Andreas Lösch Vor wenigen Wochen berichtete der Fränkische Tag über ein dubioses Postkarten-Gewinnspiel, bei dem dem Teilnehmer das Geld aus den Taschen gezogen werden soll. Unser Leser Uwe Rettig aus Maroldsweisach hatte eine solche Postkarte erhalten, fiel auf die dreiste Masche aber nicht herein. Er wendete sich an die Zeitung und die Polizei.

Daraufhin erreichten uns mehrere Zuschriften, in denen weitere Leser schilderten, mit welch üblen Tricks sie schon dazu gebracht werden sollten, ihr Geld Betrügern oder Betrügerbanden zu überlassen. Wir haben deshalb bei der Polizei im Kreis Haßberge sowie dem Polizeipräsidium (PP) Unterfranken in Würzburg nachgefragt, was die gängigsten (und leider auch immer wieder erfolgreichen) Betrugsmaschen in der Region sind und wie man sich vor der Abzocke schützen kann.

Große Summen erbeuten

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"Die Fantasie der Betrüger ist leider unerschöpflich," erklärt Polizeihauptmeister Philipp Hümmer von der Presseabteilung des PP Unterfranken. Dabei gingen sie "psychologisch äußerst geschickt" vor, lassen ihre Opfer etwa durch ständige Anrufe nicht vom Haken. Im Einzelfall können große Summen erbeutet werden. Zusammen mit der geschätzt hohen Dunkelziffer blieben die Betrügereien eine lukrative "Geschäftsmethode", "was die anhaltend hohen Fallzahlen auch in Unterfranken belegen", so Hümmer. Gerade ältere Menschen, die großes Vertrauen in staatliche Institutionen hätten, werden zum Teil um ihre gesamten Ersparnisse gebracht und ganze Existenzen werden zerstört. Beispiele für gängige Betrügereien seien: 1. Eindringlinge: Jemand will sich Zutritt zu Wohnungen (meist älterer Leute) erschleichen, weil die Täter angeblich etwas für den Nachbarn hinterlegen wollen, den Strom- oder Wasserzähler ablesen müssen, um ein Glas Wasser bitten oder etwas verkaufen wollen. Meist betritt eine zweite Person unbemerkt ebenfalls die Wohnung und sucht nach Beute, während der erste Täter die Geschädigten ablenkt.

2. Ringtrick: Ein angeblich gerade gefundener "goldener Ring" soll an den Geschädigten "gegen Gebühr" abgetreten werden. Es handelt sich in der Regel um Ringe aus nahezu wertlosem Material. Normalerweise ist die Minderwertigkeit des Ringes auch für Laien erkennbar. Also: (Ring)finger weg!

3. Falsche Spendensammler: Jemand gibt vor, Spenden zum Beispiel für Blinde, Gehörlose oder Hochwasseropfer zu sammeln. Tatsächlich aber sammelt er nur für die eigene Tasche. Zückt der Überrumpelte tatsächlich seinen Geldbeutel, kommt es manchmal auch dazu, dass dem Opfer unbemerkt Geld aus dem offenen Geldbeutel gestohlen wird. Beim Umarmen des Opfers aus vorgeblicher Dankbarkeit wird zum Teil auch getragener Schmuck entwendet. Seriöse Spendensammlungen werden meist im Vorfeld für den jeweiligen Bereich und Zeitraum in Tageszeitungen oder anderweitig offiziell angekündigt und lassen sich über Ansprechpartner mit Namen und Adresse rückfragen. Es gilt, genau hinzuschauen. Spendensammler, die auf Mitleid machen, betteln und drängeln, sind unseriös.

4. Die Wechselgeldfalle: Hier kauft der Täter eine Kleinigkeit, bezahlt mit einem großen Schein und moniert anschließend das Wechselgeld. Beim Hin- und Herhantieren wird oft eine große Zahl von Scheinen aus der Kasse genommen oder der/die Kassierer/in übertölpelt.

