In diesen Wochen erinnern wir uns des Versailler Vertrags von 1919. Er hat die Welt bis heute geprägt - alte Reiche versanken, moderne Nationalstaaten erwachten, es entflammten aber auch neue Konflikte, ob auf dem Balkan oder im Nahen Osten. Dabei waren 1919 die Hoffnungen der ganzen Welt darauf gerichtet, dass nach dem Großen Krieg eine stabile Ordnung geschaffen und dauerhafter Friede herrschen würde.

Doch das erwies sich als Illusion. Weder die alliierten Sieger noch das geschlagene Deutschland und die anderen Verlierer waren bereit, wirklich Frieden zu schließen. Auf allen Seiten ging auch nach dem Waffenstillstand der Krieg in den Köpfen weiter, mit verheerenden Folgen.

Der Pazifist Kurt Tucholsky sprach von einem "Vernichtungsfrieden" und warnte bereits 1919 vor einem neuen Krieg "nach abermals zwanzig Jahren".

Nationalistische Interessen und imperiales Denken schufen Strukturen, die bis heute Krieg und Konflikte hervorbringen. Die Welt von Versailles ist keine abgeschlossene Vergangenheit, sondern eine sehr gegenwärtige, weil sie in ihren Wirkungen bis ins 21. Jahrhundert hineinragt. Was uns Versailles nach 100 Jahren heute zu sagen hat, zeigt Eckart Conze in seinem detailliert und hervorragend recherchierten Buch "Die große Illusion".

Der Autor wurde in Coburg geboren und hat am Gymnasium Casimirianum sein Abitur abgelegt. Heute ist er Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Marburg.

Im Rahmen des Arbeitskreises "Lebendige Erinnerungskultur" ist er auf Einladung der Initiative Stadtmuseum, des Evangelischen Bildungswerks und der Buchhandlung Riemann am Mittwoch, 29. Mai, um 19.30 Uhr mit seinem neuen Buch "Die große Illusion" im Haus Contakt zu Gast. Die Veranstaltung wird gefördert von "Demokratie leben".

Karten gibt es im Vorverkauf bei der Buchhandlung Riemann und an der Abendkasse. Für Schüler, Studierende, Sozialhilfeempfänger und Auszubildende ist der Eintritt bei Voranmeldung frei. red