Auch 2017 waren Mitglieder des Vorstands der "Hajastan-Armenienhilfe Erlangen-Höchstadt e.V." mehrere Male in Armenien, um zusammen mit Helfern vor Ort den Erfolg der Aktivitäten im Waisenhaus und andere Projekte zu überprüfen. Man sei sehr froh, dass trotz der im Land spürbaren Probleme mit Korruption und Vetternwirtschaft die Arbeitder Armenienhilfe nicht betroffen zu sein scheint, betont der Vereinsvorstand in einer Pressemitteilung. Das liege nicht nur an den häufigen Besuchen, sondern auch an der engmaschigen Kontrolle durch armenische Freunde.
So arbeiteten im staatlichen Waisenhaus Vanadzor die beiden Werkstätten (Schneiderei und Kfz-Schlosserei) nach wie vor sehr zuverlässig. Allerdings sei man mit dem Vorhaben, eine dritte Werkstatt für Holzbearbeitung zu errichten, noch nicht weitergekommen. Dank mehrerer Großspender (u. a. Familie Geiger, die Stiftungen Münstedt und Schwanhäußer, Fa. Martin Bauer) und vieler kleinen Spenden sei zwar die Finanzierung gesichert und die Baupläne für die Umsetzung fertig ausgearbeitet und unterschriftsreif. Man habe jedoch noch keine gesicherte Aussage aus dem Sozialministerium, wie es konkret mit dem Waisenhaus weitergehen soll. Anscheinend sei geplant, die Einrichtung in eine Betreuung für Kinder aus armen Familien umzuwandeln, die dort am Tage betreut und versorgt werden, nachts aber in ihre Familien zurückkehren. Noch sei aber keine endgültige Entscheidung gefallen. Der Verein hat dem Ministerium gegenüber signalisiert, sich gerne weiterhin im Waisenhaus engagieren zu wollen (z.B. Renovierung der maroden Heizung), aber die entsprechenden Weichen müssten verlässlich gestellt werden.
Positives wurde vom Einsatz in einer Grundschule in Vanadzor berichtet. Dank der Katja-Willach-Stiftung konnten wieder Renovierungsarbeiten weitergeführt werden. Die Aula der Schule wurde renoviert. Das nächste Projekt ist die Instandsetzung des Lehrerzimmers.
Erfreulich sei auch, dass erste Kontakte zwischen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Universität in Vanadzor dazu geführt haben, dass die in Vanadzor zuständige Verantwortliche für internationale Beziehungen, die Dozentin Gohar Dokholyan, in diesem Herbst zu einer Tagung des Erasmus-Programms in Franken eingeladen wurde. Vereinsmitglied Prof. Dr. Gazer habe sich hier mit großer Tatkraft eingesetzt. So eröffneten sich hoffnungsvolle Perspektiven für eine weitere Zusammenarbeit.


Abwanderungsdruck wächst

Wenig Gutes lasse sich über die soziale und ökonomische Entwicklung des Landes berichten, obwohl die neue Regierung unter Karen Karapetjan anscheinend das Grundübel des armenischen Staates, die Korruption, anpacken will. Nach wie vor liegt die Arbeitslosigkeit in Vanadzor und Umgebung bei mehr als 60 Prozent. Jugendliche finden kaum eine Anstellung. Die Einkommen reichen oft nicht für den täglichen Lebensunterhalt. Der Abwanderungsdruck wächst. Die außenpolitische Situation (Spannungen mit der Türkei und besonders mit Aserbaidschan) trägt ebenfalls nicht zu einer Entlastung bei.
Vor diesem Hintergrund hat die Armenienhilfe Erlangen-Höchstadt ihre sozialen Hilfsleistungen fortgeführt. Im Februar wurden wieder 150 Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt. Auch in diesem Winter soll diese Aktion fortgesetzt werden. Dazu kaufen Unterstützer vor Ort die notwendigen Güter ein. Mit etlichen Helfern packen sie dann die Pakete. Die "Küche der Barmherzigkeit" in Yerevan hat in diesem Jahr wieder eine Spende (3500 Euro) erhalten, die im Rahmen einer Kollekte von St. Georg in Höchstadt eingesammelt wurden. Notleidende Familien bekommen eine kleine Unterstützung durch den Verein. Dieser zahlt weiterhin die Studiengebühren für Studierende aus bedürftigen Familien und hilft in Notfällen, z.B. mit einem Rollstuhl und einer Gehhilfe für ein behindertes Mädchen.


Reise im August 2018

Parallel dazu hat der Verein die Informationsarbeit in der Region fortgeführt. Etliche gut besuchte Vorträge (meist in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Erlangen, den Erwachsenenbildungseinrichtung der evangelischen und katholischen Kirche und mit dem Türkisch-Deutschen Solidaritätsverein TDS) und zwei wieder mit Begeisterung aufgenommene Reisen in den Kaukasus zeugen vom großen Interesse für Armenien in unserer Region. Die nächste Reise wird am 16. August 2018 stattfinden. Sie führt in den Süden Armeniens und nach Berg Karabach.
Mit der originellen Idee, ein Tanzfest in der Erlanger Pfarrei Herz-Jesu zugunsten unserer Arbeit durchzuführen, wurden ebenfalls Spenden gewonnen.