Kronach — Der Pfarreienverbund Rennsteig wird einen neuen Pfarrvikar bekommen. Er wird, nachdem Pfarrer Dieter Gläser zum 1. September den oberen Frankenwald verlassen wird (wir berichteten), die Gemeinden Hirschfeld, Buchbach, Windheim und Tettau betreuen. Der Name soll den Gläubigen jetzt am Wochenende in den Gottesdiensten mitgeteilt werden.
Die Bemühungen des Dekanats Teuschnitz, einen Nachfolger für Gläser zu bekommen, haben sich also gelohnt. Dennoch ist es Fakt, die Pfarrer werden weniger. Das ist für die Kirche mit Herausforderungen verbunden, die es zu lösen gilt. Wir fragten deshalb Regionaldekan Thomas Teuchgräber, wie er die Zukunft der katholischen Kirche im Landkreis Kronach sieht.

Wohin wird die Entwicklung Ihrer Meinung nach gehen?
Thomas Teuchgräber: Es besteht kein Zweifel, auf die Pfarrer werden mehr Aufgaben zukommen, sie werden zusätzliche Gemeinden übernehmen müssen. Auch bei mir traf das bereits zu, denn seit zwei Jahren betreue ich neben Kronach mit seinen Filialgemeinden auch Zeyern mit Oberrodach.

Wie will denn ein Pfarrer zusätzlich Gemeinden betreuen? War er bisher gar nicht ausgelastet?
Ein Pfarrer war sicherlich ausgelastet. Fakt ist, dass - will man diesen neuen Aufgaben gerecht werden - es ebenso wie in der Arbeitswelt Veränderungen geben wird. Sehr dankbar bin ich aber auch für die Pfarrer, die bereits in den Ruhestand getreten sind, dass sie nach Möglichkeit weiterhin einige Gottesdienste übernehmen. Manches, wie beispielsweise mehrere Gottesdienste an Werktagen, oder dass in jeder Gemeinde an Ostern Auferstehungsfeiern abgehalten werden - wird es nicht mehr geben. Auch die Gläubigen sind gefordert, sich mehr einzubringen. Ein Pfarrer muss nicht unbedingt bei jeder kirchlichen Feier mit anwesend sein. Die Gläubigen werden sich zwecks Besuches eines Gottesdienstes, ebenso wie der Pfarrer, manchmal ins Auto setzen müssen. Dazu kann ich mir auch Fahrgemeinschaften, Nachbarschaftshilfen oder - wie bereits in Höfles etabliert - Kirchenbusse vorstellen, die ältere Menschen zum Gottesdienst fahren. (Thomas Teuchgräber blickt in dieser Frage auch auf Frankreich. Dort gibt es noch weniger Priester und das Kirchenleben funktioniert weiterhin, da die Kirchengemeinde - also die Gläubigen selbst viel mehr in eigenem Interesse organisieren.)

Wie sollen sich denn mehr Menschen in der Kirche engagieren, wenn die Zahl der Gläubigen immer weniger wird?
Das ist die Herausforderung! Die Kirche steht mit diesem Problem nicht alleine da. Jedes Unternehmen beispielsweise muss sich derzeit wesentlich mehr bemühen, als noch vor einigen Jahren, um genügend Fachkräfte zu bekommen. Auch die Bürgermeister bei uns in der Region sind gefordert, den negativ demografischen Wandel zu minimieren.
Eine Kirche und vor allem die Gläubigen müssen und können etwas ausstrahlen. Das kann der Glauben sein, den man zwar alleine, aber auch in Gemeinschaft leben kann, also in der Kirche. Man kann Glaube durch Zusammensein, Gebete und Lieder zum Ausdruck bringen. Pfarrer werden sich bemühen, punktuell nah an den Menschen zu sein, auch außerhalb des Gottesdienstes den Kontakt mit ihren Gemeinden suchen. Sie müssen ihre Predigten so gestalten, dass jeder Kirchenbesucher, zumindest einen Rat für's Leben mit nach Hause nehmen kann. Jesus beispielsweise hat so viel ausgestrahlt, dass seine Worte auch heute noch aktuell sind.

Ein Pfarrer ist ja nicht nur für Gottesdienste zuständig. Wenn es nun wenige Pfarrer gibt, dann kann er ja nicht jederzeit bei Notfällen gleich erreichbar sein?
Sicherlich, deshalb sollte beispielsweise bei einem kranken Menschen, nicht bis zur letzten Minute gewartet werden. Der Pfarrer sollte schon vorher kontaktiert werden. Durch mein seelsorgerisches Wirken in Pflegeheimen habe ich die Erfahrung gemacht, dass wenn ein Pfarrer mit älteren und kranken Menschen betet und diese das in vollem Bewusstsein mitbekommen, es ein großer Trost für den Betroffenen und dessen Angehörige ist.

Wäre es denn nicht sinnvoll, den Zölibat aufzuheben, dann würden doch sicherlich mehr junge Männer den Beruf des Pfarrers ergreifen...
... so einfach lässt sich das Problem nicht lösen. Ich bin nicht davon überzeugt, dass der derzeit verpflichtende Zölibat ausschlaggebend ist, um den Mangel an Priestern auszugleichen. In der katholischen Kirche gibt es viele Berufe, wie beispielsweise Pastoralreferent, den man verheiratet ausüben kann. Ich denke eher, der Priestermangel hat auch etwas mit dem demografischen Wandel zu tun. Es gibt einfach viel weniger Kinder pro Familie. Auch in der evangelischen Kirche gehen die Zahlen der Theologiestudenten zurück, obwohl es dort ja keine Zölibatspflicht gibt und auch Frauen ins Pfarramt gehen können. Auch in evangelischen Gemeinden wird es häufiger vorkommen, dass sich kleinere Gemeinden einen Pfarrer teilen müssen.

Hat die Kirche Zukunft?
Klar, die Kirche hat Zukunft, denn die Zukunft schenkt Gott, auch wenn es Veränderungen geben wird. Und auch die Kirchengemeinden werden trotz weniger Priester weiterhin lebendig bleiben. Denn ich bin überzeugt, es werden immer Menschen bereit sein, den christlichen Glauben zu leben und sich für ihren Glauben zu engagieren. Und nicht nur die beruflich eingesetzten Priester, sondern auch die Gläubigen... Ich bin äußerst zuversichtlich!

Das Gespräch führte
Veronika Schadeck