Einen besonderen Leckerbissen der Multivision servierte die Fotogruppe der Kultur- und Freizeitfreunde im Vereinslokal "Angerstübla". Alex Brand aus Bamberg zeigte 330 Panoramabilder und zehn Videos aus Südindien.
Der Globetrotter erkundete mit der Kamera den Süden des indischen Subkontinents. Er war mit Bussen, der Eisenbahn und mit Booten von Goa südwärts, entlang der Koromandelküste, zum Kap Komorin, der Südspitze Indiens, unterwegs. Mit dem altersschwachen Zug rumpelte Brand zur Südostspitze des Landes mit der heiligen Stadt Rameshwaram und entlang der Malabarküste nordwärts bis Madras.
Die Zuschauer erlebten den Süden Indiens in seiner ganzen Vielfalt. In den vier Bundesstaaten Goa, Karnataka, Kerala, Tamil Nadu und im Unionsterritorium Puducherry zeigt sich ein harmonisches Nebeneinander unterschiedlicher Völker, Sprachen und Religionen. Alte Hochkulturen mit lebendigen Traditionen werden hier gepflegt und sind in der Moderne angekommen.
"The Colours of India", so der Titel des Vortrags, brachten die bunten Basare von Mysore und Madurai in die vollbesetzte Gaststube des Lokals. Die blaugrüne Wasserwelt der Kerala Backwaters, die goldenen Partystrände Goas, die grünen Teefelder der Hillstation Ooty beeindruckten Kulturfreunde ebenso wie die tiefschwarz gekleideten Pilger in bunten Hindutempeln und die Filmaufnahmen für das schrille Bollywoodkino. Rucksacktourist Alex Brand nahm sie mit auf seine abenteuerliche Reise. Er berichtete von gastfreundlichen Einheimischen, stellte die Kontraste zwischen Arm und Reich dar und ließ auch die heiligen Kühe nicht aus, die das Leben der Inder bestimmen.
Dem Wechsel von farbenprächtigen Panoramabildern zu schrillen Videos, von alten Tempeln und Tanzzeremonien verfolgten die Zuhörer gebannt. Die Bilderreise begann in der alten Hauptstadt des Königreichs Vijayanagara; dieses letzte große Hindu-Reich umfasste fast ganz Südindien.
Es zählt seit 1986 zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Zuschauer wanderten virtuell durch Ruinen des Virupaksha-Tempels und bewunderten die Festungsmauern der alten Paläste. Die Granitsteine hatten die Jahrhunderte fast unversehrt überstanden.
In der Residenz des Maharajas in Mysore leben noch heute Nachfahren der Sarazener. Die Zuschauer lernten den Tee-Anbau in dem Bergdorf Oooty kennen, wo Flachs, Hanf, Kartoffeln und Obst angebaut werden. Der Ort ist ein beliebter Bergkurort auf der indischen Halbinsel und war Sommerquartier. Weiter ging es mit der Nilgiri Mountain Railway zur Bergstation Udagamandalam im Nilgiri-Gebirge.
Im Ballungsraum Kochi an der Malabarküste mit seinem historischen Fort leben zwei Millionen Menschen auf dem Festland sowie auf Inseln und Halbinseln. Alex Brand filmte das berühmte Kathakali, ein Tanzdrama mit einer spektakulären Mischung aus Drama, Tanz, Musik und Ritual. Die nur männlichen Charaktere mit lebendig bemalten Gesichtern und aufwendigen Kostümen erzählen Geschichten aus den Hindu-Epen.
Die alte indische Kampfkunst aus Kerala wird heute in ganz Südindien ausgeübt. Altindische Krieger trugen - um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden - für ihre Herrscher Duelle auf Leben und Tod aus. Die Krieger rekrutierten sich aus der Elite-Leibgarde der Maharadschas. In Kap Komorin war der südlichste Punkt des indischen Subkontinents erreicht. Dort treffen die Ausläufer des Indischen Ozeans, das Arabische Meer und der Golf von Bengalen zusammen.


Virtueller Ausflug zu den Reptilien

In Rameshwaram wurde 1914 die Pamban-Bridge errichtet, die Indien mit Sri Lanka verbunden hatte. 1964 wurde sie durch einen Zyklon zerstört und nicht wieder aufgebaut. Danach bestand eine Fährverbindung, die wegen des Bürgerkriegs in Sri Lanka in den 1980er Jahren aufgegeben wurde. In Madras bestaunten die Zuschauer den Crocodile Bank Trust, den größten Reptilienzoo der Welt.
Alex Brand zeigte auch die rasche Zunahme des Verkehrs in Indien mit 125 000 Verkehrstoten pro Jahr und die überforderte Infrastruktur. Indien ist mit über 1,3 Milliarden Einwohnern nach der Volksrepublik China das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde. Andreas Welz