Es ist noch immer eine Art Zeitreise, wenn man nach Rumänien fährt, aber es tut sich viel in diesem osteuropäischen Land, das die meisten Menschen in Westeuropa ausschließlich mit bitterer Armut in Verbindung bringen. Der Lionsclub Haßberge unterstützt schon seit mehr als zehn Jahren Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen in Rumänien in der Überzeugung, dass Gesundheitsfürsorge und Bildung die nachhaltigste Form von Entwicklungshilfe sind. Lions-Präsident Rudolf Hart, Franz Beck, der im Juli seine Nachfolge antreten wird, sowie einige Mitglieder des Lions-Clubs und Unterstützer der Hilfsprojekte reisten jetzt für fünf Tage in die Region Maramures in den Karpaten.
Harry Riegel hat zahlreiche Initiativen entwickelt, um dort Unterstützung zu leisten, im Bemühen, die Region positiv zu entwickeln. Auf seine Initiative hin verlagerte der Lions-Club seinen Förderschwerpunkt in die Maramures, transportierte die bei der Generalsanierung des Schulzentrums ausgemusterten Möbel und Tafeln nach Nord-Transsylvanien, ebenso die Betten, die im Seniorenhaus St. Bruno ersetzt wurden. Nach einer kostenlosen Generalüberholung im Sanitätshaus Mannl und Hauck sind sie jetzt im Bezirkskrankenhaus in Sighetu Marmatiei im Einsatz. Dort wie an der "Regele Ferdinand Pedagogical High School" in Sighetu gibt es sogenannte "German Rooms".
Stolz zeigte Dr. Raimund Pozman die frisch renovierte Kinderstation mit Pflegebetten aus Haßfurt - und Wände, die ein junger Mann aus Sighet im vergangenen Monat liebevoll mit Bilderbuch-Figuren bemalt hat. Insgesamt aber hat das Krankenhaus große Probleme, die 14 Abteilungen in ebenso vielen sanierungsbedürftigen Häusern ökonomisch zu betreiben.


Die meisten Gebäude von 1920

Unter dem neuen Präsidenten seien die Arztgehälter deutlich angehoben worden, so dass die Personalfrage nicht mehr dramatisch ist, sagte Dr. Pozman, doch der gemeinsame Rundgang zeigte die Defizite dramatisch auf: Die meisten Gebäude stammen von 1920, die jüngsten aus den 70er Jahren. Das Budget sei niedrig, erklärte der Arzt. Sighet kämpft mit seiner Grenzlage nahe der Ukraine. "Die Maramures liegt auch in Rumänien am Ende der Welt", brachte er es auf den Punkt. Man bemühe sich, europäische Mindeststandards zu erreichen, "aber wir haben hier leider keine europäische Realität". Pozman hat keine hochtrabenden Wünsche, aber ein System der Mittelverteilung wie in Ungarn würde viel Ungerechtigkeit beseitigen, davon ist er überzeugt.
Auch an der Regele Ferdinand Pedagogical High School wurden die Gäste aus Haßfurt herzlich empfangen. Geschichtslehrer Ovidio Sechel, der die Gruppe mehrere Tage lang begleitete, und Schulleiter Claudiu Chindris erläuterten das Schulsystem, das sich anders gliedert als in Deutschland. Sehr stark stellen sich Schulen wie Schüler Wettbewerben, und so waren die Gäste aus Haßfurt zu einer großen Schulfeier eingeladen, weil die Pädagogik-Schüler die diesjährige Psychologie-Olympiade gewonnen hatten. Die Reisegruppe bekam einen ersten Eindruck der herzlichen Gastfreundschaft der Rumänen.
Am zweiten Tag gab es dann eher schwere Kost, denn in Sighetu steht auch das "Museum für die Opfer des Kommunismus". Amüsanter war da der Besuch im sogenannten Fröhlichen Friedhof in Sarpanta, der Ausflugsziel für Rumänen wie internationale Touristen ist.


Schwingstühle aus Haßfurt

Weiter ging es nach Botiza, wo die Gäste eingeladen waren, an einer orthodoxen Taufe teilzunehmen. De Zeremonie war ein Erlebnis, die anschließende Feier im neu erbauten Gemeindezentrum ebenfalls. Wenn hier für eine Veranstaltung ohne Tische bestuhlt wird, dann kommen neben dem von der Gemeinde angeschafften Mobiliar die Schwingstühle zum Einsatz, die früher im "Pädagogischen Zentrum" des Regiomontanus-Gymnasiums standen. Ein paar Häuser weiter stehen die Volksschule - und auch hier Stühle und Tafeln aus Haßfurt. Dann wieder Klassenzimmer, in denen nach wie vor die Tafeln an die Wand geschraubt sind, Esszimmer-Stühle stehen an den Pulten der Schüler. Auch hier machte der Rundgang Mut, zeigte aber auch, wie viel Nachholbedarf noch besteht.
Im Tageszentrum Ionica in Botiza betreut Erzieherin Ioanna bis zu 30 Kinder - Waisenkinder und solche, deren Eltern gerade im Ausland arbeiten und die dann bei Omas oder Verwandten leben, bei den Hausaufgaben. Der Lions-Club kofinanziert derzeit ihr Gehalt und hat schon verschiedene Einrichtungsgegenstände zur Verfügung gestellt.


Bedarf nun besser bekannt

Mit vielen Eindrucken kehrten die Lionsclub-Mitglieder zurück. Die persönlichen Begegnungen haben sie darin bestärkt, dass die Hilfe vor Ort ankommt, "und wir wissen jetzt auch noch viel konkreter, was gebraucht wird", sagte Clubpräsident Rudolf Hart. Materialien für die Mittagsbetreuung beispielsweise. Ein entsprechendes Paket wird demnächst losgeschickt, unabhängig vom nächsten größeren Hilfstransport.