Bald werden sich Tausende von Menschen in der Region aufmachen, um einen alten Brauch zu pflegen: das Schmücken der Osterbrunnen. 200 Orte sind es mittlerweile, in denen mehr als 400 Osterbrunnen zwischen Palmsonntag und zwei Wochen nach Ostern prächtig geschmückt auf Ausflügler und Gäste warten.

Bereits seit 110 Jahren wird der älteste Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz geschmückt. Er steht im Außseßer Ortsteil Haag, oberhalb von Schloss Unteraufseß, und wurde 1909 erstmals mit bemalten Eierschalen verziert.

Schon einmal, vor fünf Jahren, glaubte man, den ältesten geschmückten Osterbrunnen zu kennen, aber da wussten die Engelhardsberger noch nicht, dass es einen gibt, der länger geschmückt wird als ihrer. Immerhin ist jener auch schon 1914 im Zuge des Wasserleitungsbaues gebaut und auch geschmückt worden.

"Einsingen" des Brunnens

Was den Engelhardsberger Brunnen noch auszeichnet: Zum einen wird der Brauch des Brunnen-Einsingens weiterhin durchgeführt, und: Sie haben den Brunnen so geschmückt, wie er auch ursprünglich aussah: mit farbigen, papiernen Pensalastreifen, die an einem kleinen Fichtenbaum hängen. Sie halten damit auch die Erinnerung daran wach, dass vor dem Bau der Wasserleitungen das Trinkwasser in hölzernen Butten von der Riesenburg-Quelle im Tal geholt werden musste - eine schweißtreibende Arbeit.

Die Aufseßer pflegen ihr Brauchtum um den Osterbrunnen herum, der in der Pfarrbeschreibung von 1917 festgehalten ist, nicht mehr: "In der Osternacht um 12 Uhr wird auf dem Kirchhof gesungen (Choräle und Volkslieder). In der Ostersamstagsnacht bekommen die Burschen von den Mädchen Ostereier. Gibt ein Mädchen einem Burschen keines, so tanzt er nicht mit ihr bis nächstes Ostern", sagt die Aufseßer Pfarrbeschreibung.

Den Brauch eines Osterbrunnenschmückens gibt es laut der Osterbrunnenforscherin Claudia Schillinger (Buch: Osterbrunnen in Franken) schon seit dem Mittelalter, allerdings nicht in der Fränkischen Schweiz. Der Militärhistoriker Alfred Zitzmann aus Nürnberg lieferte ihr den Nachweis, dass es schon im Mittelalter den Brauch gab. In einem Erlass des Gutsherrn Mahkorn aus Zettlitz (bei Stadtsteinach) wurde gefordert, "dass wie bei den Vorfahren Brunnen und Quellen an Ostern grün geschmückt sein sollten, weil da das neue Frühjahr kommt". Das war 1322. Zitzmann erfuhr weiterhin, dass die Familie Mahkorn ihren Ursprung in Thüringen hat, von wo sie um das Jahr 1040 an den Obermain übersiedelte und vermutlich das Brauchtum mitbrachte.

Nachricht aus dem Jahr 1677

Die nächste Nachricht eines Osterbrunnens stammt aus Dettingen bei Ingolstadt. In einem Buch aus dem Jahr 1677 wird berichtet, dass es Leute gibt, "die zu österlicher Zeit um den Brunnen herumgehen und das Wasser desselben trinken, in dem Glauben, von Gebrechen des Leibes in diesem Jahr befreit zu sein".

Ein weiterer Osterbrunnen wird in der Heimatkundeliteratur beschrieben: Der Osterbrunnen in der Nähe von Wallenbrunn bei Seybothenreuth (Kreis Bayreuth) "einige Hundert Meter unterhalb des Dorfes". Hier wird der Osterbrunnen als ein "kleiner Teich mit 30 Schritt Umfang" beschrieben, an dem die "Landleute am Ostertag früh vor Sonnenaufgang Wasser holen", weil das sehr gut und kostbar sei. Von dem Brunnen sagte man, er könne "keinen Pfaffen leiden", er ziehe ihn hinein ins Wasser.

