumaufstellen am Samstag lockte zahlreiche Schaulustige an.
Die "Blaue Traube" richtet eine der letzten Kerwas der Herzogenauracher Ortsteile aus. Besonders in Haundorf sieht der Kerwasfreund, dass für eine Kirchweih vor allem ein Wirtshaus wichtig ist. Los ging es am Freitag mit der Schlachtschüssel. Diese kam wie immer sehr gut an. Zahlreiche Gäste ließen sich Speck, Blut- und Leberwurst schmecken, die von einem Hausmetzger hergestellt wurden. Unterstützt wurden die Wirtsleute der Blaue Traube, Jo Bretting und Rita Müller, durch Familienmitglieder. Selbstverständlich durfte am Freitagabend ein gepflegter Schafkopf nicht fehlen.
Der Baum findet seinen Standort am Scheuneneck der Blauen Traube. Zunächst galt es das Loch auszugraben, dann hieß es die 28-Meter-Fichte im Korporationswald Birkenbühl zu holen. Hans-Peter und Peter Rollig hatten die bereits ausgesucht, gefällt und zurechtgemacht.

Zwei Pferde, ein Traktor

Zum Einholen am Nachmittag wurden die zwei Pferde Mirabell und Marille von Herbert Müller aus Großenseebach eingesetzt. Für Müller ist an der Haundorfer Kerwa schön, dass alles gut funktioniert. "Das Ganze wird immer gut von Peter Rollig organisiert. Außerdem sind auch ältere Semester beim Baumholen und beim Aufstellen mit dabei." Nach Kaffee und Kuchen bei der Familie Rollig macht sich Müller mit seinen Pferden wieder auf den Heimweg. "Heimwärts geht es meistens schneller, in wenig als einer Stunde sind wir daheim, der Stall zieht die beiden Pferde!", erklärt der Pferdeeigner.
Der Kirchweihwagen, gezogen von einem Eicher ED 16, wurde von Hubert Hengl gesteuert. Auf dem Wagen hatten es sich die Helfer und die Musikanten bequem gemacht. Die Fränkischen Kerwasmusikanten unterstützten die Kirchweihburschen beim Singen der Kirchweihlieder mit zünftiger handgemachter Musik ganz ohne Verstärker. Als sie an der Haundorfer Kirche vorbeikamen, war natürlich das Lied angesagt: "Des ist halt der Kummer in unserer Gma, die Kerng is so groß und is Wertshaus so kla!"
Beim Einholen wurde wie immer auf dem Heimweg Zwischenstation in Beutelsdorf beim "Gerch" gemacht, der die durstigen Burschen für die Arbeit des Baumaufstellens mit Gerstensaft noch stärkte. In Haundorf angekommen, musste der Baum erst geschmückt werden. Die Krone wurde mit bunten Bändern versehen. Oben überragt ihn eine rot-weiße Frankenfahne.
Unter dem Kommando von Helmut Grimm wurde der Baum in die Senkrechte gebracht. Grimm hat sei 1976 das Kommando und noch jeden Baum richtig aufgestellt. "Der Baum ist in diesem Jahr schön gewachsen und schlank. Er hat auch eine schöne Krone. Beim Aufstellen kommt es vor allem auf das Zusammenspiel der Männer an den Stangen an. Und ich muss den Überblick haben, welche Seite eventuell etwas kräftiger schieben muss, damit der Baum keine Schlagseite hat", meint der Profi zu der großen Verantwortung, die er dabei übernimmt.
Für Aufsehen sorgte Michael Galster, der seine entführte Braut Susanne in Haundorf gesucht hatte und aus Solidarität mit den Kerwasburschen auch kurzfristig beim Baumaufstellen mit anpackte. Danach machten es sich die Gäste in der Blauen Traube bequem und genossen die Kerwa. Für viele Anwesen in Haundorf gehört das Backen der "Kiegli" an diesem Wochenende ganz einfach immer noch dazu. Versorgt werden damit Verwandte, aber auch Kirchweihgäste, die den Weg nach Haundorf finden.