Vor 400 Jahren begann einer der schrecklichsten Kriege, den die Welt gesehen hat. Er dauerte 30 Jahre, entvölkerte das Land und brachte die Wirtschaft zum Erliegen. Wäre die Festung Forchheim damals nicht uneinnehmbar gewesen und damit, zusammen mit der Festung in Kronach, ein letztes Bollwerk der katholischen Bürger gegen die evangelische Invasion, vielleicht wäre heuer Nordbayern in Gänze "lutherisch".
Das Schwedenheer kam 1632 ins Frankenland und eroberte im Nu Bamberg, die Hauptstadt des Fürstbischofs. Von Bamberg aus versuchten die Schweden zuerst mit friedlichen Mitteln die Katholiken zum Konvertieren zu bewegen. Als das nicht klappte, überzogen sie die Gegend mit Plünderung, Brandschatzung und Krieg.


Mit 400 Häusern

Forchheim, damals mit 400 Häusern schon eine der größeren Orte, verfügte über rund 20 000 Mann unter Waffen. Darunter waren auch viele Bürger der Stadt und des Umlandes. Das war eine ganze Menge und sie genügte sogar, um Bamberg einmal von den Schweden wieder zu befreien, was aber nur eine Zeitlang anhielt.
Nach einschlägigen Chroniken wurde Bamberg mindestens vier Mal von den Schweden erobert und von den Kaiserlichen Soldaten wieder befreit. Wegen der starken Forchheimer Befestigung brachten die Bamberger Bischöfe und andere vermögende Leute ihre Wertsachen nach Forchheim, um sie vor schwedischen Plünderern, die oft auch deutsche Söldner waren, in Sicherheit zu bringen. Forchheim rüstete sich für eine Belagerung und die Stadtspitze empfahl ihren Bürgern: "Man solle sich für ein Jahr eindecken mit Korn, Mehl, Holz, Salz und dürrem Fleisch."


Neue Feuerordnung

Fast gleichzeitig wurde eine neue "Feuerordnung" in Forchheim bekannt gegeben, um für den Fall des Beschusses mit Brandbomben gerüstet zu sein. So musste jedes Haus mindestens drei Ledereimer zum Löschen vorrätig haben, auf jeden Wasserturm mussten vier Männer positioniert werden, und Handwerker wurden eingeteilt, im Notfall das Bamberger Tor und den Graben beim Wasserhaus "mit Stein und Dung zu verschütten, sollte das Wasser hier abgegraben werden".
Obwohl Forchheim von Brandschatzung und Plünderung verschont blieb, ging es den Bürgern nicht besonders gut, klagten die Forchheimer Räte 1632 dem Kurfürsten Maximilian: Viele Bürger sind ob der großen Gefahr ausgewandert, die Hiergebliebenen werden von den Soldaten und Offizieren, die immer mehr Geld und Essen verlangen, "traktiert und übel zugericht".
So forderten sie mehr Geld und Getreide vom Kurfürsten mit der Begründung: "Wenn die Festung in sich selbst konsumiert werde", wäre sie kein Bollwerk mehr gegen die Feinde. Maximilian lehnte die Forderung ab und empfahl: "Sie sollten die Lasten teilen und gemeinsam tragen."


Großer Angriff

Am 3. März 1633 kam es zu einem großen Angriff der Schweden auf die Forchheimer Festung - erfolglos. Vier Wochen später kamen sie erneut, um Forchheim einzunehmen. Es kam zu einer Belagerung, die bis Anfang Oktober andauerte, berichtet Ortschronist Kaplan Baptist Deuber, aber trotzdem keinen Erfolg brachte - was die Forchheimer am 15. Oktober mit einem großen Siegesfest ausgiebig feierten. "Es wurden drei Salven von je 300 Musketieren und dreimal 50 Kanonenschüsse gelöst", berichtet die Chronik erfreut.


