Ins Atelier Tittmann in Berndorf zu gehen, ist jedes Mal eine kleine Offenbarung: Eingebettet in die Natur wie ein Kleinod empfangen einen lichtdurchflutete Räume auf verschiedenen Ebenen, die mit künstlerischer Inspiration, Einfallsreichtum und Gedankenfülle fast den Rahmen sprengen. Die aktuelle Weihnachtsausstellung ist noch ein besonderer Anlass, mal vorbeizuschauen.

Vier Kunstschaffende zeigen unter dem Motto "Keramik-Bronze-Malerei-Schmuck-Textilien" ihre neuesten Werke, die sich sinnbildlich mit Exponaten aus schon längerer Schaffenskraft konzeptionell vereinen.

Da ist zum ersten Mal die junge Malerin Lena Miller aus Nürnberg präsent, die Farbportraitistin. Sie vermag Sinneswahrnehmungen in Abstraktes zu verwandeln, lässt den Klang der Musik mit einfließen, berauschende Farbkombinationen sind ihr Metier. Es entstehen Bilder voller Leichtigkeit, Märchen-Nacherzählungen und kroatische Stadtidyllen.

Sie erinnert ein bisschen an Joan Miro. In Acryll, mit Kreide und Stift formt Miller ihre kleinen Kunstwerke, derzeit arbeitet sie an Menschenportraits für eine Ausstellung im Februar in der Albrecht-Dürer-Stadt. "Ich war mit meinen Werken auch schon auf der Plassenburg mit dem Bund Fränkischer Künstler", verrät die Künstlerin.

Ein Versuch

13 Zeichnungen hat die Kulmbacherin Cornelia Morsch mitgebracht, die mit ganz spitzen Stift skizziert sind. Es sind vorwiegend Pflanzen, fast spirituell eingefangen, mit einer dezenten Unaufdringlichkeit versehen und knapp bemessenen Farbnuancen.

Morsch: "Keine botanischen Zeichnungen, vielmehr die Suche nach einer heilen Welt in einer unheilen Welt, ein Versuch, die verborgenen,vielleicht bald verlorenen Naturschönheiten der Erde zu bannen." Und den findet der Betrachter in den kleinsten Strichen, diffizilsten Linien und Krümmungen. "Beredtes Schweigen", "Offene Lippen" oder "Lotuskapseln" heißen die Titel.

Julia, die Tochter des Atelierbesitzers Claus Tittmann, macht aus ihrem vielfältigen Repertoire mit neuen Vasen auf sich aufmerksam. Ein Prachtstück ist die in persisch Blau mit Kupfer in der Glasur bei 1000 Grad gebrannte. Wechselnde Schatten geben ihren Erzeugnissen etwas Mystisches, sie drücken aber auch phantasievolle Weite und ebenso ein ganzes Stück Humoreske aus. "Ich brenne das Material gleichfalls im Holzofen, das gibt wieder eine andere Oberfläche und Reflexion." Man wird nicht satt, ihre Unikate zu bestaunen, solch anziehende Wirkung haben sie. Achtung! Auch auf die vielen liebevollen Details den Blick richten.

Den abgeklärten "Altmeister" Claus Tittmann umringen seine Werke wie Kinder, er hat immer noch pure Lust an der Kunst, ihm gehen die Ideen nicht aus. Warum auch, wenn man wie er, sich stets vom Sehen leiten lässt, "da liegt einem die Inspiration ständig vor den Augen", lacht der Berndorfer.

Und einer dieser Seherlebnisse ist das neue "Seestück Positano" in Schweißtechnik aus Eisenguss mit Rost, konzipiert von ihm und Julia. Man möchte bei diesem Anblick am liebsten gleich Mitsegeln an die amalfitanische Küste, samt Vogel und Delphin. Sein Lieblingssymbol: die Keramik "Mensch und Tier". Interessant: der opulente Herrscher und die Kreatur, die zu ihm aufschaut. Typisch Claus Tittmann in seiner künstlerischen Hintergründigkeit.