Am Donnerstag, 27. Juni, liest der promovierte Mediziner Umeswaran Arunagirinathan aus seinem zweiten Buch "Der fremde Deutsche". Beginn ist um 19.30 Uhr in der Synagoge. Er folgt damit einer Einladung der Flüchtlingshilfe Kronach.

"23 Jahre nach meiner Flucht aus dem Bürgerkrieg in Sri Lanka war ich zum ersten Mal wieder in meiner früheren Heimat. Auf dem Rückflug nach Europa waren meine Kriegsängste endlich verschwunden. Ich wusste jetzt, dass ich jederzeit nach Sri Lanka zurückkommen konnte. Beim Landeanflug auf Hamburg atmete ich tief durch und sagte mir: Hier bist du zu Hause, Umes."

Vom tamilischen Jungen, der im Jahr 1991 als unbegleiteter Flüchtling aus seiner Heimat Sri Lanka nach Hamburg geflüchtet ist, zum Herzchirurgen: Der Lebensweg von Dr. Umeswaran Arunagirinathan klingt wie ein schier unglaubliches Paradebeispiel einer gelungenen Integration. Seine monatelange, von Hunger, Durst, Krankheit und Angst geprägte Fluchtodyssee durch Asien und Afrika im Alter von gerade einmal zwölf Jahren beschrieb der Arzt 2006 in seinem ersten Buch "Allein auf der Flucht". 2017 erschien seine Fortsetzung "Der fremde Deutsche - Leben zwischen den Kulturen". Darin schildert Umeswaran Arunagirinathan, von seinen Kollegen und Patienten - wegen seines schier "unaussprechlichen" Namens - kurz Dr. Umes genannt, sein Leben in Deutschland. Seine Mutter hatte 1991 den ältesten Sohn weggeschickt - aus Angst davor, dass er im Bürgerkrieg zum Militär verschleppt worden oder - wie viele andere Jungen auch - spurlos verschwunden wäre. Die Familie hatte sich für das Geld für die Schlepper hoch verschuldet. Acht Monate alleine, ohne Eltern und Geschwister unterwegs, kam er im September 1991 in Hamburg bei seinem Onkel an. Hier besuchte er die Schule, machte er sein Abitur. Neben großartiger Unterstützung und Hilfe hat der Herzchirurg, der derzeit vor dem Abschluss seiner Facharztausbildung zum Herzchirurgen am Rhön-Klinikum Bad Neustadt steht, auch Ablehnung und Diskriminierung erlebt.

Mehr Verständnis

"Der fremde Deutsche - Leben zwischen den Kulturen" ist die Geschichte der gelungenen Integration eines tamilischen Kriegsflüchtlings, der als unbegleiteter zwölfjähriger Junge nach Deutschland kam. In seinem Buch schildert Umeswaran Arunagirinathan anschaulich seinen Weg vom geduldeten Kinderflüchtling zum Arzt und deutschen Staatsbürger. Dabei lotet er auch die Möglichkeiten, Erwartungen und Probleme einer Integration aus und setzt sich kritisch mit den Lebensformen und der Kultur seines Herkunftslandes auseinander. Der Autor will mit seinem Buch bei Deutschen um mehr Verständnis für Flüchtlinge werben und zugleich Flüchtlinge ermutigen, sich in die deutsche Gesellschaft einzufügen. hs