Bier wurde in der Rhön schon früher gerne getrunken. Doch Ende der 1920er Jahre war das Getränk zum Luxusgut geworden, das sich viele nicht leisten konnten. Mit der Gründung der Gemeinschaftsbrauerei Zahlbach und Umgebung schafften Rhöner Gemeinden Abhilfe. Hier konnten Hausbrauer ihr Bier für kleines Geld brauen lassen, weil sie den Rohstoff dafür, die Gerste, meist selbst anbauen konnten. Aufgrund alter Rechte existierte ein Hausbrauwesen in Franken, das es den Bauern erlaubte, Bier zu erzeugen. Und daran hatten sich die Rhöner im Jahr 1928 erinnert, als die Weltwirtschaftskrise in der ohnehin armen Region für eine hohe Arbeitslosigkeit sorgte. Denn das Hausbrauerbier war billiger als das aus den privaten Brauereien. Der Ortschronist Alfred Saam aus Zahlbach hat die Geschichte der Brauerei zusammengetragen, die zu ihren besten Zeiten 2600 Hausbrauer aus 46 Dörfern mit dem Getränk versorgte.

Kaspar Schmitt, Bürgermeister von Zahlbach, Kilian Höchemer, Bürgermeister von Burkardroth und Johann May, der Bürgermeister von Wollbach, waren die Gründungsvorstände der ersten Stunde. Eine wichtige Persönlichkeit in den Anfangsjahren war aber auch Josef Neuner, der Zahlbacher Lehrer und Gemeindeschreiber, der sich darum kümmerte, dass die erforderlichen Genehmigungen eingeholt wurden.Die Gemeinden Zahlbach, Burkardroth, Wollbach, Stralsbach, Waldfenster, Stangenroth, Schlimpfhof, Lauter, Poppenroth, Frauenroth und Gefäll sowie Langenleiten, Waldberg und Sandberg gründeten am 4. Juli 1928 die Gemeinschaftsbrauerei. Als Vorbild galt damals die Gemeinschaftsbrauerei in Euerdorf.

Vom Brauereigebäude, das 1928 in der Forstmeisterstraße gebaut wurde, ist heute nichts mehr zu sehen. Der Zahlbacher Standort ist nach Recherchen Saams deshalb gewählt worden, weil das Quellwasser des Eichenbrunnens zum Bierbrauen besser geeignet gewesen sein soll als die Quelle der Märzenwiese in Burkardroth. Eilig hatte es die junge Hausbraugemeinschaft auf jeden Fall mit der Verwirklichung ihres Projektes. Schon am 1. Januar 1929 ging die Brauerei in Betrieb.

Wiedereröffnung 1948

"Die Brauerei erlebte einen raschen und steilen Aufstieg", schreibt Alfred Saam in seiner Chronik. Dass in Zahlbach erschwingliches Bier für den Hausgebrauch gebraut wurde, sprach sich in der gesamten Rhön herum. Zwischen Oberleichtersbach und Weisbach waren Ende der 1930er Jahre viele Rhöndörfer der heutigen Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld Mitglied geworden.

Gut zu tun hatte die Brauerei in diesen Jahren. Die Aufzeichnungen zeigen, dass täglich 34 Hektoliter Bier gebraut wurden. In den ersten Nachkriegsjahren nach Wiedereröffnung der Brauerei 1948 war die Nachfrage nach dem Hausbier sogar so groß, dass Nachtschichten eingelegt wurden.

Historische Rechte

Die Gerste zum Brauen konnten die Bauern selbst liefern; auf vielen Häusern lag ein historisch zugesichertes Braurecht aus eigener Gerste, verbunden damit war anfangs sogar eine Steuerfreiheit. In den Malzfabriken entstand daraus das Malz für die Gemeinschaftsbrauerei. Das fertige Bier bekamen die Hausbrauer in Fässern zu 25, 50, 100 oder 150 Liter. Geholt wurde es mit Pferdefuhrwerken.

Daheim musste das Bier in Flaschen abgefüllt werden. "Ich sehe meinen Vater noch vor mir, wie er mit einem Schlauch das Bier in grüne Flaschen füllt", erinnert sich Münnerstadts Altbürgermeister Eugen Albert, der in Waldfenster aufgewachsen ist.

Abbruch 1979

Sehr unterschiedlich sei das Brauergebnis gewesen, weiß Armin Pfülb (Waldfenster). Mal war das Bier gut, mal war es "hundsmiserabel". Doch auch für den Fall, dass das Bier einmal nicht ganz so gelungen war, wussten sich die Rhöner zu helfen. Wenn der Trunk sauer schmeckte, hätte sein Vater immer einen Löffel Zucker in die Flasche gegeben, erzählt Armin Pfülb.

Auch Rolande Saam kann sich daran erinnern, dass ihr Großvater beim Abfüllen immer Zucker beigegeben hat. Warum wusste sie als Kind nicht. "Ich habe das Bier nie getrunken."

Die wechselhafte Qualität mag ein Grund gewesen sein, weshalb die Gemeinschaftsbrauerei Ende der 1960er Jahre erstmals rote Zahlen schrieb. Alfred Saam nennt aber auch einen anderen Grund. Die aufkommenden Flaschenbierhandlungen lieferten Bier direkt in Flaschen ins Haus. Das war einfach bequemer. "Mit dem aufkommenden Wohlstand waren die Kunden auf das billige Bier nicht mehr angewiesen", schreibt Alfred Saam.

1971 wurde der letzte Sud angesetzt. 1972 versuchte nochmals Bürgermeister Ludwig Moritz die Brautradition wieder zu beleben. 1975 schließlich folgte die Auflösung der Bauerei und Brauereigemeinschaft. 1979 wurde auch das Brauereigebäude abgebrochen, das endgültige Aus für den Rhöner Hausbrau.

Armin Pfülb sagt, er habe es bedauert, als die Brauerei geschlossen wurde. Er habe, als er dann alt genug dafür war, das Bier meistens ganz gerne getrunken.