Wer von Ihnen in den letzten Wochen an der Wallfahrtskirche Maria Limbach vorbeigefahren ist, wurde von einem befremdlichen Anblick überrascht. Die Kirche ist von einem mächtigen Baugerüst bedeckt, der Turm ragt fest verhüllt in den Himmel. Unserer Wallfahrtskirche steht eine langwierige Renovierung bevor. Seit ihrer letzten Restauration 1979 sind viele Jahre vergangen, der Zahn der Zeit nagt sichtbar an dem wertvollen barocken Gebäude aus der Feder Balthasar Neumanns.
Täglich fahre ich an der großen Baustelle vorbei und staune. Und immer wieder kommt mir ein Gedanke in den Sinn: Wie zerbrechlich wirkt doch dieses so mächtige Gebäude unter all dem Baumaterial! Wie angewiesen ist es auf fähige Bauleiter, gewissenhafte Handwerker und Menschen, die sich um den Baufortschritt kümmern. Altes soll erhalten, Kaputtes stilecht erneuert werden. Entscheidungen über Farben und Formen sind maßgeblich für die nächsten Jahrzehnte.
Ich meine, so wie der Wallfahrtskirche geht es unserer ganzen Kirche als Gemeinschaft der Christen. "Baustelle Kirche" - das ist ein treffendes Bild.
Auch die Kirche wurde immer wieder verändert und erneuert, den Bedürfnissen der Zeit und ihrer Menschen entsprechend. Das ist gut so. Das ist im Sinne Jesu, der stets den Menschen, nicht das Gesetz in den Vordergrund gestellt hat.
Umso erfreuter war ich, als unser neuer Bischof Franz Jung im Rahmen der Gottesdienste für die Ehejubilare alle konfessionsverbindenden Paare zum gemeinsamen Kommunionempfang eingeladen hat. Eine wertschätzende Geste des Bischofs, die von den anwesenden Christen spontan mit Applaus bedacht wurde und ein Lächeln in viele Gesichter gezaubert hat. Die Würzburger Kirche hat sich aktiv geöffnet, wohl wissend, dass dieses Thema der gemeinsamen Kommunion noch durchdacht und eine für alle deutschen Diözesen verbindliche Einigung getroffen werden wird. Gezählt haben in diesem Moment die Menschen und ihr gemeinsames Leben, auch wenn das Thema selbst - wie so viele Reformen in der katholischen Kirche - noch eine "Baustelle" ist.
Ich halte es für ermutigend, dass unsere Kirche Zeichen wie diese setzt, wenn auch vorerst nur im Rahmen eines Gottesdienstes zur Kilianifestwoche. Unser Bistum zeigt, dass es bereit ist zur Veränderung, dass es den Menschen in all seinen Lebensformen ernst nimmt. Die angeregte Diskussion und auch die Kritik sind eine Chance, gemeinsam an dieser Kirche "mitzubauen". Die Menschen spüren: Es bringt nichts, über eine veraltete Kirche zu jammern, zugleich aber aufzuheulen, wenn ein Schritt der "Renovierung" getan wird.
Ich freue mich, dass ein Schatz in unserem Landkreis, die Wallfahrtskirche Maria Limbach, in einigen Jahren in neuem Glanz erstrahlen wird. Ein Gebäude renoviert sich allerdings nicht von allein. Das kostet Zeit, Kraft und Mittel. Allen Verantwortlichen wünsche ich eine geschickte Hand und viel Geduld. Uns Christen wünsche ich den Mut, dass wir uns mit unserem Leben und mit unserem Glauben einbringen in den "Renovierungsprozess" der Kirche. Wie ein richtiges Gebäude lebt auch sie von der Vielfalt unserer Ideen, von unserer konstruktiven Kritik und feinsinnigem Gespür für die Zeichen der Zeit.
(Isabella Friedrich ist Gemeindereferentin aus Limbach).