Jubiläen wollen gebührend gefeiert werden. Das beherzigen die Bamberger Gärtner, die bekannt dafür sind, dass sie ihre Tradition ordentlich pflegen.

So kamen vergangenen Donnerstag, 25. Oktober, Vorstandschaft und Ehrenmitglieder vom Oberen und Unteren Gärtnerverein in den Rokokosaal des Alten Rathauses zusammen, um mit Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) 325 Jahre Gärtnerzunft zu feiern.

Echte Lebensqualität

Dabei wurde nicht allein an Vergangenes erinnert. Starke würdigte auch, dass die Bürgerschaft frisches Gemüse bei ihrem Gärtner in der Stadt kaufen kann. "Das ist echte Lebensqualität." Starke erinnerte an die historischen Leistungen der Gärtner, die sich im Welterbetitel widerspiegeln. Der Oberbürgermeister verkündete: "Wir lieben unsere Gärtner!"

Die Gärtnerstadt sei untrennbar mit dem Weltkulturerbe verbunden. Der Oberbürgermeister erinnerte im Jahr des 25. Weltkulturerbe-Jubiläums daran, dass diese Auszeichnung nicht allein wegen der berühmten Bamberger Baudenkmäler wie Dom oder Altes Rathaus, sondern ausdrücklich auch wegen der innerstädtischen Gartenflächen an Bamberg ging. Mehr noch: Die Gärtner waren es, denen Bamberg den begehrten Titel Unesco-Weltkulturerbe verdankt.

Der Protest der Gärtner verhinderte das Projekt "Durchbruch Mitte" in der Gärtnerstadt, das die Struktur des Viertels komplett umgekrempelt hätte. Es blieb zum Glück alles beim Alten - und das Weltkulturerbe war gerettet. Starke: "Autogerechte Städte? Das ist Gott sei Dank Vergangenheit."

Um den Erhalt der Gärtnerstadt kämpft Michael Niedermaier, Vorsitzender des Oberen Gärtnervereins. Ihn sorgt, dass bei einer Ablehnung des Gewerbegebietes auf dem ehemaligen Muna-Gelände der Druck auf die Gärtnerflächen zunehmen könnte. "Die Stadt braucht Flächen. Aber auch wir Gärtner brauchen Flächen. Ohne Flächen gibt es keine Gärtner. Damit meine ich ausdrücklich nicht die Flächen im Weltkulturerbe, sondern die bewässerten Flächen in der Nord- und Südflur", erklärte Niedermaier.

Nachfolge der Zunft

Aktuell hat der Obere Gärtnerverein rund 150 Mitglieder, dem Unteren Gärtnerverein gehören etwa 80 Mitglieder an.Die Zunftordnung von 1693 regelte viele Details, etwa das Vermeiden von Überproduktion und die Ausbildung der Gärtner. Rechtsnachfolger der Zunft, die 1863 aufgelöst wurde, wurden der Obere und der Untere Gärtnerverein.

Die Stadt Bamberg wie Gärtner wollen, dass die Gärtnertradition erhalten bleibt. OB Starke erinnerte an jüngste Bemühungen: Integration des Gärtner- und Häckermuseums in das Konzept der Landesgartenschau, Gründung der "Interessengemeinschaft Bamberger Gärtner" und "Tag der offenen Tür" der Betriebe. Für Niedermaier sind auch die jährlichen "Gärtnergespräche" mit dem Oberbürgermeister wichtig. Kurze Wege können helfen, wenn ein Stück Lebensqualität in Gefahr ist. red