Es mussten noch eifrig Stühle für die zahlreich erschienen Zuhörer herbeigeschafft werden, bevor Bürgermeisterkandidatin Sabine Hanisch die Gäste der CSU Herzogenaurach, nämlich Jürgen Bortolazzi von der Firma Porsche und Helge C. Brixner, Geschäftsführer der arf GmbH, begrüßen konnte.

Bortolazzi beleuchtete auf Einladung des CSU-Ortsverbandes den Entwicklungsstand zum autonomen Fahren aus Sicht eines großen Automobilunternehmens wie der Porsche AG, die zum VW-Konzern gehört. Er stellte fest, dass die Unternehmen inzwischen von der Euphorie der Anfangsphase in der Phase der Konsolidierung angekommen sind: Es würden im Bereich der Automobilkonzerne Allianzen gebildet, um diese technischen und finanziellen Herausforderungen stemmen und auf dem Markt bestehen zu können.

Es gibt noch viele Hürden

Bis ein autonomes Fahren einschließlich der fahrerlosen Verkehrsteilnahme möglich sei, müssten neben den technischen Fragen - auch die wurden dem technischen Laien anschaulich nahegebracht - noch zahlreiche Hürden wie ein flächendeckendes 5-G-Netz, rechtliche Fragen wie die Zulassungsthematik, ökonomische Fragen sowie die gesellschaftliche Akzeptanz geklärt werden.

Hier wurde auch nicht verschwiegen, dass Mitbewerber aus China aufgrund der autoritären Strukturen durchaus Standortvorteile (staatlich angeordnete Akzeptanz, Datenübernahme, Zulassungen) haben. Trotzdem war Bortolazzi zuversichtlich, dass in naher Zukunft auch in Deutschland die Vorteile des autonomen Fahrens wie Mobilität bis ins hohe Alter, ressourcenschonenderes und sichereres, weniger unfallträchtiges Fahren genossen werden könnten.

Bestimmt bald Google?

Helge Brixner beleuchtete dieses komplexe Thema vom Standpunkt der Kommunen und der Staatsverwaltung aus, die Brixner mit seiner Beratungsfirma bei solchen Projekten unterstützt: Er erklärte, welche Infrastruktur dafür nötig sei, aber auch, dass es eine Herausforderung werde, dass die öffentliche Hand die Hoheit über Verkehrsentscheidungen behalte. Es sei eine Frage der Zukunft, ob "der Bau- und Verkehrsausschuss einer Gemeinde noch Einbahnstraßen verordnet oder ob das Google automatisch macht, um die Kapazität der Straßen zu erhöhen."

Es gebe nämlich durchaus Berechnungen, dass die Kapazität von Einfallstraßen in die Metropolen um das Fünffache erhöht werden könne, sobald autonomes Fahren zum Standard werde. Gemeinsam mit Bortolazzi ging Brixner auch auf die Vernetzung des Verkehrs ein: Dazu gehörten automatisch vernetzte Zubringer zu großen Schienenwegen, aber auch eine vollautomatische Parkraumbewirtschaftung, die flexibel auf parkplatzsuchende Autos "schon beim Einfahren in die Stadt" reagiere.

In der anschließenden Diskussion, die von Sabine Hanisch geleitet wurde, ging es um Fragen der Datensicherheit und die Kosten für autonomes Fahren, aber auch um die Anforderungen an eine Kleinstadt wie Herzogenaurach. Sabine Hanisch stellte insbesondere fest, dass es für Herzogenaurach wichtig sei, sich auf solche Entwicklungen einzustellen. Den Verkehr der Zukunft werde man digital steuern müssen und den Bürgern ein möglichst flexibles Angebot an individuellem und öffentlichem Nahverkehr zur Verfügung stellen müssen. "Für weite Teile von uns wird es nicht die Frage sein, ob wir Auto, Fahrrad oder Bus und Bahn nutzen, sondern der Schlüssel zum Erfolg wird in einer möglichst guten Vernetzung der Verkehrsträger liegen." red