Denkt man an Rhöner Fasching, kommt man um die Stangenrother Fosenöchter nicht umhin. Nicht nur, dass sie meist einen der größten Faschingsumzüge der Region auf die Beine stellen, auch mit ihren beiden Elferratssitzungen sind sie seit inzwischen 41 Jahren ganz vorne mit dabei.
Ob es daran liegt, das der Elferrat ganz in weiblicher Hand liegt, als "römische Göttinnen" traten sie diesmal mit dem einzigen männlichen Elferratsmitglied, ihrem Sitzungspräsidenten Niki Krämer auf, wer weiß... Laut Abeilungsleiterin Tamara Mehling waren jedenfalls beide Faschingssitzungen in der Rhönfesthalle ausverkauft, eine sogar schon Tage vorher.


Herzlicher Empfang

Und, auch das ist kein Wunder, die Gäste werden beim Empfang mit wärmendem Hochprozentigem empfangen - dafür sollen sie aber auch kostümiert erscheinen, was selbst der Rhöner Jugend keine Probleme bereitet. Mit der "Kleinen", "Mittleren" und "Großen Garde" stellen die Fosenöchter drei eigene, sehr vorzeigbare Garden und da tanzt seit Jahren ein junger Mann mit. Nur das Tanzmariechen (Marie Burger) war vom "Rauchclub Blaue Wolke" (Steinach) ausgeliehen. Eine Investition, die sich gelohnt hat, denn so, wie die Elfjährige tanzt und ihren Körper durch die Luft wirbelt, gibt es kaum eine Zweite in der Rhön.
Begonnen hat die Sitzung aber mit einem, ebenfalls ansehbaren "Eigengewächs", der Kleinen Garde Minicls, die als "Cheerleader" auftraten. Nach den Kleinsten der Truppe dann Annegret Winter, die als verwöhnte Hausfrau zum Besten gab, wie es bei ihr daheim abläuft bis der Traum platzt. Dann schon einer der Höhepunkte des Abends: Meggi und Lorenz Höchemer, die samt ihrer Horex als "alte Leut" auf die Bühne kamen und mit einem Rock'n'Roll-Showtanz das Publikum im wahrsten Sinn des Wortes mit hinrissen.


Rock'n' Roll vom Feinsten

"Zu unserem gemeinsamen 100. Geburtstag haben wir diese Show einstudiert, nachdem wir über 20 Jahre nicht getanzt haben", sagte der noch etwas atemlose Lorenz Höchemer hinterher. Auslöser war eigentlich die Hochzeit der Tochter der Höchemers, wo nach Jahrzehnten wieder einmal getanzt wurde. Vor einem halben Jahr dann begannen die beiden 50-Jährigen mit den Grundschritten des Rock'n Roll, die letzten zwei Monate lang wurden die Hebefiguren geübt. Nachdem sie als "Alte Leut" ihr Motorrad, eine ebenfalls sehr betagte Horex auf die Bühne geschoben hatten, war ihr Abgang genauso schmissig wie ihr gesamter Auftritt: Die beiden verließen die Bühne auf der Horex über die Treppe hinab ins reichlich Applaus spendende Publikum.


Garde im "Fußballfieber"

Gleich 18 Beinchen der "Rhönzicken" zeigten Rhöner Hip Hop, gefolgt von einem "lange schon unverzichtbaren Teil des Stängenröther Faschings" (O-Ton Sitzungspräsident), den beiden Ulknudeln Uschi Mahlmeister und Manu Metz, die vom Frauenalltag berichteten. Mit Annegret Winter und Bettina Faber stiegen nochmals zwei Frauen in die Bütt, um sich über ihre Erfahrungen bei den diversen angebotenen Vhs-Kursen auszutauschen. Berufsmusiker und der Gardetanz der Mittleren Garde beendeten den ersten Teil der über fünfstündigen Veranstaltung, der mit dem Showtanz "Fußballfieber" in die zweite Halbzeit ging.
Voll wurde die Bühne, als Stefan Grafe, Vizepräsident der Föderation Europäischer Narren (FEN) mit Claudia Zeisner (Sitzungspräsidentin Faschingsclub Grafenrheinfeld) die Ehrungen für insgesamt 280 Jahre Fasching in Stangenroth vornahm. Dann durften, zuerst hinter dichten Nebelschwaden, die Männer des TSV Stangenroth zum Ballett antreten. Viele, die vorher schon in Solonummern auf der Bühne standen, traten dann mit den Sängern kaum erkannt als "Penner" nochmals auf.


Mission Cleopatra

Die große Garde hatte ihren Auftritt, ebenso wie "Mission Cleopatra", einer der drei Showtänze, die weit nach Mitternacht das Programm beendeten. Fast exakt um Mitternacht hatte zuvor die Stangenröther Herzblut Band ihren Auftritt, gefolgt von den "Grufti's" und den "Milchschnitten der 20er Jahre", alles zusammen ein tolles Finale und eine gelungene Veranstaltung.