Es war ein bewegender Dankgottesdienst, den der Erzbischöfliche Geistliche Rat, Pfarrer i. R. Michael Kramer an seinem 90. Geburtstag feiern durfte - mit großem Einzug in die Pfarrkirche St. Wolfgang in Hausen. Trachtensänger und Kirchenchor umrahmten festlich die Messe, die Pfarrer Klaus Weigand gemeinsam mit Pater Ludwig Müller von der Gebetsstätte Heroldsbach zelebrierte.
Michael Kramer wurde am 15. Januar 1926 in Kälberberg als ältester Sohn von vier Geschwistern in eine Landwirtsfamilie hineingeboren. Er übernahm regelmäßig Ministrantendienste in Tiefenhöchstadt und Mistendorf, absolvierte eine Ausbildung zum Landwirtschaftsgehilfen und begann in Weihenstephan ein Landwirtschaftsstudium. Im Zweiten Weltkrieg geriet Michael Kramer an der Ostfront in russische Kriegsgefangenschaft und musste bis 1950 im Nordkaukasus als Straßenarbeiter schuften. Ab und zu, so Pfarrer Kramer, konnte er sich während der Asphaltierungsarbeiten kurz in eine Nebenstraße zurückziehen, so manche "Babuschka" habe ihn mit warmen Getränken oder ein bisschen Essen versorgt, obwohl die Menschen dort selbst wenig hatten. Er liebe bis heute die russische Seele, denn trotz aller Entbehrungen durfte er Freundschaft und Freigiebigkeit erfahren.
Nach der Heimkehr wollte er das Landwirtschaftsstudium abschließen. Während der Semesterferien im Sommer 1952 feierte im nahen Amlingstadt Josef Beck seine Primiz und Michael Kramer war eingeladen. Zutiefst beeindruckt vom festlichen Primizgottesdienst und der Begegnung mit dem Neupriester meldete sich Michael Kramer im Bamberger Priesterseminar an: Er fühlte sich zum Priester berufen. Wohl als einziger Seminarist züchtete er während des Studiums Vögel (Wellensittiche und Kanarienvögel), was ihm den Beinamen "Vogelkramer" einbrachte. 1957 wurde er von Erzbischof Josef Schneider im Bamberger Dom zum Priester geweiht. Es folgten Kaplansjahre in Auerbach, Coburg (St. Augustin) und Bamberg (St. Gangolf), anschließend übernahm er die Pfarrei St. Johannes der Täufer in Modschiedel. Seine Schwester Hildegard führte ihm den Haushalt und unterstützte ihn bei seinem Hobby, der Dackelzucht: "Hervorragende Dackel sind es gewesen, sie zählten zu den besten Gebrauchsdackeln Oberfrankens", so Kramer. Brieftauben züchtet er bis heute, zu dem Pfarrhaus in Hausen, wo Pfarrer Kramer seit 40 Jahren lebt, gehört ein großer Garten mit einem Taubenschlag.


Lebendige Gemeinde

Seit zehn Jahren ist Pfarrer Kramer im Ruhestand und er hat kirchlich viel bewegt. Nicht nur die Sanierung der jeweiligen Kirchengebäude und die Verwaltungsaufgaben war ihm wichtig, es war die Seelsorge, die Pfarrer Kramer am Herzen lag und liegt. Er engagierte sich stets für eine lebendige katholisch-aktive Kirchengemeinde, organisierte regelmäßig Wallfahrten nach Gößweinstein, führte den Bittgang von Hausen nach Wimmelbach ein. Nicht enden wollte die Schar der Gratulanten in der Aula der Schule, Vertreter aus Politik und Wirtschaft waren vor Ort, ebenso Familie und Weggefährten, und alle ließen ihren Pfarrer Kramer hochleben.