Charles Dickens' Geschichte von der Bekehrung des grimmigen Geizhalses Ebenezer Scrooge gehört alle Jahre wieder zu Weihnachten wie Christbäume, Plätzchen oder "Stille Nacht". Über die Schicksale von Oliver Twist und David Copperfield sind lesefreudige Generationen in Tränen zerflossen.

Kaum zu glauben, dass "Die Zaubergräte", die nun im Bamberger Brentano-Theater Premiere feiert, aus der Feder desselben Autors stammt. In England hat dieses Märchen Kult-status. In Deutschland, wo man sich - einem Vorurteil nach - angeblich schwer tut mit Schrägem und Skurrilem, ist es fast unbekannt.

"Es war einmal ein König, der hatte eine Königin. Sie hatten neunzehn Kinder und bekamen immerzu neue." So beginnt ein Feuerwerk an Fantasie, in dem jeder Satz poetisch, aber kein einziger logisch ist. Die spinnen, die Briten? Aber auf welch herrlichem literarischen Niveau!

Die Zaubergräte, eine Feen-Gabe, erfüllt jeden Wunsch, aber nur einmal - und nur dann, wenn er zur rechten Zeit getan wird. Lustvoll häuft Dickens nun eine komische Situation auf die nächste. Der sprichwörtliche britische Humor zeigt seine schönste Seite.

Für die junge Marie Dresen und Brentano-Theater-Leiter Martin Neubauer bedeutet das rasante Rollen- und Stimmwechsel und eine wahre Schlacht mit "erlesen blöden" Requisiten, wie sie es in der Pressemitteilung bezeichnen.

Damit es noch ein wenig aberwitziger wird, ist als Vorspiel eine Szene von Lewis Carroll zu sehen: "Alice und der Wesperich". Bei diesem Gespräch mit einem Perücke tragenden Insektenmann brummt auch das Hirn. Es fand keinen Eingang in Carrolls berühmte "Alice im Spiegelland", weil sich der Illustrator seinerzeit weigerte, einen solchen Irrsinn zu bebildern. Um so gespannter darf man sein, wie er sich in die kleine Bamberger Erker-Bühne fügen wird.

Was also verspricht die neue Premiere des Brentano-Theaters? "Märchenpoesie und Heiterkeit durch feinsten Weltliteratur-Nonsens", lacht Martin Neubauer. red