Nordhalben — Östlich von Nordhalben liegt im Grenzbereich der Landkreise Kronach und Hof der schmucke Ort Langenbach, ein Ortsteil der Gemeinde Geroldsgrün. Es ist ein Rodungsdorf, das seine Entstehung dem mittelalterlichen Landesausbau verdankt. Die Bewohner waren überwiegend kleine Waldbauern und Waldarbeiter, der Wald bestimmte ihr Leben. Es gibt viele solcher Siedlungen im Frankenwald.

Bei stehen zwölf grob behauene Steine an einem Feldrain. Das wäre nichts Besonderes, aber sie bilden eine gerade Reihe und müssen bewusst so aufgestellt sein. Wie kommen diese Steine in dieser Formation an diesen Feldrand? Wer hat sie hingesetzt, und warum und wann? Sie sind fest im Boden eingegraben, also keine Lesesteine aus den Feldern. Sie sind in der Bevölkerung seit undenklichen Zeiten als die "Zwölf Apostel" bekannt.

Die Steinreihe westlich von Langenbach ist über den "12-Apostel-Weg" erreichbar, der im Süden des Ortes von der Dürrenwaider Straße abzweigt und auf die Passhöhe zu den geheimnisvollsten Landmarken des Frankenwaldes führt. Die Steine bestehen aus Diabas, einem Basaltgestein. Sie sind 60 bis 105 cm groß und fest im Boden verankert. Sie bilden eine 15 Meter lange, annähernd in Nord-Süd-Richtung verlaufende Linie.

Heimatforscher sehen die Steinreihe als steinzeitliches Sonnenobservatorium an. Es könnte sich aber auch um eine mittelalterliche oder gar neuzeitliche Weidebegrenzung handeln, sagen andere. Dennoch drängt sich ein Vergleich zu norddeutschen und nordeuropäischen Steinsetzungen aus vorgeschichtlicher Zeit auf. Aber ein prähistorisches Bodendenkmal hier im Frankenwald? Das kann und darf es doch gar nicht geben! Nach bisheriger Meinung war das östliche Oberfranken, also Frankenwald und Fichtelgebirge, mit undurchdringlichem Urwald überzogen, der keinerlei Besiedlung erlaubte. Deshalb werden alle in diesem Raum entdeckten, von Menschen hergestellten Gegenstände als Funde betrachtet, die umherstreifende Krieger, Jäger oder Sammler verloren haben.

Rätselhafte Verbindungen

Seit die Existenz der Steinreihe der "Zwölf Apostel" über die Region hinaus bekannt wurde, haben sich Historiker und Archäologen immer wieder mit diesem Thema befasst und im Sumpf der Vermutungen festgefahren. So bleiben die "Zwölf Apostel" wie so vieles, was nicht urkundlich oder durch einwandfreie Bodenfunde historisch belegbar ist, ein Rätsel. Eines dieser unerklärbaren Rätsel sind auch die merkwürdigen Zusammenhänge zwischen Steinkreuzen, Kreuzsteinen, Burgen, Kirchen, Kapellen, auffallenden Orts- und Flurnamen, mit denen auch die "Zwölf Apostel" in Beziehung stehen. Es sind rätselhafte gradlinige Verbindungen solcher Plätze und Punkte, die immer die Entfernungseinheit von 6,75 km enthalten oder ein Vielfaches davon, also 13,5 km, 20,25 km, 27 km, 54 km.

Diese Strecken lassen sich oft über weite Entfernungen verfolgen, wobei durch Quervermessungen manchmal auch exakte, geometrische Formen entstehen. Oft sind es Plätze, die als vorgeschichtliche Stellen bekannt und archäologisch untersucht sind. Die Verbindungslinien dieser Punkte ergeben ein unsichtbares Netz, das ganz Nordostbayern überzieht und auf benachbarte Landstriche übergreift. Wo sich viele solcher Linien kreuzen, die aus verschiedenen Richtungen eingemessen sind, entstehen Knotenpunkte. Ein solcher ist auch bei den "Zwölf Aposteln" zu erkennen, ähnlich dem Knotenpunkt auf dem Staffelberg, wo strahlenförmig eine ganze Reihe von Burgen und Schlössern der Fränkischen Schweiz und des Frankenwaldes jeweils 27 km vom Mittelpunkt der keltischen Befestigungsanlage entfernt sind.

