Da oben stehen Frontmänner mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung und schlagen leise Töne an: ein Trio der Pop- und Rockgeschichte. Mick Wilson (von 1999 bis 2018 bei 10cc), Peter Howarth (seit 2005 bei den Hollies) und Pete Lincoln (von 2006 bis 2019 bei Sweet und vorher bei von 1995 bis 2006 bei Sailor) haben nicht nur jede Menge Erfahrung, sondern noch mehr Spaß an dem, was sie seit 2017 gemeinsam so treiben: Perfekte Vokalsätze zu akustischen Gitarren begeisterten bei einigen Pre-Shows Jung und Alt. Ü 50 in der Überzahl. So auch auch in der Würzburger Posthalle zum Auftakt einer Welttournee, die am Samstag, 16. Mai, auch nach Hallstadt in den Kulturboden führt.

Die letzte Chance die drei Briten in so einem intimen Rahmen zu erleben, denn: "In jedem Ort, in dem sie schon aufgetreten sind, brauchten wir beim nächsten Mal eine Halle mit mindestens doppelter Kapazität", erzählt Manager Stefan Mühl nicht ohne Stolz.

Überzeugende Interpretation

Zum Rüstzeug der Welttour gehört die 2019 eingespielte eigene CD namens "All for one". Davon streuen die Frontmänner geschickt einige Titel ins dreistündige Programm ein. Das besteht aber zum Großteil aus Songs der Gruppen, der die Jungs als Sänger der dritten oder vierten Generation angehörten. An der Komposition war keiner beteiligt, die Interpretation gelingt umso überzeugender. Von der Kopfstimme bis zum Bariton. Über mehrere Oktaven erstreckt sich das Stimmvolumen jedes Frontm3n.

Kennengelernt haben sich die drei vor Jahrzehnten in der Band von Sir Cliff Richard, danach trennten sich ihre Wege. Die Wiedersehensfreude muss groß gewesen sein und dauert an. Das spürt der Konzertbesucher bis in die hinterste Reihe, wenn sie miteinander ulken und britischen Humor versprühen.

Launige Übergänge und Schenkelklopfen zwischen solchen Hits wie "He ain't heavy, he's my brother", "Dreadlock holiday", "Ballroom blitz", "A glass of champagne", "I'm not in love", "Fox on the run" "Bus stop", "Good morning judge" oder "The air that I breathe" - um nur einige aufzulisten.

Und nach drei Stunden Musik springen die drei Frontmänner flugs von der Bühne, um Autogramme zu geben und für gemeinsame Fotos zu posieren. Die Sympathien wogen hin und her. Irgendwie wollten in Würzburg weder die Besucher noch die Stars nach Hause. "All for one, we are the musketeers, and we like some beers", lautete das Motto von Pete Lincoln, der noch im März 2019 mit "Rock meets classic" in Bamberg gastierte, jetzt aber vom Sweet-Chef Andy Scott wegen seines Erfolgs mit den Frontmännern gefeuert wurde. rk