Der Dank des Befehlshabers

Noch lange hielt sich die kleine Geschichte, wonach der Befehlshaber der Schweden auf einer Anhöhe bei den oberen Kellern auf Forchheim stand und herabblickte, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen. Da fiel ein Schuss, der ihn nur knapp am Ohr verfehlte. Er zog seinen Hut und sprach: "Ihr Forchheimer, ich danke euch, dass ihr mich so empfangen habt." Den Schuss hatte ein Forchheimer Bürger abgegeben.
Mitte Juni 1634 war es wieder soweit: "Den 17. Juni ist alles schwedische Volk allhie auf Forchheim zugezogen." Die Belagerung der Stadt begann erneut. Herzog Bernhard von Weimar, der schwedische Oberbefehlshaber nach dem Schwedenkönig Gustav Adolf höchst selbst, soll im Flurstück "Hölzlein" Quartier genommen haben, weshalb die Forchheimer diesen Abschnitt mit ihren Kanonen beschossen. Es muss ziemlich viel geschossen worden sein, berichten die Chroniken, weil an einem Tag "100 geschädigte schwedische Soldaten" nach Bamberg ins Lazarett gebracht wurden.
Wochenlang wurde die Festung beschossen, ohne Erfolg. Im Gegenteil: Am 1. Juli, so Chronist Hans Jann, haben 1000 Forchheimer einen Ausfall gewagt und dabei 300 Schweden "geschädigt".


Hunderte Baumstämme gefällt

Täglich rannten die Schweden gegen die Festung an. Sie bauten Brücken über den Fluss, "aber der Kommandant hat so schröcklich hinausschießen lassen, dass er alles zerschmettert hat", berichtet die Chronik. Die Schweden ließen mehrere hundert Baumstämme fällen, um die Festungsgräben auszufüllen, umsonst. Die Kanonen zerstörten sie.
Die Forchheimer Kanoniere waren so treffsicher, dass sie sogar "schwedische Weibsleut aus den Bäumen schossen, die Kirschen pflücken wollten", so die Nonne Junius in ihrem Bericht. Es gab auch Bestrebungen, den Forchheimern das Wasser abzugraben. Warum der Versuch misslang, ist nicht bekannt.


Bettler eingefangen

Die Stadt Nürnberg, damals schon auf Seiten der Schweden, unterstützte die Eroberungsbestrebungen der Belagerer nach Kräften. Einmal forderte der schwedische Befehlshaber vom Nürnberger Magistrat 500 Arbeiter für den Bau von Schanzen (Erdhügel mit Schusslöchern) an. Da die Nürnberger keine Arbeiter mehr hatten, ließen sie "alle Bettler und Streuner" in der Stadt einfangen und unter Androhung strenger Strafe zum Arbeiten vor die Tore Forchheims schaffen. Es half alles nichts. Forchheim blieb standhaft, so dass der Oberbefehlshaber der Schweden am 12. Juli nach Regensburg zog und das Kommando der Belagerung an den General Graf Gratz von Scharfenstein fiel. Aber auch dieser konnte nichts ausrichten.
Aus Wut darüber zerstörten die Schweden Ende Juni Burk, Heroldsbach, Reuth, Gosberg, Schlaifhausen und Kirchehrenbach, berichteten die Ortschronisten Konrad Kupfer und Deuber übereinstimmend. Am 14. August wurde die Belagerung auf Befehl Herzogs Bernhard von Weimar aufgehoben, das Kriegsvolk zog im Dunkel der Nacht nach Bamberg ab.


Die Forchheimer plündern

Nachdem die Schweden weg waren, gingen die Forchheimer auf Raubzug, um die leeren Vorratsbehälter wieder aufzufüllen. In Erlangen zerstörten sie die letzten 16 intakten Häusern, sie plünderten in Baiersdorf und anderen evangelischen Orten ringsum.
Fazit nach drei Jahren Krieg: Das katholische Bollwerk Forchheim hat gehalten und vielen Menschen in ihren Mauern Schutz und Sicherheit geboten. In Forchheim standen 1634 "40 Häuser ganz leer", berichtet Chronist Deuber.
Die Bevölkerung war aber nicht nur durch die Pest und den Feind dezimiert worden, sondern auch durch die eigenen Soldaten. Sie stahlen, weil sie den versprochenen Lohn nicht bekamen, und sie raubten Lebensmittel bei den Bürgern, weil sie Hunger hatten. In Forchheim "wurden auf diese Weise mehr Menschen so verwundet, dass sie starben, als durch den Kriegsbeschuss", schreibt Kaplan Deuber in seiner Chronik der Stadt von 1867.