Als besonderer Knotenpunkt in diesem Liniennetz (siehe Grafik) ist auch die Steinsetzung der "Zwölf Apostel" bei Langenbach zu verstehen. Sternförmig und mit Querverbindungen sind von hier aus eine Reihe von Orten mit auffälligen Flurnamen und besonderen Steinen miteinander durch Entfernungen verbunden, die immer das Grundmaß 6,75 km enthalten: Teufelsberg bei Nordhalben (6,75 km), Rotes Kreuz (in der Verlängerung 20,25 km), Bocksberg (verlängert insgesamt 27 km), Burgstall Hohenrod bei Wolfersgrün (6,75 km), Teufelsstein (in der Verlängerung 20,25 km) und weiter über Spitzeichen zum Kreuzstein. Über Köstenberg (13,5 km) zur frühmittelalterlichen Befestigungsanlage Grünbürg bei Stadtsteinach, wo neben ottonischen Scherben auch Scherben aus vorgeschichtlicher Zeit bei Grabungen gefunden wurden.

Zur "Alten Heide" nördlich von Trogen sind es 27 km, die Linie geht genau über den "Teufelssteg" im Höllental. In der "Alten Heide" lag ein großer flacher Stein mit rätselhaften Gravierungen. Zur Wegkreuzung vor dem Dorf Kießling am Rennsteig sind es 6,75 km. Diese Kreuzung ist wegen der Verbindung zum "Frosch" bei Schwarzenbach/Saale und wegen des Namens "Kießling" (Großer Stein) von Bedeutung.

27 Kilometer ist aber auch die "Heunischenburg" bei Gehülz/Kronach von den "Zwölf Aposteln" entfernt. Von der auf einem Bergsporn gelegen Burg war außer einigen wallartigen Erhebungen nichts zu sehen. Erst bei Ausgrabung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in den Jahren 1983 bis 1987 wurden die Mauern einer großen Steinburg freigelegt, einer der größten nördlich der Alpen. Sie wurde bereits im 9. Jahrhundert v. Chr. wieder zerstört. Unter der Heunischenburg wurde noch eine Siedlung festgestellt, die aber leider archäologisch nicht untersucht wurde.

Ein zeitlicher Zusammenhang?

Da nun diese Riesenburg (der Name "Heunischen" hängt mit dem Wort "Hünen" zusammen) mit der Entfernung von 27 km von den "Zwölf Aposteln" in das Liniennetz eingeordnet ist, ist die Vermutung gerechtfertigt, dass auch ein zeitlicher Zusammenhang zwischen diesen beiden Plätzen "Heunischenburg" und "Zwölf Apostel" bestehen könnte. Ungelöst bleibt aber immer noch das große Rätsel: Wer hat dieses Liniennetz angelegt, dem weit über hundert Entfernungen mit der Maßeinheit 6,75 km zugrunde liegen. Wann und warum wurde es angelegt? Fragen, mit deren Beantwortung auch das Geheimnis der "Zwölf Apostel" bei Langenbach geklärt werden könnte.

Für Natur-, Heimat- und Wanderfreunde ist das Frankenwaldsteigla "12 Apostel-Weg" einer der schönsten Rundwanderwege im Frankenwald. In der Broschüre "Wandern im Frankenwald" (Herausgeber: Naturpark Frankenwald e.V. Kronach) heißt es so treffend: Früher oder später begegnen wir den Namensgebern der Wanderung, den "Zwölf Aposteln". Die Gelehrten streiten sich: Stehen die Monolithen schon seit 5000 Jahren als eine Art oberfränkisches Stonehenge? Oder setzten Christen sie im Mittelalter? Zwölf Stück, eine heilige Zahl! Andere Forscher sehen Spuren neuzeitlicher Bearbeitung. Ist die Steinanordnung also doch jünger? Den Diabassteinen ist dieser Streit gleichgültig: Sie stehen in aller Ruhe, felsenfest! Lassen Sie sich von diesem Gleichmut inspirieren: Es ist eine wunderbare Gelegenheit, die Stille in aller Seelenruhe zu genießen!