Bernhard Panzer Wenn einer etwa Großes vorhat, dann geht das selten ohne Debatten und Aufg'schau über die Bühne. Vor allem, wenn es sich um ein öffentliches Projekt handelt. Auch Herzogenaurach erlebt das in diesen Wochen und Monaten.

Die Stadt hat das rund 50 Jahre alte Rathaus abreißen lassen und will, just an der gleichen Stelle, ein neues bauen. Dem hat der Stadtrat bislang mehrheitlich zugestimmt, jedoch nicht ohne eine gewisse Skepsis von Anfang an. Auch in Teilen der Bürgerschaft hält die Kritik an, teilweise hartnäckig.

Jüngst hat sich der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Peter Simon, in einer Stellungnahme öffentlich geäußert und für sich und seine Fraktion ein klares Ja zum Rathaus-Neubau bekräftigt. Seine Zeilen wiederum sorgen für eine Erwiderung unter den, von ihm zuvor als Co-Autoren zweier bekannter Leserbriefschreiber bezeichneten Bürgern.

Für Peter Simon geht es bezüglich des Rathausneubaus vor allem um die Belebung der Innenstadt. Er schreibt: "Ein Rathaus, in das täglich mehrere hundert Angestellte und Besucher gehen, sorgt mit Sicherheit für Belebung. Dass im neuen Schlosshof dann auch wieder Feste wie das Mittelalterfest, das Altstadtfest, das Sommerkino und andere stattfinden können, sehen die Grünen zudem als einen weiteren Bonus an.

Pro Rathaus-Neubau

Auch sei man der Überzeugung, "dass ein architektonisch ansprechendes Rathaus, welches im Übrigen ebenfalls einen Park anbei hat, mehr Menschen in die Stadt bringt als ein Park alleine, welcher ja nur marginal größer wäre als jener, der sowieso entsteht."

Zuletzt stellt Simon fest, dass das Pumagebäude (derzeit Interimsrathaus) nicht als Rathaus angelegt ist. Man müsste es somit kaufen und umbauen. Der Schreiber weiter: "Nimmt man diese Kosten und rechnet dazu noch die Strafen für die nicht eingehaltenen Verträge wegen des Rathausneubaus und die schon getätigten Investitionen, gibt es nur eine klare Folgerung. Lasst uns den Rathausneubau so schnell und sparsam wie möglich durchziehen!"

Neun Herzogenauracher, vorwiegend Bewohner der Innenstadt, haben darauf reagiert. Sie wünschen sich statt eines nüchternen Sandsteinklotzes einen Schlosspark.

Warum geht man denn ins Rathaus, fragen sie und geben die Antwort: Nicht, "weil es ach so schön ist, sondern nur dann, wenn es erforderlich wird." Dank der fortschreitenden Digitalisierung sei das immer seltener der Fall. Die Ämter, die für die "Laufkundschaft" interessant sind, könnten nach Meinung der Verfasser (Bert Grumann, Diane Grumann, Fritz Jentsch, Birgit Jentsch, Ditti Walz, Gerald Kirsch, Norbert Büttner, Marga Schaufler, Peter Schaufler) durchaus im Schloss untergebracht werden.

Pro Park

Mit dieser Lösung könnte man ihrer Ansicht nach zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Bürger, die Ämtergänge erledigen müssen, kommen genauso in die Innenstadt wie diejenigen, die Ruhe und Erholung in einem Park suchen. Und: "Ein Park - und zwar ein großer, kein kleiner Grünstreifen rund um einen Neubau - lockt mit Sicherheit mehr und wiederkehrend Bürger in die Innenstadt."

Die Schreiber verdeutlichen auch, dass es nicht nur "ein paar Wichtigtuer" sind, die bisher Leserbriefe geschrieben hätten. Sie fordern auf: "Starten Sie doch eine Bürgerbefragung!" Um der Innenstadt wieder Leben einzuhauchen, brauche es keinen Rathausneubau, sondern neue und innovative Ideen, die das Zentrum wieder erlebenswert machen, heißt es abschließend.

Diskutiert worden ist darüber auch ausgiebig auf Facebook. Unter anderem wird die architektonische Gestaltung des Rathaus-Neubaus kritisiert. "Da haben Adidas und Puma ganz andere Maßstäbe gesetzt", berichtet Monika M.

Heute Stadtrat

Unabhängig dieser Debatten, die freilich nur einem kleinen Teil der Bevölkerung entstammen, befasst sich der Stadtrat am heutigen Donnerstag mit zwei Vergaben für den Rathaus-Neubau. Da geht es um die Gestaltung und Bestuhlung des künftigen Sitzungssaals und um eine Neuausführung des Sonnenschutzes für die Fenster.