Michael Memmel

Muffelig, wortkarg, in-sich-gekehrt - so werden Franken gerne mal charakterisiert, selbst von Franken. Wer sie anders erleben will, sollte sie auf die Probe stellen, zum Beispiel mit einer Radtour von der Fränkischen Schweiz in den Spessart. Gemeinsam mit meinem Schwager wagte ich diese 170-Kilometer-Tour an einem Tag. Ein beträchtliches Stück der Strecke führte durch den Landkreis Bamberg und dort gab es auch die erste unfreiwillige Pause. Pffffffff - aus meinem Vorderrad strömte die Luft. Am Ortsrand von Unterharnsbach machten wir uns daran, den Ersatzschlauch einzusetzen, doch, oh Schreck, der war zu groß für das Rad. Was nun? Der Bewohner des Hauses direkt gegenüber verfolgte unser Treiben interessiert - und war dann sofort zur Stelle mit Flickzeug, fachkundiger Anleitung und ordentlich Luft aus einem Kompressor. So konnte es weitergehen! Und so ging es auch weiter - noch zweimal ließ sich das deprimierende pfffffff hören, bei jedem von uns beiden einmal. Doch immer waren Menschen zur Stelle, die bereit waren, schnell und unkompliziert zwei Fremden zu helfen. Und wer es nicht konnte, bedauerte das jedes Mal zutiefst. Nur so schafften wir es in 15 Stunden an unser Ziel in Lohr am Main, kurz bevor die Nacht einsetzte - abgekämpft, zufrieden und stolz auf uns und die Franken, die sich als ungemein aufgeschlossen und hilfsbereit herausgestellt hatten. Ja, und auch als ein bisschen wortkarg. Von dieser Stelle aus ein herzliches Vergelt's Gott an all die guten Geister in Unterharnsbach und im restlichen Franken.