Zwielichtige Gestalten ziehen am Abend des 30. November (Freitag) durch die Straßen und Gassen Königsbergs. Gehüllt in Mäntel und Umhänge, ausstaffiert mit Halskrausen, bewaffnet mit hölzernen Schwertern und bemalt mit dem Bart eines Musketiers, gehen an diesem Tag die Kinder der Stadt von Haus zu Haus, um vor den Gefahren des Feuers zu warnen. Verkleidet als Feldherr Johann t'Serclaes von Tilly erinnern die "Hätscherklooßen" an die größte Katastrophe der Königsberger Stadtgeschichte.

Was war geschehen?

Denn es war im Dreißigjährigen Krieg, genau im Jahr 1632, dass der katholische Heerführer die Stadt Königsberg mit seiner rund 8000 Mann starken Armee besetzte; er selbst quartierte sich in einem Haus am Salzmarkt ein. Ausgerechnet in Tillys persönlichem Stall soll in der Nacht eine verheerende Feuersbrunst ausgebrochen sein. So besagt es zumindest eine Chronik aus dem 18. Jahrhundert.

Durchaus wahrscheinlich mag aber auch sein, dass das Feuer mutwillig gelegt wurde. Schon damals vermutete man in Bürgern der katholischen Städte Haßfurt und Zeil die Brandstifter; zumal jene Tilly überhaupt erst gegen die evangelischen Königsberger geschickt haben sollen, um den blutigen Raubüberfällen auf die umliegenden Städte Einhalt zu gebieten.

Das in dieser Nacht ausgebrochene Feuer griff jedenfalls so schnell um sich, dass in Kürze der größte Teil der Stadt lichterloh in Flammen stand. Noch in Schweinfurt ließ das Inferno den Horizont glutrot erleuchten. Allein an Wohnhäusern sollen 130 zerstört worden sein. Für Königsberg, einst eine einflussreiche und mit etwa 2000 Einwohnern für die damalige Zeit große Gemeinde, war dies das abrupte Ende ihrer Stellung als regional bedeutendes Wirtschafts- und Handelszentrum. Der größte Teil der Stadt lag in Schutt und Asche.

Von Tür zu Tür

Um auf die Gefahren des Feuers aufmerksam zu machen, gehen nun schon seit Jahrzehnten immer am letzten Novembertag die "Hätscherklooßen" von Tür zur Tür und mahnen angesichts der angebrochenen dunklen Jahreszeit mit Gedichten des 1995 verstorbenen Heimatdichters Karl Eisentraut den vorsichtigen Umgang mit Feuer an - nicht zuletzt, um sich dafür im Gegenzug auch eine kleine Gabe zu erhoffen. Die Entstehung des Brauches ist dem ehemaligen Rektor der Königsberger Volksschule, Karl Eisentraut, zu verdanken. "Hätscherklooß" sei, so dessen Überzeugung, eine kindliche Verballhornung des "Herrn t'Serclaes", da Eltern mit dessen Namen - in Erinnerung an das große Leid, das der Feldherr einst über die Stadt gebracht hatte - ihre Kinder das Fürchten lehren wollten. Sofern sie nicht spurten, so soll die Drohung gefallen sein, würde der Herr t'Serclaes kommen... sn