Johannes Schlereth Im Jahr 2010 entschlossen sich die Volksbank-Raiffeisenbank Bad Kissingen und die Sparkasse Bad Kissingen dazu, zusammenzuarbeiten. Damals ging es um die gemeinsame Nutzung des Geldautomatennetzes. Jetzt folgt eine weitere Kooperationsvereinbarung: Ab Mitte des aktuellen Jahres teilen sich die beiden Banken an den Standorten Wildflecken und Bad Bocklet abwechselnd die Gebäude und sorgen dort gemeinsam für das Filialgeschäft. "Erstmals haben wir das vor ein paar Jahren erfolgreich in Motten und Thulba gemacht", sagt Roland Friedrich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Kissingen. Bei dem kommenden gemeinsamen Betrieb der beiden Filialen in Bad Bocklet und Wildflecken handele es sich um den nächsten Schritt.

Weniger Geldautomaten

Dabei richten sich die beiden Partner nach Eigentumsverhältnissen vor Ort. "In Wildflecken kommt die Sparkasse bei der VR-Bank ins Gebäude, während in Bad Bocklet die VR-Bank bei der Sparkasse einzieht", erläuterte Roland Knoll, Vorstandsmitglied der VR-Bank Bad Kissingen, die Gebäudesituation bei einem Pressetermin. Dadurch werden aus vier Geldautomaten zwei. Hürden berge das für die Kunden allerdings nicht. Sie können mit einer EC-Karte der Sparkasse oder VR-Bank an jedem Geldautomaten der beiden Kreditinstitute im Landkreis ohne Gebühren Bargeld abheben. Davon ausgenommen sind die Raiffeisenbank Nüdlingen und die Raiffeisenbank Maßbach, die eigenständig sind.

Damit rechnen, dass sich die Geldhäuser aus den beiden Orten zurückziehen, müsse laut Friedrich niemand: "Wir investieren nicht, um dann zu sagen: Wir gehen." Im Rahmen des Umzugs fallen unter anderem Bautätigkeiten und Investitionen im Bereich der EDV an. Die Kooperation hat jedoch Grenzen. "Jeder hat weiterhin sein System, welches dann parallel unter einem Dach läuft", betont Knoll.

Digitalisierung hält Einzug

Die Gründe für den Umzug sind vielfältig. Versicherungskosten für die Geldautomaten, aber auch Stromkosten spielen dabei eine Rolle. "Berücksichtigen müssen wir außerdem das veränderte Kundenverhalten", sagt Friedrich. Dieses habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. "Unsere Klienten besuchen uns etwa einmal im Jahr für eine Beratung und circa 24 Mal im Jahr, um im Selbstbedienungsbereich Kontoauszüge zu drucken." Im Kommen sind die Videoberatung per Webcam und Hausbesuche. "Viele nutzen bereits die Banking-App auf dem Smartphone, das Servicetelefon und natürlich das Online-Banking", sagt Friedrich. "Das gilt nicht nur für die jungen Leute, auch die Generation um die 60 Jahre herum kennt sich damit mittlerweile gut aus", fügt Sabine Wehner, Leiterin der Sparkasse-Filiale in Bad Bocklet, an.Trotz der zunehmenden Digitalisierung, sei die Geldversorgung vor Ort nicht zu vernachlässigen. Friedrichs Meinung: "Wenn in den Dörfern keine Automaten stehen, entzieht man dort die Kaufkraft." Die Menschen wären dazu gezwungen, mehr Einkäufe außerorts zu erledigen, so Friedrich.

Breites Angebot bieten

Reiner Zeller, Filialdirektor der VR-Bank Bad Kissingen, ist überzeugt davon, dass es wichtig sei, als Kreditinstitut seine Angebote an den Kunden breit aufzufächern: "Dahin geht auch der Trend: Heute möchte der Kunde einen menschlichen Berater, morgen erledigt er die Bankgeschäfte mal am Computer und übermorgen will er das Servicetelefon nutzen."

Personelle Veränderungen stünden durch die Kooperation im Gegensatz zu den Öffnungszeiten keine bevor. Die beiden Banken wollen sich die Dienstzeiten aufteilen. "An den Tagen, an denen beispielsweise die Sparkassen-Filiale in Bad Bocklet geöffnet hat, sind die Kollegen der VR-Bank nicht erreichbar und umgekehrt", erklärt Friedrich.

In beiden Geschäftsstellen wird die Sparkasse montags von 9 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr, sowie donnerstags von 9 bis 12 und 14 bis 17.30 Uhr geöffnet haben. Die VR-Bank hat nach dem Umzug dienstags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, sowie freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Am Mittwoch haben die beiden Banken an den beiden Standorten geschlossen.