Josef Hofbauer Böllerschüsse sind stets ein Zeichen besonderer Freude und sollen eine wichtige Angelegenheit durch das Krachen der Schüsse betonen. Ein solches Ereignis ist das 25-jährige Bestehen der Effeltricher Böllerschützen, das die 18 Mitglieder aus den beiden Schützenvereinen "Bavaria" und "Frankonia" Effeltrich mit einem Treffen am Samstag, 15. und Sonntag, 16. Juni feiern. Höhepunkte sind ein Nacht-Böllern mit anschließendem Feuerwerk und das Bezirks-Böllerschützentreffen am Sonntag.

Das Böllerschießen ist die Pflege alten Brauchtums, das im Laufe von Jahrhunderten zum Volksbrauch wurde, erklärt Böllerkommandant Thomas Heumann. Und ein Zeichen besonderer Lebensfreude. So sind in historischen Quellen die Böller bei Hochzeiten, Geburten, zu Ehren hochgestellter Persönlichkeiten oder auch bei besonderen Anlässen wie Stadt- und Kirchenjubiläen abgefeuert worden. Auch bei Patronatsfesten, Prozessionen und Beerdigungen gehören Salut-Schüsse dazu.

Vor 25 Jahren gegründet

In Effeltrich hat Michael Hofmann die Böllergruppe Effeltrich 1993 ins Leben gerufen. Er konnte sich dabei auf historische Quellen berufen. So ist in dem Buch "Effeltrich, Gemeinde und Pfarrei", von Robert Kotz das Neujahrsanschießen mit einer Böllerkanone beschrieben. Und aus den Annalen des Krieger- und Veteranenvereins geht hervor, dass 1927 anlässlich des Stiftungsfestes eine Böllerkanone angeschafft wurde.

Auch wenn der Böller an sich keine Waffe ist, so ist beim Umgang mit diesem Gerät besondere Vorsicht geboten, denn der Schütze hantiert mit explosivem Schwarzpulver, das bei rund 2500 Grad explodiert. Der Böller ist zwar keine Waffe, dennoch fordert der Gesetzgeber von jedem Böllerschützen profundes Fachwissen. Jeder, der sich der Böllergruppe anschließen will, muss eine entsprechende Prüfung beim Gewerbeaufsichtsamt ablegen. Auch ein uneingeschränktes Führungszeugnis ist Voraussetzung für jeden Böllerschützen. Ebenso ist ein Mindestalter von 21 Jahren vorgeschrieben. Die Effeltricher Böllerschützen haben weder eine eigene Böllerkanone noch Standböller. Sie bevorzugen Handböller unterschiedlicher Größe Die Frauen tragen die leichteren Geräte, die etwa drei, vier Kilo wiegen. Die größeren Kaliber wiegen zehn Kilo. "Die werden ganz schön schwer, wenn du sie beim Umzug tragen musst", lacht Hans-Josef Werner.

Bis zu 40 Gramm Schwarzpulver

Die meisten Handböller haben einen Durchmesser von 16 bis 25 Millimeter und werden wie eine Startpistole nach oben gehalten. Große Schaftböller, die durchaus eine Ähnlichkeit mit einem Gewehr aufweisen, werden aus der Hüfte heraus abgefeuert. "Da ist der Rückstoß einfach zu groß", erklärt Heumann. Zwischen zehn und 40 Gramm Schwarzpulver werden entzündet. Das gibt den erwünschten lauten Knall. Billig ist das Böllerschießen nicht. "Ein Böller kostet je nach Größe und Ausstattung zwischen 600 und 2500 Euro", erklärt Hans-Josef Werner. Dazu kommt das Pulver. Hier muss man pro Schuss mit 50 Cent rechnen. Und natürlich gehört eine vernünftige Tracht zur Grundausstattung eines Böllerschützen. Schließlich wollen die Traditionalisten gut aussehen.

Für Thomas Heumann und seine Mitstreiter in der Böllergruppe ist die Sicherheit für Mensch und Tier höchstes Gebot. "Wir tragen deshalb Gehörschutz und halten Sicherheitsabstand." Schließlich könnte die enorme Druckwelle zu Verletzungen führen.

Fiebern dem Fest entgegen

Für das große Böllertreffen mit Teilnehmern aus ganz Oberfranken, aber auch Gästen aus Oberbayern hat Thomas Heumann seine Pulvertasche schon gepackt. "Wir freuen uns und fiebern dem Ereignis entgegen", erklärt Heumann. Am Samstag, 15. Juni werden um 17.15 Uhr die Ortsvereine abgeholt. Dann geht es zum Gottesdienst, der um 18 Uhr in der Turnhalle beginnt. Um 20 Uhr startet der Festabend mit dem Musikverein Effeltrich und der Blaskapelle Warngau. Höhepunkt ist dabei das "Böllern bei Nacht" gegen 22.30 Uhr.

Das Sonntagsgeschehen beginnt mit einem Weißwurstfrühschoppen um 10 Uhr in der Turnhalle. Um 11.30 Uhr startet der Festzug zum Bezirksböllerschützentreffen auf dem Sportgelände. Nach diversen Salutschüssen und Bollerschuss-Formationen beginnt der gemütliche Teil, bei dem die Blaskapelle Pöcking für Unterhaltung sorgt.