Dieser Brauch so der Autor des Artikels, Wilhelm Holle aus Bayreuth in einem Vortrag im Jahre 1841, werde "allenthalben auf dem Lande wohl überall im Fürstenthum Bayreuth gepflegt. Dies muss aber vor Sonnenaufgang und unbeschrieen (lautlos) geschehen". In diesem Falle bleiben die Leute ihrer Meinung nach das Jahr hindurch von Krankheiten verschont, schreibt Holle weiter.

Germanische Gebräuche

Albert Kuhn aus Berlin schließlich kommt in den Märkischen Forschungen, Band 1, ebenfalls aus dem Jahr 1841, zu folgender noch viel älterer Schlussfolgerung: "Die Aufzählung der unsrer Mark bekannten höheren Gottheiten schließen wir endlich mit der Ostara (germanische Gottheit), deren Name sich zwar nicht erhalten hat, deren Andenken jedoch durch einige Gebräuche am Osterfest bewahrt ist. Am Ostermorgen muss man vor Sonnenaufgang Wasser aus dem Fluss oder See schöpfen, das hat heilende und namentlich verschönende Kraft; aber ein einziges dabei gesprochenes Wort hemmt diese Kraft, daher die mancherlei Possen, welche die Knechte den Mägden dabei spielen."

Aus der Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts fand Schillinger den ersten Beleg über das Brunnenschmücken in neuerer Zeit. "In vielen Orten in Oberfranken, namentlich um Bayreuth, herrscht der Brauch, zum Osterfest die Brunnen mit Tannen- und Fichtenzweigen, Blumen, Bändern, auch wohl gefärbten Eyern zu verzieren. Woher diese Sitte stammt, ist unbekannt, doch vermuthet man, sie möge noch aus dem Heidentum herrühren. Mitgetheilt von der Müllerstochter M. Schmidt aus Sanspareil."

Schillinger vermutet weiter, dass sich der Brauch des Osterbrunnenschmückens bis Ende des 19. Jahrhunderts auf die Hochflächen der Fränkischen Schweiz zurückgezogen hat. Schillinger meint: "Der Grund dafür lag nach übereinstimmenden Aussagen von Zeitzeugen in der großen Wasserarmut. Verkarstetes und zerklüftetes Kalkgestein im Untergrund lässt keine natürliche Bildung von Oberflächengewässern zu und das Grundwasser liegt in großen Tiefen - für damalige Verhältnisse in der Regel unerreichbar".

18 Brunnen in Ebermannstadt

Erst mit der Einrichtung von Wasserversorgungsanlagen ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts entspannte sich die Situation. Nun begann man allerorten, die neu entstandenen Dorfbrunnen zu Ostern in Erinnerung an die frühere Situation zu schmücken. Und da zum Osterfest auch viele Eier gehören, als kräftige Frühjahrsmahlzeit, und da man an Ostern sowieso den Frühling mit pompösen Gerichten feierte, nahm man die vom Inhalt entleerten Eierschalen und bemalte sie. Mittlerweile werden in der Region Hunderte Osterbrunnen geschmückt, darunter im Gemeindebereich Ebermannstadt 18 Osterbrunnen und in der Gemeinde Heiligenstadt 17, in Egloffstein allein schon fünf Brunnen.

Der größte Osterbrunnen der Welt steht nach wie vor in Bieberbach, Gemeinde Egloffstein. Sein Guinnessbuch-Eintrag mit 11 108 Eierschalen gilt noch immer, auch wenn es mittlerweile Orte gibt, die viel mehr bemalte Eierschalen aufweisen können - allerdings nicht am Brunnen direkt drapiert, sondern in einer Anlage drum herum, weshalb es bisher noch keinen neuen Weltrekord-Osterbrunnen gibt.