Bei ihrem Besuch in die Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung zeigte sich die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Anette Kramme tief beeindruckt von der Kreativität der Schüler und ihrer Arbeiten. Der Besuch kam auf Anregung von Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) zustande. Er hatte die Bayreuther Politikerin eingeladen, sich doch selbst ein Bild davon zu machen, welche Rolle die Flechtarbeit in Lichtenfels spielt.

Hans-Jürgen Lichy, Leiter der Schule, ging zunächst auf die Historie der Schule ein, die seit 1911 eine sogenannte Halbprivilegierung besitzt. Neben dem Handwerk kann auch die Schule den Gesellenbrief verleihen. "Das ist Freud und Leid zugleich", erklärte Lichy. Das Handwerk habe 2019 nur einen einzigen Flechtwerkgestalter ausgebildet. Der Hintergrund ist, dass es industrielle Arbeitsplätze heute kaum noch gebe. Flechtwerkgestalter machen sich in der Regel selbstständig, erfährt Kramme. Beispielsweise in der Gestaltung von Gartenobjekten, sie arbeiten in pädagogischen Einrichtungen oder geben Kurse. "Es gibt viele Leute, die wieder mit den Händen etwas herstellen wollen", ergänzt Fachlehrer Günter Mix. Flechtkurse boomen.

Überwiegend Frauen

Im Schnitt bildet die Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung pro Jahrgang sieben bis acht Leute aus. Die Altersstruktur der Schüler reicht von junge bis gesetztere Semester. Überwiegend sind es Frauen, die den Beruf des Flechtwerkgestalters erlernen, meist haben sie davor bereits eine andere Ausbildung absolviert.

"Die Schule versucht die Grundtechniken zu vermitteln, dass sie hochwertige Dinge fertigen, auf der anderen Seite versuchen wir auch die Kreativität der Schüler herauszukitzeln", erklärt Lichy. Was damit gemeint ist, zeigen die Arbeiten der Teilnehmerinnen des zweiten und dritten Lehrgangs des Wettbewerbs der Danner-Stiftung. Unter dem Motto "Wertvoll-Wertlos" sollten Schüler die Chance erhalten, sich von herkömmlichen Vorstellungen zu lösen und sich mit eigenwilligen Ideen und Herangehensweisen auf das Thema einzulassen. Was den zehn Teilnehmerinnen dazu eingefallen ist, begeistert auch Anette Kramme. "Sehr, sehr spannend", sagte sie.

Beim Gang durch die Werkstätten wurde ein weiteres Thema angesprochen. Das Landratsamt bräuchte eigentlich mehr Platz, erklärt der Schulleiter. Im Gespräch sei ein Umzug der Schule in das Gebäude des ehemaligen Innovationszentrums. Ob da das Raumangebot ausreicht, bezweifelte der Schulleiter. "Gerade ist ein Umgestaltungsprozess im Gang", erklärte Lichy. Das Bayerischen Staatsministerium plane, den Unterricht in verschiedenen Berufsfeldern zu einem "Oberberuf Gestaltung" zusammenzufassen. Die einzelnen Berufsfachschulen sollen aber selbstständig bleiben.

Noch ein Thema kam zu Sprache, der Verdienst der Flechtwerkgestalter und Korbmacher. Es sei immer noch ein Problem, dass Flechtwerkgestalter nicht den Preis erzielen können, den ihre Arbeit wert ist. "Wenn ein Flechter einen Korb flicht und dafür drei Stunden benötigt, müsste er eigentlich 100 Euro dafür verlangen", erklärt Lichy. Deshalb müssten die Absolventen versuchen, Nischen zu besetzen. Am Ende ihres rund einstündigen Besuchs schrieb sich Anette Kramme in das Gästebuch der Schule ein. "Eine wunderschöne Kunst. Sie müssen erhalten bleiben", lautete ihr Eintrag. Ein Korb aus Lichtenfels wird sie an ihren Besuch in der einzigen Fachschule des Flechthandwerks erinnern.