Die Freilandsaison in der "Weidelandschaft Obermain" neigt sich dem Ende entgegen. So auch auf der Maininsel bei Unterbrunn, wo derzeit noch neun Fleckvieh-Kalbinnen grasen. Die Rinder gehören zum Biobetrieb Billinger aus Draisdorf. Er ist einer von acht Umsetzungspartnern, die in mehreren Teilgebieten im Landkreis mit ihrem Weidevieh für das Bayernnetznatur-Projekt des Landschaftspflegeverbands Landkreis Lichtenfels (LPV) aktiv tätig sind.


Kühe hatten keinen Respekt mehr

Bislang wurde die Einrichtung von 14 Weideparzellen über Projektmittel gefördert. Den Großteil der dazu notwendigen Flächen hat der LPV als Projektträger langfristig gepachtet, das sind immerhin 40 Flurstücke mit zusammen über 20 Hektar. Hinzu kommen zehn Grundstücksankäufe mit fast sechs Hektar, sowie weitere Flächen, die sich bereits in öffentlicher Hand befinden wie beispielsweise die Maininsel. Sie gehört dem Freistaat Bayern und wird verwaltet vom Wasserwirtschaftsamt Kronach, das hier mit dem LPV und den Naturschutzbehörden kooperiert. Mit knapp elf Hektar ist es das größte zusammenhängende Weidegebiet des Projekts.
Rudolf Billinger zeigte sich erleichtert darüber, dass die Weidesaison nach dem Austausch der Herdentiere heuer ohne Komplikationen verlief. Dies wurde erforderlich, weil sich in der ersten Weidesaison vor zwei Jahren die zunächst eingesetzten Mutterkühe mehrfach über den Main davonmachten - begünstigt durch damals extrem niedriger Wasserstände. Hatten die Tiere erst einmal den Respekt vor dem Fluss als natürliche Grenze abgelegt, behielten sie diese Unsitte im Folgejahr trotz höherer Wasserstände, die sie frei schwimmend überwanden. Der nun eingesetzten Jungrinderherde fehlt diese Erfahrung, so blieben sie brav auf der Insel und verrichtete ihre Landschaftspflegearbeit.
Über den Stand der Entwicklung machten sich Projektleiter Gerhard Hübner und sein Kollege Heinrich Maisel, der Betreuer der Wanderschäfer im Landkreis, vor Ort ein Bild. Der Inselcharakter war durch eine Mainverlegung um ein ehemaliges Kiesabbaugebiet entstanden.


Biodiversität wird gefördert

Ziel der Beweidung ist es, das vorhandene, eng verzahnte Mosaik aus Pionierflächen mit sandigen Rohböden, Magerrasen, Staudenfluren und lockeren Gehölzbestand zu erhalten.
Ohne Pflege würde sich das Gebiet mittelfristig zu Auwald entwickeln und dabei die offenen Strukturen verlieren. Schon jetzt hatten sich dichte geschlossene Weidengebüsche um die inneren Wasserflächen entwickelt, so dass keine offenen Uferbereiche mehr vorhanden waren.
Auch zum Leidwesen von Vogelbeobachtern, denen von den beiden Beobachtungsstellen die Sicht auf die Insel erschwert wurde. Die Gehölze waren bereits zu hoch und über die Fraßzone der Rinder hinaus gewachsen. Auch der ansässige Biber macht nur sporadisch durch Nagespuren auf sich aufmerksam und kann die ausufernde Gehölzentwicklung nicht eindämmen. Hier musste der LPV nachhelfen, indem er Uferabschnitte auf Stock setzen ließ. Der beabsichtigte und erhoffte Effekt stellte sich tatsächlich ein: Die wieder austreibenden Weiden wurden nun von den Rindern heftig verbissen und niedrig gehalten.
Im Gegensatz zur aus Naturschutzsicht oft präferierten natürlichen Entwicklung zu Auwald setzt die Beweidung in der Flussaue einen wichtigen Kontrapunkt. Sie schafft und erhält Kleinstrukturen und fördert dadurch die lokale Biodiversität. Freigefressene Ameisenhügel beispielsweise erleichtern die Nahrungssuche von Grünspecht und dem vom Aussterben bedrohten Wendehals, die hier noch vorkommen und hauptsächlich Ameisen verzehren. red