Nach einem Jahr Verhandlungen gehört das Kurhotel in Bad Rodach nun offiziell einer neuen Eigentümergesellschaft, angeführt von Lutz Lange. Er ist Chef der Sonneberger Bäder CmbH und Geschäftsführer der "Therme Natur" und möchte dem Hotel wieder zu altem Glanz verhelfen. "Es ist in den letzten drei Jahren etwas ins Schlingern geraten."

"Der Hauptgrund für den Wechsel war, dass wir keine gesicherte Nachfolge in eigenen Reihen hatten", entgegnet Sigrid Liebermann. Ihr Vater Heinz Liebermann hat das Hotel gebaut und 1979 eröffnet. "Deswegen haben wir ein Jahr lang miteinander gekämpft." Landrat Sebastian Straubel (CSU) ist über den Verhandlungsausgang erleichtert: "Ich bin froh, dass der Standort beibehalten werden kann. Das Kurhotel ist und bleibt das einzige 4-Sterne-Hotel im Landkreis Coburg."

Auch für Dieter Weil, der 28 Jahre lang Geschäftsführer des Hotels war, ist die Schlüsselübergabe kein trauriger, sondern eher ein freudiger Anlass. "Ich bin sehr glücklich darüber, ich bin echt guter Dinge", sagt er. "Wenn ich den heutigen Tag betrachte, sind schon Impulse da. Man sieht: Hier tut sich was, hier ist jemand, der sich Gedanken macht, wie Hotellerie geht."

Was bisher gemacht wurde

Stolz zeigt Lange, was bisher im laufendem Betrieb geschafft wurde: "Wir haben das Fitnessstudio erweitert, es fehlt nur noch ein Laufband." Zudem hat das Hotel nun auch einen zweiten Tagungsraum, denn durch die in Bad Rodach ansässigen Firmen Haba und Valeo soll das Haus auch für Geschäftsreisende genutzt werden. "Neben den Familienfeiern und den Thermenbesuchern ist das auch eine weitere Schiene", erklärt er. Deutlich im Vordergrund steht aber der Privatgast. "Die Therme ist auf einen guten Weg dank der Stadt Coburg und Bad Rodach. Daran soll das Hotel anknüpfen." Das befürwortet auch Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD): "Ich bin guter Dinge, nicht nur werktags, sondern auch am Wochenende mehr Autos auf dem Parkplatz zu sehen." Der ehemalige Geschäftsführer Weil gibt zu: "Was vernachlässigt wurde: der Gast."

"Es ist kein Haus für die Masse", weiß der neue Eigentümer. "Die Mitarbeiter und gutes Essen sind die Knackpunkte für ein solches Haus." Mit dem bestehenden Personal ist er mehr als zufrieden. Damit es den Anspruch an ein 4-Sterne-Hotel erfüllt, gibt es noch einiges zu tun: In den nächsten dreieinhalb Monaten werden die noch ausstehenden Zimmer saniert. Dazu zählen Flachbildfernseher, moderne Einrichtung und neue Vorhänge - welche die Mutter der Gesellschafterin Stine Michel gerade selbst näht. "Sie war früher Schneiderin und näht schon seit zehn Tagen die neuen Vorhänge", erzählt Lutz Lange.

Neben mehr Service und hohem Standard möchte Lange die Corporate Identity, den Wiedererkennungswert des Kurhotels, stärken: "Die Therme hat die Farbe türkis, wir haben die Farbe grün. Das passt zum Hotel", sagt er und spielt damit auf die schöne Umgebung an.

Wie so eine Wiedererkennung aussieht, zeigt er anhand einer in grün bedruckten Badetasche, die fortan für alle Wellnessgäste bereit steht. "Da drin sind Bademäntel, Handtücher und Badelatschen. Alles, was man für einen Urlaub in Bad Rodach braucht, denn wir verkaufen nicht Wellness, sondern Urlaub", sagt er.

Mit der Tasche können die Gäste dann zur Therme laufen - nach wie vor über den Gehweg. Schon lange ist ein Bademantelgang, der das Hotel direkt mit der Therme verbindet, gewünscht. Bei einem Wunsch wird es zunächst auch bleiben: "Es gibt Gedanken und es gibt Gespräche. Aber wir wollen erst einmal das Haus qualitativ zu dem machen, was es einmal war", sagt Lange. Das ist ihm schon ein Stück weit gelungen, meint der ehemalige Geschäftsführer Dieter Weil. "Mein Herz hängt schon an diesem Haus", sagt er. Und das gehe ihm jetzt auf, weil "endlich wieder Stimmung im Haus ist".