Peter Schmieder

In der letzten Sitzung des Knetzgauer Gemeinderats 2015 sprach Bürgermeister Stefan Paulus Weltgeschichte an: "Das Jahr 2015 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem der letzte Bürger unserer Gemeinde gespürt haben mag, dass jeder Mensch dieser Erde einen Anspruch und auch ein Recht auf ein menschenwürdiges Dasein hat", kommentierte er die Flüchtlingskrise. Er dankte in diesem Zusammenhang den vielen ehrenamtlichen Helfern, die sich für die Asylbewerber einsetzen. "Noch nie haben sich so viele Bürgerinnen und Bürger in unserer Gemeinde engagiert." Gleichzeitig kritisierte er, eine gefährliche öffentliche Meinung erschwere diese Hilfe.
"Gesetze und Vorschriften, die gemacht wurden, als bei uns Milch und Honig flossen, lassen sich nun angesichts der vielen Flüchtlinge nicht mehr aufrechterhalten, wenn denn wirklich gewollt ist, dass die Integration gelingt", erklärte Paulus.
"Ich stimme auch denen zu, die sagen, dass dieser Zuzug eine Chance für uns ist", betonte er ferner und verwies darauf, dass es mittlerweile sogar gelungen sei, die ersten syrischen Flüchtlinge in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit zu vermitteln. Nach nur wenigen Monaten sei das ein "Erfolg der Flüchtlingspolitik".
Momentan seien rund 60 Flüchtlinge in der Gemeinde, berichtete Paulus. Wichtig sei, ihnen das Gefühl zu geben, ein Zuhause zu haben. Mittlerweile sei sogar ein Kind von syrischen Flüchtlingen in Westheim zur Welt gekommen. Insgesamt dürfte die Gemeinde bis zum Jahresende auf rund 60 Geburten kommen. Demgegenüber stehen bisher 67 Todesfälle. Da heuer mehr Menschen nach Knetzgau zogen als die Gemeinde verließen, war die Bevölkerungsentwicklung positiv.
Als problematisch betrachtet der Bürgermeister die geringen Möglichkeiten der Gemeinde, Bauplätze zu besteuern, die in privater Hand sind. Es blieben viele Plätze leer, die eigentlich bebaubar wären.


Kooperation

Er berichtete weiter über die Pläne, die interkommunale Zusammenarbeit auszubauen, auch zur Verkehrsüberwachung. Kritisch sieht er es, dass Gemeinden immer mehr Geld an übergeordnete Ebenen abgeben müssten. Wenn eine geringe Reduzierung der Kreisumlage als Weihnachtsgeschenk verkauft werde, frage er sich als Bürgermeister, "ob es uns als Gemeinden ausreichend gut gelingt, unsere Standpunkte darzustellen".


Fördertöpfe werden angezapft

Im Ausblick nannte Paulus als anstehende Projekte 2016 vor allem die ehemalige Gaststätte "Schwarzer Adler" in Westheim: Sie soll Bürgerzentrum werden. Seit die Gemeinde das marode Gebäude vor fünf Jahren ersteigerte, suchen die Verantwortlichen nach Möglichkeiten zur Renovierung. Nun sehe alles gut aus für die Umgestaltung zum Bürgerzentrum. Sowohl das Denkmalamt als auch die beiden Kirchen würden sich an den Kosten beteiligen. Dazu steuerten andere Stellen Fördermittel bei, etwa das europäische Förderprogramm EFRE (Europäischer Fond für regionale Entwicklung). Die Bewirtschaftung des Hauses im Ortskern werde ein Förderverein übernehmen.
Nächste Projekte sind die Dorferneuerung in Zell, bei der das Kirchenumfeld aufgewertet wird, sowie das alte Pfarrhaus, das ein Dorfgemeinschaftshaus werden soll. "Wir sehen in Oberschwappach, Westheim oder auch am alten Rathaus in Knetzgau, wie viel so etwas für die Dorfgemeinschaft bringen kann", sagte Paulus.
"Wenn die Gemeinde alle alten Häuser sanieren will, sehe ich schwarz", kritisierte hingegen Gemeinderat Konrad Pfister. Paulus entgegnete: "Natürlich renovieren wir nicht alle, sondern nur wenige." Dies geschehe im Schulterschluss mit den Bürgern und Unterstützern. Und es gehe vor allem um Gebäude, die "Leuchtturmfunktion" hätten. Die also das Ortsbild oder die Ortsgeschichte prägten. "Wir haben hier noch keine Berliner Verhältnisse oder eine Elbphilharmonie", betonte Paulus. Er hob auch hervor, dass es bei Knetzgauer Bauprojekten kaum Kostensteigerungen oder Verzögerungen gebe. "Das beschert mir keine schlaflosen Nächte. Die habe ich nur, wenn Bayern München verliert. Aber das passiert ja zum Glück relativ selten", scherzte er.
Gemeinderat Peter Werner kritisierte Pfisters Aussage und betonte, die Gebäude seien wichtig für die Dörfer. Wenn ihm das Geld, das die Gemeinde ausgebe, so wichtig sei, solle er dem Rechnungsprüfungsausschuss einen Besuch abstatten.


Offene Gartentür

Weiter sprach Paulus die Birkenstraße in Oberschwappach an. Deren schlechter Zustand sei Thema in Bürgerversammlungen gewesen. Die Straße nicht alleine zu sanieren, sondern auch den Bach daneben gleich zu renaturieren, das solle nicht vor Juni geschehen. Zum kreisweiten "Tag der offenen Gartentür" solle es in Oberschwappach keine störende Baustelle mehr geben, schloss der Bürgermeister.