5. Callcenter-Betrug: Besonders dreist - und immer durch organisierte Banden begangen - ist der Callcenter-Betrug, hier in verschiedenen, nachfolgend beschriebenen Variationen: Falscher Polizist - Das potenzielle Opfer wird unter Vorspiegelung einer akuten Vermögensgefährdung (etwa ein unmittelbar bevorstehender oder kürzlich begangener Wohnungseinbruch) von einem angeblichen Polizeibeamten angerufen. Der Angerufene soll gefährdete Wertgegenstände einem vorbeikommenden "Kollegen" zur Sicherung oder Überprüfung, zum Beispiel auf Fälschungsmerkmale oder Fingerspuren, persönlich aushändigen. Mittels manipulierter Rufnummern (leider in Deutschland nicht verboten) wird bei den Geschädigten oftmals die örtliche Vorwahl in Verbindung mit dem Polizeinotruf oder die Zentralnummer des LKA/BKA angezeigt. Dies dient der Festigung der Glaubwürdigkeit der erfundenen Geschichte. Im weiteren Verlauf treten unterschiedliche angebliche Amtspersonen, wie etwa Staatsanwälte, auf, welche die Geschehnisse noch glaubwürdiger machen sollen. Die Geschichte wird über Stunden hinweg ausgebaut und die Geschädigten immer stärker unter Druck gesetzt. Hierbei werden die Geschädigten so dirigiert, dass eine fortwährende Telefonverbindung besteht, damit die Täter die Kontrolle über die Situation behalten. Häufig werden Bargeld und Wertgegenstände direkt von Abholern, die speziell hierfür von Täterseite angeworben wurden, in Empfang genommen. Manchmal werden auch Überweisungen verlangt. Teilweise binden die Täter unbeteiligte Dienstleister (etwa Schlüsseldienst, Lieferanten, Taxifahrer) in ihre Szenarien ein und schicken diese zu den Wohnorten der Geschädigten, um zu eruieren, ob dort polizeiliche Maßnahmen getroffen werden.

Gewinnversprechen - Der Anrufer meldet sich beim Geschädigten unter falscher Identität (Lotto-, beziehungsweise Glückspielunternehmen, teilweise auch Rechtsanwalt oder Notar). Den Opfern wird ein angeblicher Gewinn eröffnet. Um diesen zu erhalten, sollen Beträge in unterschiedlicher Höhe per Geldanweisung via Reisebanken übertragen oder Gutscheincodes weitergegeben werden. Der Geschädigte wird häufig ein zweites Mal mit der Legende angegangen, der Gewinn sei höher, was aber auch eine Steigerung der Gebühren zur Folge habe. Es folgen immer weitere Forderungen, auch eine Verbindung mit der Variante "falsche Bedienstete" in Form von Bankmitarbeitern, Notaren, Gerichtsvollziehern oder Staatsanwälten ist möglich. Der Kontakt wird in einigen Fällen über Wochen und Monate aufrechterhalten. Mit dem Auftreten eines Geldabholers ist in der Regel nicht zu rechnen.

Anmerkung: "Die Übergänge zwischen diesen Modi sind fließend und die Ausgestaltung sehr flexibel, um die Geschädigten letztlich doch noch zur Zahlung zu veranlassen", erklärt Polizeihauptmeister Philipp Hümmer. So habe es einige Fälle gegeben, in denen den Geschädigten zu Beginn ein Gewinn vorgegaukelt wurde. Nach mehrmaligen Überweisungen zur Begleichung von Gebühren meldet sich dann eine falsche Amtsperson und droht mit einem Haftbefehl, da man Gelder an Terrornetzwerke oder Kinderporno Ringe bezahlt habe. "Eine andere Variante ist der vermeintlich hilfsbereite Ermittlungsbeamte, der um Unterstützung bei der Überführung von Mitgliedern der ,Gewinnspielmafia' bittet und zugleich in Aussicht stellt, dass die durch die Geschädigten bereits bezahlten Beträge am Ende zurückgeholt werden können."

Enkeltrick - Ziel der höchst professionell organisierten Täter ist es, die Opfer durch Vorspiegeln eines Verwandtschaftsverhältnisses in Verbindung mit einer persönlichen finanziellen Notlage dazu zu bringen, Barvermögen zu übereignen. Je nach Anrufsituation werden ein Autokauf, Verkehrsunfall, Immobilienkauf, Abwendung eines Haftbefehls im Ausland oder eine andersartige finanzielle Notlage vorgespielt. Die Opfer geraten dabei nicht selten unter massiven psychischen Druck. Die Tat endet schließlich mit einer persönlichen Übergabe der Beute.